19. Dezember 2007

Strümpfe stopfen

Das frischgebackene 3+-Supermodel Nathalie hat laut Interview auf 20min.ch noch keine Weihnachtsgeschenke. Wem es gleich geht oder wer noch auf der Suche nach dem letzten, ultimativen Geschenk für in den Weihnachtsstrumpf einer speziellen Person ist, hier ein paar Tipps.








Den Kalender von 12 jungen Schweizer Fotografen mit einem schönen, berührenden, lustigen oder rätselhaften Abreiss-Bild für jeden Tag: BLOCK2008 für 38.- über www.editionfink.ch, oder direkt in dieser Buchhandlung.









Lush Badekometen, z.B. den Champagne Supernova mit Badekonfetti für 7.20, z.B. aus dem Lush-Shop an der Ecke Globus-Mc Donalds in Zürich.











Wer was Sinnvolles, Selbstgebasteltes verschenken will, findet hier eine einfache Anleitung für einen speziellen USB-Memory-Stick. Der Preis variiert je nach USB-Stick (im Interdiscount gibt's zum Beispiel einen 1GB Aktion für 14.95), für das Plüschtier muss man mit ungefähr 10 bis 15.- rechnen.









Gutscheine für einen Eintritt ins Hamam Baden und damit für ein unglaublich erholsames, unvergessliches Erlebnis gibt's hier ab 38.-.










Und die supertolle, fast ein wenig weihnächtliche CD "Once Again" von John Legend kann man bei Exlibris für 26.90 kaufen.

17. Dezember 2007

Poetische Alltagsbetrachtungen

Ich bin ein grosser Fan von Mani Matter. Die einfache, aber hintergründige Poesie seiner Liedtexte, seine subtile Gesellschaftskritik und die bescheidene Art des Juristen, mit einer Gitarre und ein paar wenigen Akkorden seine Bärndütschen Lieder auf die Bühne zu bringen, haben es mir angetan. Leider ist Matter elf Jahre vor meiner Geburt tödlich verunglückt, doch seine Lieder faszinieren auch heute noch, als Tonaufnahmen. Ich liebe die Geschichte vom "Löl, blöden Siech, Glünggi und Sürmu", weiss alle sieben Strophen vom "Dr Wilhälm Täll" auswendig und habe diesen Sommer meinen kanadischen Cousins, die noch nie etwas vom Schweizer Barden gehört hatten, zu ihrem grossen Vergnügen "Betrachtige öber nes Sandwich" abgespielt.



















Bild ausgeliehen von deaddodo.org

Dieses Jahr habe ich noch eine andere Art der poetischen Alltagsbetrachtung kennen gelernt: Den Poetry Slam. Und möchte allen, die noch nie an einem solchen Event waren, unbedingt empfehlen, sich dieses Audiofile anzuhören. :) Der Poet ist Gabriel Vetter, Slamer, bisher jüngster Gewinner des Kabarettpreises Salzburger Stier und Besitzer einer toll gestalteten Website.














Und hier zum Dessert noch ein Fötteli, das ich heute auf
20min.ch gefunden habe: es ging im dazugehörigen Artikel darum, dass mit dem Löschvorgang Fotos auf Speicherkarten von Digicams nicht wirklich gelöscht werden - und zum Beweis wurden einige vermeintlich gelöschte Bilder gezeigt. Natürlich unkenntlich gemacht. Die armen Hündli könnten ja einen Imageschaden davontragen:



11. Dezember 2007

Kunst-Blogger gesucht!

Heute brauche ich wieder mal eure Hilfe. Und zwar geht es um meine Diplomarbeit. Letzte Woche musste ich eine erste Fassung des Konzepts abgeben. Ich werde als Diplomarbeit einen Blog aufschalten, auf dem Ausstellungen in Zürichs kleinen Kunsträumen journalistisch besprochen werden und darüber diskutiert werden kann. Arbeitstitel: OFF-Blog Zürich. Nun experimentiere ich mit all den Möglichkeiten, die wir Blogger Ende des Jahres 2007 haben - und natürlich auch damit, wie man den Blog möglichst leserfreundlich gestalten kann.

Technorati, Wordpress, Bloglines, RSS-Feeds, Atom, slug.ch, Podcasts, Kommentarfunktionen - wie lest/schreibt ihr Blogs? Was mögt ihr an den Feedreadern/Providern/Browsern, die ihr benutzt? Gibt es klare Vor- und Nachteile?
Was findet ihr an einem Blog leserfreundlich? Gibt es einen Blog, den ihr besonders mögt (hmhm...), oder fällt euch ein Negativ-Beispiel ein?

Und schlussendlich noch: Schreibwütige, kunstaffine, neugierige (Neu-)Blogger gesucht! Der "OFF-Blog Zürich" soll auch nach meinem Diplom im Juni 2008 weiter bestehen, das geht aber nur, wenn ich die Einträge nicht alleine verfassen muss. Also suche ich Leute, die nächstes Jahr regelmässig (ab 1x monatlich?) eine Ausstellung besuchen und darüber schreiben. Bitte weitersagen und bei Interesse bei mir melden!

Der Blog soll spätestens im März 08 online gehen.

6. Dezember 2007

No Superman

Liebe Zwischen den Zeilen-Leser,

leider kam ich in letzter Zeit nicht so zum Bloggen. Das hing einerseits damit zusammen, dass ich momentan sehr viel arbeite, wie schon mal gesagt, doch trägt auch meine Mitbewohnerin Schuld an meiner fehlenden Blog-Lust: Sie kauft immer wieder die neueste Staffel von "Scrubs- die Anfänger" auf DVD. Und weil ich euch ja nicht nur mit meinen Entschuldigungen, weshalb ihr nichts mehr von mir zu lesen kriegt, langweilen will, hier sieben goldene Gründe, weshalb Scrubs die beste Serie aller Zeiten ist.

1. Das Intro ist sehr kurz, man hat also nichts zu fwd-en, wenn man alle Folgen am Stück anschaut (wie etwa bei Sex and the City, wo das Intro mindestens eine halbe Minute dauert, oder bei Serien wie Grey's Anatomy oder Six Feet Under, bei denen es sogar noch länger geht, bis die Serie anfängt)

2. Auch die einzelnen Folgen sind relativ kurz. Wenn mich also mein Freund anruft und mir sagt, "Schatz, ich komme zwanzig Minuten zu spät", kann ich mir getrost noch eine Folge Scrubs reinziehen, ohne das Ende zu verpassen.

3. Es ist die einzige Serie, bei der ich laut loslache (Röntgenbild, Becken mit Glühbirne drin: "Entweder, der Typ hat eine Glühbirne im Arsch, oder sein Enddarm hat gerade eine gute Idee")

4. Es macht nichts, wenn meine Mitbewohnerin eine DVD weiter ist als ich, da es immer um die gleichen Leute geht und ihr Leben nicht wirklich weitergeht, spielt die Reihenfolge der Folgen keine Rolle. Wo man zum Beispiel bei "Lost" immer konzentriert wegsehen muss, um sich die Überraschungen nicht zu verderben.

5. Es gibt Szenen, wo man JD's Gedanken in Bildern sieht. Das mochte ich schon bei Ally McBeal.

6. Dr. Cox (der übrigens ein wenig aussieht wie der Bruder meines Freundes, der ebenfalls Locken und einen unglaublich trockenen Humor hat).

7. Der Hausmeister. Böse, aber irgendwie doch lieb.

24. November 2007

Begegnung der geheimnisvollen Art

Seltsam. Vor gut einer Woche hatte ich die Gelegenheit, mit der deutschen Schauspielerin Mari.a Schra.der ein Interview zu führen. Sie hat soeben als Regisseurin "Liebesleben" verfilmt, einen Roman der israelischen Autorin Zeruya Shalev. Der Film ist sehr gut, aber regelrecht schmerzhaft anzuschauen - es geht um eine junge Frau, Ja'ara, die sich in einen viel älteren Mann verliert. Er nutzt sie skrupellos aus und bringt sie dazu, ihr ganzes Leben, so wie es ist, zu zerstören. Ich verliess den Kinosaal ziemlich verstört, denn die Szenen sind teilweise sehr heftig, und die ganze Zeit tut Ja'ara genau das Gegenteil von dem, was vernünftig wäre, und das kann ich mir in egal welchen Filmen jeweils fast nicht mit ansehen.

Mar.ia Schra.der erzählte mir von ihrer ersten "Begegnung" mit dem Roman.


Frau Schrader, stimmt es, dass Sie zuerst vom Roman „Liebesleben“ gar nichts wissen wollten?

Ich wurde von meiner Agentur angefragt, ob ich eine Lesereise mit einer israelischen Autorin machen würde. Damit hatte ich überhaupt keine Erfahrung, ich hatte auch weder von Zeruya noch von ihrem Buch je gehört und habe deshalb einfach abgesagt. Damit hat sich der Verlag aber nicht zufrieden gegeben und mir das Buch geschickt.


Was hat Sie daran derart fasziniert, dass Sie die Geschichte schliesslich sogar verfilmt haben?

Eine ähnlich schwierige Frage wie, warum man sich in jemanden verliebt... Beim ersten Lesen habe ich nicht mehr rechts und links geschaut. Ich bin in diese Geschichte versunken und musste wissen, wohin sie führt, diese Achterbahnfahrt von Jara. Wie man manchmal so unerklärlicherweise von Menschen gefangen wird, von einem Musikstück oder einem Bild, ohne das man genau sagen kann, weshalb. Das finde ich immer etwas sehr Besonderes und Schönes, auch ein bisschen Geheimnisvolles...


(Das Interview wurde in der Aargauer Zeitung vom Dienstag, 20. November, abgedruckt)

Soviel erst mal dazu. Gestern, nach der Arbeit, hatte ich nichts zu Lesen dabei und ging deshalb noch in den Buchladen am Bahnhof, um mir "ein Buch zu gönnen". Und was lag da, auf dem Tisch mit den neuen Paperbacks? Genau: "Liebesleben". Ich nahm das Buch in die Hand, las die Zitate auf dem Buchrücken und blätterte darin, legte es wieder hin und ging um den Tisch herum. Ich nahm andere Bücher zur Hand, und trotzdem war ich nur noch halbherzig dabei - schliesslich konnte ich gar nicht anders, als "Liebesleben" zu kaufen.

Keine Ahnung, was dieses Buch an sich hat. Obwohl ich die Geschichte schon kenne, obwohl ich weiss, dass sie Szenen enthält, die mich emotional sehr mitnehmen werden, musste ich es kaufen. Ich habe dann auf dem Heimweg begonnen zu lesen, diese langen, verschachtelten Sätze - oft besteht ein ganzer Abschnitt nur aus einem Satz -, und konnte gar nicht mehr aufhören. Zuvor hatte ich gedacht,
Mar.ia Schra.der übertreibt ein wenig, weil sie wohl eine spezielle Beziehung zu dieser Geschichte hat. Doch es ging mir ganz genau so, wie sie es von sich beschreibt. Ich habe es selten erlebt, dass ein Buch mich von Anfang an, ja, schon bevor ich es überhaupt begonnen habe zu lesen, so fasziniert. Mal sehen, ob sich das Geheimnis im Laufe des Lesens lüftet.

20. November 2007

The Scent of Dirt

Endlich mal wieder bloggen. (Schon fast hätte ich "endlich" mit "t" geschrieben, so lang ist's her...) Dass ich so lange weg war, hängt einerseits damit zusammen, dass ich viel gearbeitet habe, andererseits mit einer neuen Freizeitbeschäftigung (und hier hab ich jetzt zuerst "Fraizeit" geschrieben - was ist eigentlich los mit mir?): Mein Freund, sein Bruder und ich haben das grösste Puzzle der Welt gekauft und sind jetzt seit einem Monat regelmässig am Zusammensetzen der 24 000 Teile. Als müsste ich nicht an meinem Diplomprojekt arbeiten. Aber dies nur nebenbei.













Immer wieder sind mir letzte Woche Themen zum Bloggen untergekommen, etwa, als der Kollege schräg vis-a-vis sich am Telefon mit "Kantonspolizei Aargau, Meier" vorstellte und gleich danach schelmisch lachte wie ein kleiner Junge - warum machen das Männer so gerne? Oder, als Nachtrag zu einem der letzten Posts, die 12 Metro-, 8 Chicoree-, 1 Hydee- und 5 Zebra-plastiktaschen, die ich an einem Tag am Aarauer Bahnhof zählte (zweimal vom Bus zum Perron bzw. retour). Als drittes ist mir der iPod-Klopapierhalter von iCarta aufgefallen. Schon verrückt, aber nichts Neues in der Blogosphäre.



















Das Rennen gemacht hat nun etwas, was ich heute bei meinem Blitz-Durchgang durch die Ausstellung "Nature Design" im Zürcher Museum für Gestaltung entdeckt habe: Eine Parfümlinie, die neben Düften wie "Ivy" (also Efeu, riecht herb, bitter), "Bamboo" (frisch, süsslich) und "Sweet Orange" auch andere Naturdüfte verkauft: Da gibt es "Ocean" (riecht aber eher nach Swimming Pool), "Rain" oder "Snow" (naja...), "Tomato", "Celery" und "Beet Root" - aber auch ganz abgefahrene wie etwa "Earthworm" (sehr erdig). Weiter bietet die Demeter Fragrance Library zu moderaten Preisen auch Düfte wie "Play Doh" (oooh...), "Sex On The Beach", "Vinyl", "Paperback", und für alle, die den Geruch von frischer Wäsche lieben: "Laundromat". Und, wohl nur dank der "100% no questions asked money back guarantee" in den "Top 30 Fragrances": "Dirt".



5. November 2007

Mein lieber Schwan!

Ich glaube, man kann auf der Welt zwei Sorten von Menschen unterscheiden: Solche, die mit Tieren sprechen, und solche, die das nicht tun. Beispielsweise hat meine jahrelange Höflichkeit einer Nachbarskatze gegenüber heute Früchte getragen. Ich habe die weisse Schönheit jedesmal gegrüsst, wenn ich an ihr vorbeigegangen bin, sie hat meist indigniert weggeblickt. Heute aber hat sie, als ich ihr "Hallo" gesagt habe, angefangen zu miauen, ist auf mich zugekommen, hat ausgiebig meine Hand beschnuppert und sich schliesslich streicheln lassen. Allerdings nur kurz - meinerseits. Es war einfach zu kalt und im Kühlschrank standen Reste des herrlichen Znachts vom Samstag, die in die Mikrowelle - und jetzt in meinen Magen - wollten. Auch Bienen sind bei mir beliebte Gesprächspartner, natürlich auch, wenn es sich ergibt, Pferde, und auch unsere WG-Wüstenrennmäuse haben oft das Vergnügen, mit mir zu diskutieren.

Es gibt aber noch eine zweite Art, die Menschen (oder zumindest die Frauen) zu unterscheiden: in solche, die diese grässlichen metro- (chicoree-/zebra-)Taschen aus Plastik tragen, und solche, die das nicht tun. Ich wette, jedes einzelne dieser Chicks (es ist meist die gleiche Sorte Frau; zwischen 16 und 20 und sichtlich Kundinnen besagter Läden) hat eine genügend grosse Handtaschensammlung zu Hause, um ihr Hab und Gut nicht diesen unsäglichen Dingern anzuvertrauen, aber nein - es scheint Mode zu sein. Aber wie schon Oscar Wilde sagte: "Mode ist eine so unerträgliche Form der Hässlichkeit, dass wir sie alle sechs Monate ändern müssen." Hoffen wir's...



29. Oktober 2007

Eine kleine Detektivgeschichte

Ich liebe es, wenn mein "Vor-Leser" seine Quittung im Bibliotheksbuch vergessen hat. Dann schaue ich jeweils bei meinem nächsten Bibli-Besuch nach, was er/sie für Bücher gelesen hat, und leihe mir sie ebenfalls aus. Momentan lese ich den Krimi "Der japanische Liebhaber" (klingt übrigens viel schundromanmässiger, als er ist), und da lag die Bücherquittung von J.B. drin. Schade, kann ich hier den Namen nicht veröffentlichen. Ich weiss nicht mal, ob das eine Frau oder ein Mann ist. Ich tippe aber auf eine Frau. (Bei folgendem Text stelle man sich nun bitte Philip-Maloney-Musik vor.)

J.B. hat sich folgende Bücher ausgeliehen:

eben, "Der japanische Liebhaber" von Sujata Massey

"Der Lüge schöner Schein" von einem/r R. Hill

"Kakerlaken" von jemandem namens Nesbo (ich tippe auf eine
n Comic)

zudem hatte er/sie von einer früheren Ausleihe noch diese Bücher zu Hause:

"Das Phantom von Manhattan" von Fre
derick Forsyth
"Der Unfall" von Sebasti (?)

"Wie durch ein dunkles G" von Donna Leon (sollte, glaub ich, "Glas" heissen)

und "Der Tote im Smoking" von einem/r Mrs/Mr Gordon.

Spannend. Den "Toten im Smoking" würde ich sofort auch lesen, ich liebe diese Krimis mit Titeln im Agatha Christie-Stil, "Mord im Orient-Express" oder "Rendez-vous mit einer Leiche". Herrlich. Offenbar mag diese/r J.B. Krimis ebenfalls, denn Frederick Forsyth schreibt ja auch so Thriller-mässige Sachen, wenn ich mich recht erinnere. Und "Der Lüge schöner Schein" klingt mir ebenfalls sehr nach einem Rosamunde Pilcher-Werk, in das ein Mord eingeschmuggelt wurde. "Der Unfall" ist bestimmt auch so etwas ähnliches.

(Ich glaube immer mehr, es handelt sich bei J.B. um eine LeserIN, und zwar so zwischen 30 und 35. Ich kann mir nämlich keinen Mann vorstellen, der "Der Lüge schöner Schein" lesen würde, da hat es auf dem Cover bestimmt Bl
umen drauf, wie hier zum Beispiel. Oder ein idyllisches Einfamilienhaus mit Treppe und überdachtem Eingang. (Fehlanzeige übrigens.












Erst recht bei dieser Ausgabe, da ist ein halb verwester Fuss auf dem Cover. Würde ich nie lesen. Obwohl, auf den ersten Blick dachte ich, es sei ein Foto von der Mondoberfläche.














Naja, wenigstens beim englischen Paperback hängen ein paar Kirschblüten ins Bild.)












Lesen Männer überhaupt Krimis? Schreiben tun sie sie ja. Bitte um Kommentare zu diesem Thema, geschätzte Leser.)

Ich glaube, J.B. ist Anfang Oktober (der Beleg stammt vom 3.10.) noch für eine Woche in die Wärme geflogen. Nach Kos, oder nach Ägypten, irgendwo, wo man zu dieser Jahreszeit noch am Strand liegen kann. Und hat sich dafür einige spannende Bücher ausgeliehen. Um sich die Zeit zu vertreiben und zu relaxen, bevor der graue Alltag wieder ruft, beispielsweise wird nämlich am 17.10. ihr Jahresbeitrag bei der Bibliothek fällig. Wenigstens hat sie aber keine Mahnschulden, der Kontostand ist bei 0.00.

Nun nimmt mich aber noch wunder, was "Kakerlaken" für ein Buch ist. Ich dachte ja (aufgrund des Autoren-Namens), es sei ein Comic. Auch hier: 100% falsch. Sie haben einfach den Vornamen (Jo, wieder so unisex) weggelassen. Ich lasse dafür das Bild weg, ich mag Kakerlaken nämlich nicht besonders. Scheint mir ein sehr morbider, düsterer Thriller zu sein.

Nun ja, es stellt sich also heraus, das "Der Unfall" das einzige nicht-kriminelle Buch ist. Laut Amazon handelt es sich nämlich um eine Liebesgeschichte aus dem Bukarest der 30er Jahre. 1930er, muss man ja jetzt sagen. (Nicht wie bei 2046 von Wong Kar Wai, dieser Film würde ja nämlich in heutiger Zeitrechnung in den 50er Jahren spielen. Wunderbar futuristisch, ein sehr sehenswerter Film übrigens. Läuft so alle Jahre mal auf arte, glaub ich.)

Da ich aber ja (bestimmt nach diesem Test, in der Realität aber zumindest geistig) kein Kind des alten Jahrhunderts bin, google ich J.B. zum Schluss noch. Ups. Da erscheinen ganz viele russische Websites. Womit der Beweis erbracht wäre, dass alles Googeln nichts ist gegen solide, detektivische Recherchearbeit! Ich gebe mich aber noch nicht geschlagen und gebe den Namen noch bei den Weissen Seiten ein. Mit dem vollen Namen gibt es keine Treffer, da versuche ich den Vornamen und die Postleitzahl 5* für den Kanton Aargau. 10 Resultate: Ein(e) Dr.Ing., ein dipl.Ing., ein Elektroingenieur und ein dipl.Bauing., ein Techniker Feinmech. und ein katholischer Pater.
Erstaunlich! Und alle tragen einen anderen Nachnamen, es handelt sich also bei den fünf Ing's nicht um ein- und dieselbe Person. Falls ihr euch also mal ein Kind wünscht, dass Ingenieur wird: fragt mich ruhig per Mail um den Namen an. (Ich kann ja verraten, dass es sich dabei um den Namen einer Insel im Ärmelkanal handelt, mit Z statt mit S geschrieben. Recht hübsch eigentlich.)

Trotzdem:
Ich scheine mit meinen Vermutungen überall, also auch um das Geschlecht des Lesers völlig daneben gelegen zu haben, denn leider sind immer noch mehr Männer als Frauen in technisch-akademischen Berufen vertreten. Wahrscheinlich handelt es sich bei J.B. um einen älteren Herrn, der mitnichten ans Meer in die Ferien fährt. J.B. bleibt nämlich in seiner Freizeit lieber zu Hause - und liest gemütlich einen Kriminalroman.

26. Oktober 2007

Evelyne Wildeisen

Dafür, dass ich an meiner Konfirmation auf die Frage, was ich nie tun würde, geantwortet habe: "Ein fünfgängiges Menu kochen", ist es doppelt erstaunlich, dass ich inzwischen sehr gerne in der Küche stehe. Kochen ist sogar schon fast ein Hobby von mir geworden. Gestern Nachmittag etwa war mir langweilig und so beschloss ich, Chocolate-Cookies zu backen. Und - festhalten! - peppte das Rezept mit Bananenstückchen und Zimt sogar noch kreativ auf.

Höre ich "Wow"'s? Recht so. Im letzten Monat habe ich nämlich unter anderem Dampfnudeln mit selbstgemachter Vanillesauce, selbstgemachte Pizza und Sushi gekocht, und momentan warte ich darauf, dass die Farfalli zu meinem chinesischen Wok-Gemüse gar werden. Beim Warten hilft mir ein "Heiratsbeschleuniger", wie mein Freund zu sagen pflegt, und die halbe Flasche Rotwein, die vom Pizzaabend noch übrig ist. Deswegen stelle ich diesen Eintrag besser gleich online, bevor ich ihn noch verpfeffere.

24. Oktober 2007

Racletteöfeli = erwachsen

Das Gefühl, als ich zum ersten Mal den Schlüssel zu meiner eigenen Wohnung im Schloss umdrehte, war überwältigend. Ich fühlte mich unglaublich selbständig, als ich mich an einem Ort zu Hause zu fühlen begann, wo meine Eltern nicht auch wohnten. Aber erwachsen? Damals noch nicht.

In letzter Zeit kam es jedoch häufig vor, dass plötzlich eine meiner Freundinnen mitten im Gespräch sagte: "Wir reden total erwachsen. Komisches Gefühl." Worum es da ging? Darum, wie lange man Ratatouille am besten kocht, wie es mal sein wird, wenn wir Kinder haben, darüber, wo gewisse Lebensmittel billiger zu kaufen sind und wessen Namen man wohl auf den Wahlzettel schreiben sollte. Ist man erwachsen, wenn man zwei Stunden lang das Badezimmer putzt und dazu mehrere verschiedene Reinigungsmittel benutzt? Wenn die fünf Jahre jüngere Schwester bald 20 wird? Wenn man plötzlich mehr Steuern als nur die 30.- Franken für die Feuerwehr bezahlen muss? Wenn Bekannte, die im selben Alter sind, heiraten? Wenn man eine eigene Hausapotheke hat? Oder ein Racletteöfeli, einen Dampfkochtopf besitzt? Wenn einen im Laden eine Verkäuferin berät, die offensichtlich Jahre jünger ist als man selbst, und trotzdem schon ausgelernt? Wenn der eigene Freund 25 ist und somit schon fast 30? Wenn man die Coop-Küchenmaschinen-Trophy-Punkte sammelt?

Zum Glück komme ich mir wenigstens einmal im Jahr wieder definitiv wie ein kleines Mädchen vor - nämlich wenn ich mich schon Mitte Oktober auf einen Adventskalender mit Glitzer drauf und Schöggeli drin freue.

18. Oktober 2007

Zu fiele Rechtschreibregeln

Ohne Worte.



















Gesehen bei Exsila, wiedergefunden bei Amazon.

(Könnte David Bowie Deutsch, er hätte es bestimmt richtig geschrieben. Denn, wie wir in der dritten Klasse lernten: "Das Präteritum ist gar nicht schwer, wenn Musik dazu erklingt // Das Präteritum, ach bitte sehr, es wird leichter, wenn man singt")

9. Oktober 2007

Murphys Law - bis zum Letzten

Hey, heute war wieder einer der verdammten Tage, die ich kaum ertrage, weil sie damit beginnen, dass ich um ein Haar den Bus verpasse und wegen der ganzen Rennerei zur Haltestelle und darauf folgenden Schwitzerei meine ganze Morgentoilette umsonst war. Erstaunlich, dass ich immer noch so gut gelaunt vor dem Laptop sitze, obwohl das Internet nicht läuft und irgendwo in der Nachbarschaft geschossen wird (klingt jedenfalls so).

Der Morgen war gar nicht übel, abgesehen vom Bus-Nachrennen. Ich hatte im Büro ordentlich zu tun, was mich immer freut, weil ich dann nicht jeden um Arbeit anbetteln muss. Dann bekam ich noch ein Kompliment für ein Porträt eines Künstlers (das übrigens am Donnerstag im LIVE der AZ erscheinen wird, für die, die’s intressiert), und es gab gratis Birnen und Äpfel auf der Redaktion.

Am Mittag wollte ich am Bankomaten Geld holen, um in Moser’s Café eine Gulaschsuppe essen zu gehen und dabei gemütlich an meinem Roman, der von siamesischen Zwillingsschwestern handelt, weiterzulesen. Nachdem mir letzte Woche bereits meine lila EC-Karte den Dienst versagte (sie lässt sich nicht mal mehr in den Schlitz schieben), spuckte der Automat nun auch meine blaue Karte wieder aus, bevor ich überhaupt dazu kam, den PIN einzugeben. Nach etlichen Versuchen gab ich auf, kratzte all mein Münz zusammen und kaufte mir einen Kebab.

Am Nachmittag ging mir die Arbeit aus, nicht, weil ich so früh fertig gewesen wäre, sondern weil schlicht und einfach die Journalisten nicht lieferten, wann sie sollten. Beziehungsweise war die eine Kolumne, die eine fixe Länge hat, viel zu kurz (und überdies schlecht), und der Schreiber konnte erst gegen Abend eine längere Version schicken, weil er noch unterwegs war. Nun denn – ich nutzte die Zeit, um schnell zur Bank zu gehen und wegen dem Kärtchen-Spuk nachzufragen. Es stellte sich heraus, dass einerseits meine monatliche Limite wegen der Lohnpause während meiner Kanada-Ferien auf lächerliche 300 Franken heruntergesetzt worden war, aber abgesehen davon meine EC-Karte tatsächlich nicht mehr funktionierte. Wenigstens war mein Konto nicht von Unbekannten geplündert worden, und so kam ich trotzdem zu ein wenig Bargeld, bis meine neue Karte ankommt.

Zurück auf der Redaktion wurde mir mitgeteilt, dass einer der vorgesehenen Artikel ersetzt werden müsse, weil sich die Faktenlage geändert hatte und die Neuigkeit deswegen geplatzt war. Glücklicherweise gestaltete meine Chefin die Seite selbst neu, während ich immer noch auf die verlängerte Version der Kolumne wartete. Eine halbe Stunde nach meinem gewöhnlichen Arbeitsschluss kam der Artikel – drei Zeilen länger als zuvor (bestellt gewesen wären 850 zusätzliche Zeichen – etwa 25 Zeilen mehr). Krisensitzung, Notlösung.

Endlich konnte ich mich nun auf den Weg machen, doch der Zug, mit dem ich noch pünktlich für meinen Spanischkurs nach Aarau gekommen wäre, war längst abgefahren. Der Bummler war noch nicht im Bahnhof, also kaufte ich mir im Interdiscount noch schnell neue Stöpseli für den iPod. Als ich im Zug sass und sie ausprobieren wollte, war natürlich der Akku leer. Und wen überrascht’s, dass der Zug wegen einer technischen Störung zwischen Lupfig und Birr eine halbe Stunde warten musste. Trotzdem ging ich noch in den Spanischkurs, eine Dreiviertelstunde zu spät. Wenigstens konnte ich inzwischen im Zug ein schönes Sätzli vorbereiten: „Perdon, tenìa que trabajar hasta mas tarde.“

Zuhause angekommen erwartet mich nicht nur im Kühlschrank gähnende Leere, weil meine neue Mitbewohnerin offenbar nicht zum Einkaufen gekommen ist, sondern auch an der Stelle, wo normalerweise unser Modem steht, ein leerer Fleck. Und die Nachbarn, in deren Wireless-LAN man sich gelegentlich einschleichen kann, sind nicht online. Kein gemütliches Surfen also, und diesen Eintrag schreibe ich nun auch im Word statt direkt im Blogger, während draussen immer noch diese Pressslufthammer/Maschinengewehr-Geräusche lärmen. Schon fast wie im Krieg. Wenigstens stand noch Mineralwasser im Kühlschrank und ich hab mir letzte Woche tolle Musik runtergeladen, die mir nun fröhlich den Abend würzt. Feist: „Take it slow, take it easy, please“. De Soundtrack zum Läbe.

Ich wundere mich, dass mich mein Laptop bis jetzt nicht im Stich gelassen hat.

4. Oktober 2007

Der Jungbrunnen

Soeben habe ich rausgefunden, dass mein biologisches Alter 10 ist. Richtig bin ich ja 23, aber obwohl ich so gut wie nie Sport treibe (im Test trägt das mit +2 Jahren ziemlich auf), ist mein Körper offenbar noch recht jung.

Hier gehts zum Test.

Und hier die Tricks:

Immer den Sicherheitsgurt tragen beim Autofahren macht dich ein Jahr jünger
Täglich frühstücken: - 1 Jahr
Keine Verdauungsprobleme: - 1 Jahr
3x täglich essen: - 1 Jahr
Sich glücklich fühlen: - 1 Jahr (hier bin ich bei 17.5)
Keine Panik- oder Angstgefühle: - 1 Jahr
Enge Freunde: - 1 Jahr

Hm. Ich hab richtig Lust, mir jetzt "Hey Arnold" anzuschauen, meine beste Freundin zum Barbie-Spielen einzuladen und - wo ist eigentlich meine Mami?!

2. Oktober 2007

Nationalratskandidat Schneemann

Endlich wurden gestern auch in meinem Wohnort die Unterlagen für die Parlamentswahlen verteilt. Ich bin froh, wenn diese vorbei sind und man im Bus wieder zum Fenster hinaus schauen kann, ohne sich beobachtet zu fühlen von all den Köpfen auf den Plakaten.

Ich war also überrascht von dem ansprechenden Heftli, dass die Bundesbehörden uns da schicken - "Auf eine farbige Schweiz", mit Töpfchen voller Pigmente auf der Titelseite und auch innen drin schönen Fotos (wie aus dem Boesner-Katalog) von Farbstiften und Pinseln. Jede Partei hat eine Seite, um sich vorzustellen - für einmal ganz einheitlich, ohne grellbunte Balken und Slogans, sondern schwarz auf weiss. Man sollte ganz auf die Propaganda verzichten und vor den Wahlen nur solche Heftli verschicken. Dann würden sich die Leute nicht so belästigt fühlen und aus Protest ihre "Stimme verweigern", wie der Herr in der AZ-Umfrage gestern. Als ob das jemand merken würde - "Ou nei de Herr S. het sini Stimm verweigeret, wie truurig". Geht wählen! In vielen Ländern haben die Leute gar keine politische Stimme - nutzen wir unsere und zeigen wir, dass es uns nicht egal ist, wer "die da oben" sind!

Und weil es ja wirklich schwierig ist, unter den Hunderten von Kandidaten in jedem Kanton "seine" herauszufiltern, hier noch ein nützlicher Link (danke Isa!): Auf Smartvote gibt es einen Test, wo man entweder schnell (5 Minuten) oder ausführlicher (ca. 15 Minuten) ein paar Fragen zu seiner politischen Gesinnung beantworten kann (alles völlig anonym, Registrierung ist zwar möglich, aber nicht erforderlich). Zu jeder Frage gibt's auf Wunsch Infos und Pro-/Kontra-Argumente, und am Schluss wird detailliert ausgewertet, wem man politisch am nächsten steht. Ein kleines Diagramm veranschaulicht, wo die Übereinstimmungen liegen, zudem kann man von den meisten Kandidaten noch ein Fötteli anschauen. Wirklich hilfreich! Und viel spannender und vor allem sinnvoller als die Online-Fragebögen, die wir doch alle schon mal gemacht haben... Trotzdem, der Vollständigkeit halber, und weil es ja jetzt rapide kühler wird, noch ein Link zum "Würdest du als Schneemann überleben?"-Test.

1. Oktober 2007

Fetzy Etsy

Aaaah - tatsächlich habe ich am Samstag nach meinem letzten Blogeintrag einiges Kreatives gemacht: Ich habe feine Brötchen gebacken, seit langem wieder ein wenig gezeichnet (ich selber als Modell bin allerdings ziemlich langweilig - und die Winkel, aus denen ich mich selbst zeichnen kann, ohne mich zu verrenken oder mir diverse Körperteile einzuschläfern, begrenzt. Da muss noch eine Lösung - oder ein(e) Freiwillige(r) - her) und mein Fahrrad aus dem Keller geholt. Zugegeben, letzteres ist auf den ersten Blick wenig kreativ - allerdings musste ich meine Sudoku-erprobten Hirnregionen ziemlich lange bemühen, bis mir der Zahlencode für mein Veloschloss wieder einfiel... und kam mir anschliessend vor wie Danny Ocean nach dem Einbruch ins Belaggio.

Nach einem langen Arbeitstag und anschliessendem "
¡Ayayay, Espanol!" schaue ich aber lieber anderen Leuten beim Kreativ-Sein zu und beschränke meine eigene künstlerische Tätigkeit aufs Salat-Komponieren und Fingernägel-frisch-lackieren. Da kommt mir etsy.com gerade recht: lauter wunderbar talentierte und ideenreiche Menschen präsentieren und verkaufen da ihre Arbeiten. Ein Online-Kunsthandwerkermarkt, schon fast wie die Stände in den Sommerferien, nur im Internet und viel, viel besser.

Die Auswahl ist riesig, doch Hilfe ist schnell zur Stelle: auf "Etsy's most wonderful things" sind einige Trouvaillen aufgelistet. Zum Beispiel dieser tolle Minijupe - ein absolutes will-ich.



















Inspirierend, oder? Meine ersten Etsy-Besuche im Frühling resultierten ja bereits in zwei tollen T-Shirts...

29. September 2007

Der Musenkuss

Jetzt bin ich fast fertig. Noch 33 Seiten, dann weiss ich, wie es mit der verrückten WG von Philou, Camille, Franck und Omi Paulette zu Ende geht. Das Buch, auf dessen Basis der Film "Ensemble, c'est tout" (den ich noch nicht gesehen habe) entstanden ist, ist eines der schönsten, die ich in den letzten Monaten gelesen habe. Zweimal hatte ich es in der Buchhandlung in der Hand, einmal hab ich's für eine Kollegin gekauft, und irgend etwas hat mich so gedrängt, dass ich gar nicht anders konnte, als es für mich selbst gleich auch noch zu kaufen. Im Klappentext steht "Ähnlich wie Amélie, nur noch schöner", aber das trifft eigentlich nicht zu: "Zusammen ist man weniger allein" ist zwar genauso zauberhaft, die Hauptfigur erinnert schon sehr an das fantasievolle Mädchen aus Montmartre, aber eigentlich ist die Geschichte viel trauriger. Camille ist magersüchtig, gescheiterte Künstlerin und hat eine Mutter, die sie bei jedem Treffen wieder rückfällig werden lässt, Franck ist unglücklich in Camille verliebt, total gestresst von seiner Arbeit als Koch und von der Belastung mit der altersschwachen Grossmutter Paulette, und der schlaksige Philibert stottert und wird von seinem Vater verachtet. Und dass die vier schliesslich zusammenwohnen, kann nicht gut ausgehen. Es wird ein trauriges Ende nehmen, doch diese mag ich lieber als gekünstelte und unrealistische Happy-Endings.

Der Donnerstag hingegen nahm für einige ein feucht-fröhliches Ende: Für die 12 Dichter nämlich, die sich am Poetry-Slam im Boiler Aarau miteinander massen. Alle durften am Schluss ihren Becher unter die Absinth-Flasche halten.

Und heute gab's sogar einen schönen Anfang. Die Sonne schien durch die Vorhänge hell in mein Zimmer, ich erwachte in meinem warmen, weichen Bett und war glücklich.

Was die drei Dinge miteinander zu tun haben? Inspiration - ich möchte wie Camille wieder anfangen zu zeichnen, mit den Slam-Poeten weiter den Zauber und die Kraft von Worten entdecken und dank der warmen Sonne wieder mehr Zeit im Freien geniessen und die Augen offenhalten für die Schönheit des Herbstes. Ich will Carla Bruni und Coralie Clément hören, dazu tanzen und Kürbissuppe kochen, will dicke Schals um mich wickeln und draussen spazieren gehen, will mein Papier wieder hervorholen und mit gespitztem Bleistift Zehen, Knie und Mundwinkel zeichnen. Ich will endlich wieder Fahrrad fahren und mir dabei die Finger abfrieren, Herbstblätter sammeln und Kastanien in den Händen halten.

Wer sich auch inspirieren lassen will: Im Kunsthaus Aarau wird bis im Dezember noch die Sammlung ausgestellt ("Etant donné"), mit Werken, die einem das Herz aufgehen lassen: etwa die Farbwülste von Albrecht Schnider, Schlangenhaut von Christine Streuli, ein Unfall von Steiner/Lenzlinger und eine poetische, feine Installation von Pipilotti Rist. Zum immer-wieder-hingehen.

25. September 2007

Der Herr der Windeln

Die Schweizer Partyfotoagentur Tilllate ist neuerdings auf der Suche nach dem hippsten Baby. Aber schön der Reihe nach.

Als ich gestern ein Plakat sah, dass für "Nuggi-Kino" warb, dachte ich zuerst an einen schlechten Witz.
Kino für Babys, die noch nicht einmal selbst sitzen können? Kein Scherz - tatsächlich veranstaltet ein Schweizer Detailhandelsunternehmen Kinovorstellungen für Mütter und ihre maximal einjährigen Kinder. "Babygeräusche, Stillen und Herumlaufen" seien da ganz normal, heisst es auf der Website. Nun ja. Solange die Babys nicht im Saal gewickelt werden...

Auf dem Nachhauseweg (der Bus ist mir wieder mal um zwei Minuten davongefahren, nicht meine Schuld, trotzdem gab's einen 25-minütigen Nachtspaziergang) liess ich dann meine Gedanken ein wenig in die Zukunft schweifen. Ich kam zu dem Schluss, dass "Nuggi-Kino" grundsätzlich gar keine schlechte Idee ist. Dass ich nämlich auch in fünf, sechs Jahren, als Mami, gerne ab und zu mal ins Kino gehen möchte. Allerdings gibt es da ein paar Punkte, an denen Coop bis dahin arbeiten sollte:


Erstens: Am Sonntagmorgen wäre es für den zweiten Elternteil wohl am einfachsten, auf das Baby aufzupassen. Dann könnte man also sowieso ins Kino. Besser wären Wochentage, da würde eine Kinovorstellung, zu der man sein Kleinkind mitnehmen kann, mehr Sinn machen. Und abgesehen davon: Wer will schon am Sonntagmorgen ins Kino.

Zweitens: Säuglinge kriegen wohl von der Story eines Films nichts mit. Und bestenfalls schlafen sie ja sowieso während dieser Zeit. Weshalb also nur Kinderfilme oder harmlose Schweizer Flops zeigen?

Drittens: Weshalb nur Kinder bis 12 Monate? Was macht in dieser Zeit das grosse Geschwisterchen? Und warum wirbt Coop auf dem Plakat und auf der Website mit einem Knirps, der garantiert älter ist?

Und Viertens: Ist es wirklich nötig, die Internet-Sozialisation schon bei unter Einjährigen zu starten? Sollen sie Jahre später ihren Chindsgi-Kollegen auf tilllate.ch zeigen, wie hip und sexy sie schon als Baby waren?

24. September 2007

YMQ (CA)

Ich glaube, ich habe in Kanada eine heimtückische Krankheit aufgeschnappt. Die Inkubationszeit scheint nicht allzu lang zu sein, denn die Symptome plagten mich schon kurz nachdem ich den mutmasslichen Ansteckungsherd zum ersten Mal wieder verlassen habe. Seltsame Silben schwirrten mir im Kopf herum, wie ein Echo der Worte, die ich am fraglichen Ort aufgeschnappt habe. Ich habe Tagträume und Halluzinationen, die Krankheit zwingt mich, seltsame Internetseiten aufzurufen und dort die Buchstaben YMQ (CA) einzugeben. Mein Herz scheint manchmal fiebrig aufzuschwellen und stärker zu schlagen, und es ergreift mich eine zähe Traurigkeit, wenn ich bestimmte Klänge höre. Ich höre zwar (noch) keine Stimmen, doch manchmal spricht ein Mensch aus weiter Ferne per E-Mail zu mir.

Was ich vorher nie kannte, hat mich in Montréal gepackt: Das Fernweh.


Nirgendwo sonst

- habe ich bei Sonnenuntergang ein Konzert gehört und im letzten Licht des Tages getanzt
- habe ich einen Sonntagnachmittag lang im Park gelegen, während ein Stück nebenan stundenlang schwitzende Leute ihre Trommeln schlugen und Hippies wie in Trance dazu tanzten
- konnte ich die perfekte Jacke finden
- habe ich in einem beinahe menschenleeren Pub eine derart leidenschaftliche Jamsession miterlebt
- habe ich zwei so schlechte Filme an einem Abend gesehen
- bin ich einen ganzen Abend lang auf der Terrasse eines Restaurants im Wind gesessen, nur um das Leben auf der Strasse darunter beobachten zu können
- habe ich in einer Suite in einem Bed&Breakfast übernachtet, in dessen Foyer antike Möbel standen und leise Violinkonzerte liefen
- habe ich auf der Dachterrasse einer Schwulenbar an einem heissen Nachmittag Sangria getrunken
- hatte ich das Gefühl, eine Stadt vom ersten Augenblick an zu lieben
- bin ich von einem halbnackten Mann, auf dessen Rücken "Love Boat Captain" tätowiert war, mit einem herrlichen Rührei (mit Zwiebeln, Champignons, Tomaten, zweierlei Käse, Schinken und Speck) bekocht worden
- habe ich auf einer verlassenen Insel in einem künstlichen See gebadet und dabei einem Wakeboarder zugeschaut
- bin ich zwei Stunden zur "Party des Jahres" gefahren, um dort (völlig overdressed) eine Waldhütte, ein Feuer und eine Handvoll fremder Leute mit ein paar Kisten Bier anzutreffen, und trotzdem eine Menge Spass zu haben

Es scheint nur ein einziges, sehr teures Medikament für diese Krankheit zu geben: Mir sehr bald wieder ein Flugticket nach Montréal zu buchen, ein paar Leute mitzunehmen und mich nochmals von dieser wunderbaren, lebendigen, unkomplizierten Stadt anstecken und gleichzeitig von meinem Fernweh heilen zu lassen.

20. September 2007

Offener Brief

Liebe Männer.

Ihr macht das ja wirklich schon ganz toll. Es ist schön, dass ich im Bus nur noch sehr selten hinter jemand eures Geschlechts sitzen muss, der sich offenkundig schon Wochen nicht mehr gewaschen hat. Ich gehe auf der Strasse gerne hinter Männern her, die gut riechen. Super, dass die meisten Männer sich die Kleidung nicht mehr von Mutti im Dreierpack in der Migros kaufen lassen. Ich mag es, wenn Männer auch hin und wieder (nicht zu tief) ins Haarlacknäpfchen greifen. Und ich finde es sogar ziemlich stylish, wenn einer selbstbewusst eine Handtasche - natürlich nicht so eine billige Gucci-Nachmache aus der Bahnhofsunterführung, sondern eine richtig schöne, sportlich-elegante, maskuline Handtasche - trägt. Metrosexuell ist doof, aber gepflegt ist durchaus sexy. Aber lasst mich euch einen guten Rat geben, von Frau zu Mann:

Schaut euch ja nicht "Popstars" an. Sonst kommt ihr noch auf ganz, ganz dumme Ideen.









Das. Geht. Nicht. *schüttel* Asymetrische Schnitte, blond gefärbte Strähnen und Haare, die wie Hühnerfedern vom Kopf abstehen, sehen nie gut aus.

(Ausnahme: Man ist nicht älter als 16, lässt das Blond weg und sieht etwas androgyn aus. Dann kann das nämlich ganz härzig aussehen. Sonst gilt: solltet ihr einmal vom Friseur nach Hause kommen und im Spiegel sowas anblicken, greift sofort zum Haartrimmer und schert euch den Kopf.)

18. September 2007

Mysteriöse Begegnung in der Zukunft

Letztes Wochenende reiste ich 5 Jahre in die Zukunft.

Ich sah: lauter ältere Leute.

Ich hörte: alte Musik.
Ich fühlte: Blasen an den Füssen (schon wieder).
Ich befand mich an einer
Ü-28-Party.

Aber eigentlich wollte ich von einer mysteriösen Begegnung berichten. Leider musste ich die Zukunft nämlich schon bald wieder verlassen, weil der letzte Zug nach Aarau, zurück in die Gegenwart, nicht allzu spät fährt. Ich holte also meine Jacke an der Garderobe ab und wurde prompt von einem Typen angesprochen.


Typ: Hallo!

Ich: Hoi

Typ: Wie heissen Sie?
Ich:
drücke mich an ihm vorbei zum Garderobenmann Evelyne
Typ:
hat irgendwas in der Hand, das ich nicht erkenne, und spielt damit Evelyne, haben Sie schon Kenntnis genommen...
Ich: Habe ich was?

Typ: ... von den zauberhaften Bällen?

Ich:
sehe, dass er einen roten Schaumgummiball von der Grösse eines Pingpongballes in der Hand hält Nein. Du musst dich aber jetzt beeilen, mein Zug fährt in zehn Minuten.
Typ: Also. Hand auf.
Ich:
Hand auf
Typ:
legt mir den Ball in die linke Hand, nimmt seinerseits einen in seine Rechte, stellt sich links neben mich und hält seine Hand neben meine Hand schliessen und schütteln bitte.
Ich: schüttle
Typ: Jetzt hier einen Kuss auf meine Wange drücken

Ich: hauche einen Kuss auf seine Wange
Typ: Und jetzt die Hand öffnen Öffnet seine Hand, sie ist leer
Ich: öffne meine Hand, halte darin zwei rote Bälle
Ich:
meine, die zwei Gläser Wein seien schon zu viel gewesen und bringe meinen Mund vor Staunen nicht mehr zu, verabschiede mich und renne mit schmerzenden Füssen zum Bahnhof

Wer mir erklären kann, wie der zweite Ball in meine geschlossene Faust schlüpfen konnte, bitte die Kommentarfunktion benützen. Danke.

10. September 2007

Mein neuer Blogtitel?

Diese fiesen fiesen schönen schönen Schuhe.










(Nein, das sind nicht die gleichen wie die, die ich vor drei Monaten gekauft habe und die hier auf einem Fötteli zu sehen waren. Diese hier sind aus Montreal und haben keinen Absatz.)


Heute war mein erster Arbeitstag, wieder zurück bei der AZ. Natürlich bin ich pünktlich aufgestanden, habe geduscht, gefrühstückt und mich dann auf den Weg zur Bushaltestelle gemacht. Dort angekommen, meine ich, gerade noch die Rücklichter um die Ecke verschwinden zu sehen, und auf der Anzeigetafel steht "14 Minuten". Na super. Blitzschnell überlegt, mein Velo steht noch im Keller, hat immer noch keine Vignette für 2007, und letztes Mal, als ich damit zum Bahnhof fuhr, gabs einen Unfall - nein, ich gehe zu Fuss hoch nach Aarau. Das ging tiptop, ich verpasste zwar den einen Zug, kam aber doch noch relativ zeitig ins Büro. Und dann fühlte ich es.

Autsch.











(Ich weiss. Schon wieder meine Füsse. Ich sollte den Blog in "Zwischen den Zehen" umbenennen.)

11. August 2007

"Shut up and eat!"

Nach dieser Antwort meines Cousins auf meine naive Frage, wie man sich in Nordamerika Guten Appetit wuenscht, haette ich mir eigentlich jegliche kulinarischen Erwartungen getrost sparen koennen. Und obwohl mir auch die boes dreinschauende und missmutig kraechzende Moewe vor der Kentucky Fried Chicken-Filiale im Nachhinein wie ein warnender Prophet erscheint, war ich ungeheuer enttaeuscht, als mir das Traditionsrestaurant dieses Menu vorsetzte:













Warum kriege ich, wenn ich etwas bestelle, was auf dem Plakat nach Chicken Nuggets aussieht, Pouletstuecke mit Knochen, Sehnen, Haut und obendrein noch einer zwei-Inches-dicken Teigschicht rundherum? Was bitte ist dieses gruene Salat-Geschnipsel, das suess, aber absolut scheusslich schmeckte? Und weshalb gibt es trotz dieses Frasses an jeder Ecke eine KFC-Filiale?

Natuerlich haben wir auf unserem Ontario-Trip auch saemtliche anderen Fast-Food-Provider sowie viele kanadische Lebensmittel ausgecheckt, hier einige Resultate dieser Studie:

- alles Gemuese, sogar Ruebli und Sellerie, ist gentechnisch mit Zucker versetzt, und Milch ohne "additional Vitamines" zu finden, ist schwer
- fluessige Ovo ist irgendwie seltsam
- McDonalds als Katerfruehstueck ist gar nicht so uebel
- obwohl weiter weg vom urspruenglichen Erfinderland, schmecken die Chocolate-Chip-Cookies in der Schweiz besser
- wenn man unterwegs mal muss: die Klos von Tim Horton's befinden sich immer rechts direkt hinter dem Eingang

Das einzige Erlebnis, was ich noch vor mir habe, ist "Poutine", eine Art Quebec'sches Nationalgericht: Pommes und Cheddar-Kaese, uebergossen mit fettiger Bratensauce (fuer ein appetitliches Bildli in Wikipedia auf diesen Link klicken).

(Nach dem ungeniessbaren KFC-Food machte mich uebrigens das Chewing-Gum-Icecream zum Nachtisch doppelt gluecklich; erstens wegen des unvergleichlichen Geschmacks - mmmmmh - und zweitens wegen der herrlich blauen Zunge, die man davon kriegt :) )

27. Juli 2007

Bears, Mosquitos and Cows

So - on the road seit Montag. Hier ein kleines Fazit:

- am ersten Nachmittag, um 15 Uhr, lief ein junger Schwarzbär direkt vor uns über die Strasse
- am zweiten Nachmittag mussten wir die Autobatterie auswechseln lassen - zum Glück sprang der Wagen an, als wir in Tobermory von der Fähre gingen - das einzige Mal auf unserer Reise ohne Starthilfe...
- campen ist toll :) aber Mücken hat es wirklich überall.

- Der Farmer´s Market in St. Jacobs, einem Ort, wo die Leute noch mit Ross und Wagen zum Markt fahren und die Frauen Häubchen und lange Röcke tragen, ist eine reine Touristenattraktion. Aber als wir schon fast im Auto sassen, um nach Niagara-on-the-Lake weiterzufahren, vernahm ich von irgendwo her einen seltsamen Singsang und einen starken Kuhgeruch. Wir gingen dem Geruch nach und kamen in eine Halle, wo kaum Leute waren, und wo Kühe versteigert wurden:

23. Juli 2007

BREAKING NEWS

hello from the end of the world



















Ja, sowas auf der Titelseite der Lokalzeitung - ungewohnt. Der Blattmacher bei der AZ wuerde sich die Haare raufen.

Die naechsten zwei Wochen werde ich unterwegs durch Ontario sein, mir die Niagara-Faelle (nochmals) anschauen und einen Abstecher in Kanadas Hauptstadt Ottawa machen, deshalb wird mein Blog in dieser Zeit wohl etwas einschlafen. Bitte trotzdem regelmaessig reinschauen, man weiss ja nie.

Und schreibt mir doch in die Kommentare, falls ihr Reiseberichte wollt. Eigentlich passt das ja nicht zum Konzept von "Zwischen den Zeilen" und ich persoenlich finde Reiseberichte auch nicht immer so spannend, deshalb hatte ich das nicht vor. Aber falls Interesse besteht...

19. Juli 2007

Nerviges Insekt, 6 Buchstaben

Zu Hause bade ich mindestens einmal in der Woche. (Ausserdem habe ich dort eine anstaendige Tastatur, auf der man Umlaute schreiben kann und Z und Y an der richtigen Stelle sind...) Ich lasse mir ein Schaumbad ein, suche ein paar ungelesene Magazine zusammen und hole mir ein Quaerkli aus dem Kuehlschrank. Dann lege ich mich genuesslich in die Wanne, lese und loese das Weltwoche-Kreuzwortraetsel. Eine halbe Stunde spaeter hieve ich mich aus dem heissen Wasser, dusche kalt und lasse den Abend mit Koerper eincremen und Naegel lackieren richtig "wellnessig" ausklingen.

Hier, einige tausend Kilometer weiter westlich, verbringt man den fruehen Abend mit Wasserball im 25 Grad "kalten" Swimmingpool, bevor man sich noch fuer ein Halbstuendchen in den Hot-Tub legt. Herrlich, ausser dass die Muecken sich jedesmal auf einen Tropfen Blut dazugesellen...

12. Juli 2007

Wer wird Sunrise-Millionär

Heute ist ein absoluter Ärgertag. Zuerst kriegte ich meine Spesen, die ich fürs Schulprojekt hatte, nicht zurück, obwohl ich schon seit 2 Wochen stürme (ich hatte nämlich geahnt, dass es irgendwie im letzten Moment nicht klappen würde). Dann bekam ich endlich die gewünschte Unterschrift, aber natürlich sind die Öffnungszeiten der Kasse, wo ich mein Geld holen kann, katastrophal: 8.00-9.00, dann Kaffeepause, 10.30-11.30 offen und am Nachmittag nochmal von 15.00 bis 16.00. Eine Zumutung.

Dann ging ich die letzten Dinge einkaufen, die ich für meine grosse Reise brauche. Das super Pss-Pss-Gel von Fructis gibt's offenbar nicht mehr, aber das ist ja nicht allzu tragisch. Dann kam heraus, dass ich, bevor ich einen Stromadapter kaufe, erst abklären muss, ob meine Geräte die neue Spannung überhaupt aushalten oder ob sie verbrutzeln. Ich will ja weder mein Handy noch meinen iPod umbringen, deswegen schaute ich jetzt zu Hause brav nach - und natürlich ist es weder beim einen noch beim anderen ein Problem. Also muss ich morgen nochmals in den Laden.

Inzwischen schmerzten meine Füsse ziemlich vom vielen Unterwegs-sein, und schlussendlich artete das Combox-Ausschalten bei der Sunrise-Helpline (die mich übrigens wieder dreimal aus der Leitung kickte, bevor ich überhaupt sagen konnte, was ich wollte) zu einem wahrhaften "Wer-wird-Millionär" aus.

ICH: Ich würde gerne meine Combox eine Zeitlang ausser Betrieb setzen. Geht das?
FREUNDLICHE DAME: Natürlich. Ich schalte sie gleich aus.
ICH: Super, danke! (will mich verabschieden)
FD: Könnten Sie mir noch schnell Ihre Telefonnummer sagen? (100-Franken-Frage)
ICH: (Erstaunt, dachte, die sehen sie sowieso, wenn ich anrufe) Klar, 079 ... .
FD: Danke. Dürfte ich noch Ihren PIN-Code wissen? (200-Franken-Frage)
ICH: (zögere)
FD: Den originalen von der SIM-Karte. (demfall 500-Franken-Frage)
ICH: (überfordert) Keine Ahnung, ich bin unterwegs.
FD: Okay... Könnten Sie mir dann bitte Ihr Geburtsdatum nennen? (1000-Franken-Frage)
ICH: Natürlich (erleichtert): 25. 11. 1983.
FD: Danke. Sagen Sie mir doch noch, wie hoch Ihre letzten beiden Rechnungen waren.
ICH: Sie, das weiss ich wirklich nicht auswendig, ich bin unterwegs...
FD: (Skeptisch) Wann haben Sie genau das Abo abgeschlossen?
ICH: Das müsste im August letzten Jahres gewesen sein.
FD: Fast...
ICH: (schnell) September.
FD: (Aufmunternd) Genau! Können Sie mir zwei Nummern nennen, die Sie häufig anrufen?
ICH: (fröhlich) Na klar, 076 ..., und ... hmmm... 078 ... (versuche, die Nummer meiner Schwester rauszukriegen)
FD: (schweigt)
ICH: Demfall ned, warten Sie... (studier) 062 ... (bringe die Festnetznummer meines Freundes bis auf eine Zahl richtig heraus).
FD: Fast.
ICH: (erwarte Fragen zu genauem Geburtsgewicht, Konfessionszugehörigkeit, Anzahl Tagen bis zu meiner Diplomprüfung)
FD: ...aber okay. Dann schalte ich jetzt die Combox aus.
(Musik erklingt, es regnet Silberkonfetti auf mich nieder)

11. Juli 2007

Die Löcher im Berg

Ich würde selbstverständlich einen Mann wählen, wenn ich einen Tag lang mit einem anderen Menschen tauschen könnte. Und natürlich wäre es interessant, mich mal in meinen Freund hineinversetzen zu können. Andererseits fände ich es total spannend, jemand GANZ anderer zu sein, mich in einer ganz anderen Welt zu bewegen als ich es normalerweise tue. Etwa in der Haut von Korpskommandant Christophe Keckeis, der heute ein Bsüechli bei der rumänischen Armee macht. Aber das ist nicht der Grund, weshalb ich mal mit ihm tauschen möchte.

Am Samstag (noch 3 Mal schlafen :) ) werde ich für knapp zwei Monate nach Kanada fliegen. Um mich von der Schweiz (und von meinem liebsten Menschen hier) würdig zu verabschieden, habe ich das letzte Wochenende im Tessin verbracht. Ein Grossteil der Zeit sassen wir jedoch zwecks An- und Heimreise im Auto, wovon mir vor allem die Fahrten über den Gotthardpass in lebhafter Erinnerung sind.

Am frühen (!!) Samstagmorgen oben angekommen, war ich überwältigt von der Schönheit der Landschaft und dem wunderbar strahlend blauen Himmel über den kalten Seen. Wir haben gemütlich gezmörgelt und ein Fötteli mit General Suworow gemacht. Auf der Rückreise war es leider ziemlich neblig und es nieselte ein wenig, doch auch da gab es spezielle Erlebnisse: Die Gotthardpost etwa, die an uns vorbeifuhr, oder das Pflaster der alten Passstrasse.



(mein erstes Youtube-Video!)

Am meisten beeindruckt hat mich (neben meiner Wasserflasche, die sich bei der Fahrt vom Pass nach Göschenen hinunter wegen dem steigenden Luftdruck um fast die Hälfte ihres Volumens zusammenzog!) die Alpenfestung. All die Löcher in den Berghängen, die grün bemalten und als Felsen getarnte Bunker zwischen den Tannen und die seltsamen Tore neben der Strasse. Ich finde das unheimlich spannend. (In Wikipedia steht, dass einige nun als Museen begehbar sind, insofern erübrigt sich das Tauschen mit Herrn Keckeis zu einem gewissen Teil.)










Mit der Zeit haben wir nur noch nach solchen "Verstecken" Ausschau gehalten. Und uns gefragt, was sich alles dahinter versteckt und wie weit die Gänge den Berg aushöhlen. Aber vor allem, ob es sich wirklich nur noch um Überbleibsel des Réduits aus dem 2.Weltkrieg handelt?

6. Juli 2007

Weltschmerz

Heute mal ein Thema, womit ich mich auf richtig dünnes Eis begebe: Musik. Manchmal schäme ich mich ein wenig für meinen Geschmack diesbezüglich. Denn, ich gebe es hier mal zu, auf meinem iPod hat es - um nur die schlimmsten Musiksünden zu nennen - immer noch einige der alten Backstreet Boys-Schnulzen drauf (aus purer Nostalgie natürlich), ein paar Songs von Christina Aguilera und sogar mehrere vollständige Alben von Robbie Williams (obwohl, ich glaube, den darf man auch gut finden). Mitsingen tu ich natürlich nur zu Hause, doch unterwegs achte ich jeweils darauf, dass man mir nicht aufs Display schauen kann. Man hat ja schliesslich einen Ruf (hüstel) zu verlieren.

Es ist ja schon schlimm: Da gibt es auf der Welt unzählige super Künstler, die sich für ihre Musik ins Zeug legen, tiefgründige Texte schreiben und ihr Instrument total beherrschen - und ich lade mir so doofe Hitparaden-Songs herunter, weil ich zu faul bin, die "guten" Musiker ausfindig zu machen. (Wen ich aber überhaupts nicht mag sind diese Musik-Snobs, die aus Prinzip nur die "Geheimtipps" hören und gegenüber "kommerzieller" Musik total überheblich tun. Denn warum soll es nicht auch unter den erfolgreichen gute Musiker geben?)


Ich bin ja nicht unmusikalisch. Ich kann Klavier spielen, Blockflöte und sogar ganz ganz wenig Gitarre, und singen tu ich auch nicht allzu falsch. Und, was wohl das wichtigste Argument für meine Musikalität ist, ich lasse mich von Musik bewegen. (Das klingt jetzt pathetisch. Naja.) Deswegen heute mal eine Liste von Songs, die zum Weinen bringen. Und zwar nicht schnulzenhaft oder kitschig, sondern die, passend zum Herbstwetter, richtig traurig machen. Frei nach High Fidelity: meine Top Five.

5. Du hast mein Herz geklaut - Thomas D. featuring Nina Hagen


4. Calling All Angels - Lenny Kravitz

3.
Autumn Leaves - Eva Cassidy

2. This Love - Craig Armstrong


1. Ne me quitte pas - Edith Piaf













(Wer noch etwas im süssen Weltschmerz schwelgen möchte, soll sich die beiden Alben von Skin oder den Soundtrack zu One Way anhören. Und ja, natürlich habe ich auch eine Top Five Liste der aufmunterndsten Stücke. Weil ich es aber schön finde, vor allem bei diesem Wetter, zwischendurch mal ein wenig traurig zu sein und ein paar Tränen zu vergiessen, stelle ich sie jetzt nicht hier rein. Vielleicht später. Aber wer es gar nicht aushält mit so viel Melancholie, kann sich ja melden.)