23. Mai 2012

Laos pur

"Sorry I have no time for fishing trip yesterday", entschuldigt sich unser Guesthouse-Wirt Mr. Hom dafür, dass er das versprochene Barbeque am "very secret" Wasserfall ausfallen liess. Es folgt die Rechtfertigung: "I have to drinking", kichert er, "yesterday, today, drinking every day." Ganz offensichtlich; denn während er ausrechnet, was wir ihm für drei Übernachtungen schulden, scheint er etwas unkonzentriert. Man kann Mr. Hom nicht böse sein, dem lustigen Mann mit den abgetragenen Anzughosen und dem dicken blutten Bauch.


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Das grosse, dunkle Gebäude ist "Mekong Dream" - unser Guesthouse.

Es ist elf Uhr Vormittags, und vor fünf Minuten tuckerte einer von Mr Homs Freunden erstaunlich pünktlich mit seinem gelb-schwarz gestreiften Boot an, um uns abzuholen. Hinter uns liegen vier Tage im Paradies - endlich haben mein Lehrerkollege Josh und ich die 4000 Inseln besucht; die Destination, wegen der die Touristen Halt in Paksé machen. Wo man seltene Flussdelfine beobachten kann. Wo die wohl glücklichsten Hühner der Welt leben. Und: Wo der Puls des Lebens noch langsamer schlägt als im restlichen Laos.

*

Wenn die Schulglocke morgens um halb 8 läutet - ein Geräusch, das klingt, als ob zwei Eisenrohre aneinander geschlagen werden -, bedeutet das Arbeitsbeginn für die Kinder und Feierabend für die Erwachsenen. Längst haben die Fischer ihre Beute aus dem Mekong gezogen, und so trifft Mann sich jetzt mit seinen Kollegen, um Pétanque zu spielen und zu trinken. Die Frauen sitzen zum gemütlichen Schwatz vor dem Lädeli der Kollegin oder legen sich in die Hängematte des eigenen leeren Restaurants. Mr. Homs sechs Kinder sind in der Schule, er selbst muss noch kurz eine Bettdecke waschen, bevor "drinking" losgeht. Mitsamt der Decke steht er brusttief im Mekong, während seine Katzen und Hunde auf den hölzernen Treppenstufen des Guesthouses schlafen. Auf der anderen Seite des Flusses baden, dösen und käuen die Wasserbüffel im seichten Wasser. Am Ufer meint ein Hahn noch, er könne die träge Gesellschaft wecken, stakst ungeduldig umher und schreit um sein Leben. Zwecklos - es ist zu heiss, um zu arbeiten, und so ruhen sich Mensch und Tier ganz selbstverständlich vom Nichtstun aus. "Pak Phon" heisst das in Laos und wird hier auf Don Khon von Morgens bis Abends gemacht.

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Jedenfalls in der Nebensaison, denn in der Hauptsaison kommen die Touristenboote im Halbstundentakt vom Festland aus an. Don Det, gleich nördlich von Don Khon, ist die Partyinsel im Süden von Laos. Ein Dutzend Guesthouses, ein kleiner Strand, eine schmale Strasse, die von Bars gesäumt wird, in denen "Happy Shakes" und eimerweise Bier ausgeschenkt werden. Als Josh und ich eines Abends mit dem Velo über die Brücke und rauf nach Ban Huan Det fahren, hängen die Angestellten gelangweilt und ausgelaugt am Tresen, während eine Handvoll verlorene Backpacker verzweifelt Partystimmung suchen und schlussendlich doch nur halb betrunken auf der Strasse stehen. Dünnes Licht scheint auf die leeren Tische, ein unheimlicher Riesenkäfer macht den Billard-Tisch unsicher und zwei Briten mit "Happy Hour Vang Vieng"-T-Shirts schauen düster in ihre Bierkübel und erzählen sich alle paar Minuten gelangweilt eine Backpacker-Anekdote.

Schnell wieder weg. Als wir mit über die holprige Strasse wieder in "unseren" Teil der Insel fahren, sehen wir einen wunderschönen Sternenhimmel und ein paar Glühwürmchen und sind uns einig, dass die Natur auf der Inselwelt einfach bezaubernd ist. Minuten später muss ich nach Josh im Nebenzimmer rufen, weil auf meinem Bett unter dem Moskitonetz eine fette Kakerlake rumläuft. Bezaubernd.

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Sonnenuntergang auf Don Det.

Am nächsten Morgen radeln wir früh zum Fischerbeizli. Dolphin-Watching steht als Highlight auf dem Programm, bevor wir uns für den Rest des Tages wieder dem "Pak Phon", unserem Kartenspiel und den Fruchtshakes widmen. Ich bin skeptisch - der Lonely Planet spricht nur im Konjunktiv von den Delfinen, die man hier "gelegentlich" sehen könne, und wenn, dann auch nur eine Schwanzflosse und keine "Flipper-mässige Action". Mr. Hom sagt, es sei Jahre her, dass er einen Delfin gesehen habe. Als unser Boot anhält und wir anfangen zu warten, frage ich mich also, wie lange es wohl geht, bis der junge Bootsführer "no dolphins today, sorry" sagt und den Motor wieder anwirft. Fünf Minuten später flüstert er "Cambodia", zeigt zum entgegengesetzten Ufer und klopft mir hektisch auf die Schulter. Tatsächlich - nahe der Küste des Nachbarlandes tauchen immer wieder Silhouetten auf, weit weg, aber klar als Delfine erkennbar. Die Irrawaddy-Flussdelfine sind fast ausgestorben, laut Lonely Planet leben nur noch knapp 100 in dieser Gegend. Fünf Minuten später sehen wir zwei davon von nahem - nur rund 15 Meter entfernt ziehen sie ruhig durchs Wasser und tauchen hin und wieder auf, um Luft zu holen. Magisch.



Don Khon ist Laos pur - wunderschöne Landschaften und gemütliche Menschen, die sich gerne ausruhen, am liebsten Beerlao trinken und sich herzlich freuen, wenn Ausländer ein paar Worte Lao sprechen. Als wir unsere Rechnung - günstige 15 Franken pro Person für drei Übernachtungen - bezahlt haben, streichle ich ein letztes Mal eine der schlafenden Katzen, spraye mich mit Mosquito Repellent ein und steige ins wacklige Boot. Vom Regen in der Nacht ist die Luft angenehm kühl. Wir waren im "Mekong Dream Guesthouse" die einzigen Gäste in den letzten drei Tagen, aber "bo pen yang", macht nichts - nun kann sich Mr. Hom ungestört dem Tempelfestival widmen, das heute der Grund für "Pak Phon" und "drinking" ist. Lachend winkt er uns zu, als wir langsam davontuckern. Ein glückliches Leben ist das hier.


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Die Dorfapotheke - leider habe ich mir einen Chäfer eingefangen.


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"Pak Phon" auf Mr. Homs Terrasse.

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Die Bambushängematten sind viel bequemer als die gewobenen!

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So härzig!

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Jöö. Ich liebe Babysäuli.

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Sipsong muu, zwölf Ferkelchen hat der Mann. Er ist übrigens der Apotheker.

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Und hier wohnt er.

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Abendstimmung am Mekong.

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Auf dem Heimweg vom "Strand" (baden kann man leider nicht).


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Das ist er, der Strand.


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Wo die Fischer Pétanque spielen.


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Wasserfälle hats hier natürlich auch.
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18. Mai 2012

Über die grüne Brücke

Jeden zweiten Morgen zwischen 7 und 8, wenn es noch knapp unter 30 Grad ist, jogge ich eine Runde. Entweder am Mekong-Ufer, entlang der "Partymeile" mit all den Gartenrestaurants, die zu dieser Zeit noch geschlossen sind, oder über die grüne Brücke und durchs Nachbardorf mit dem buddhistischen Tempel. Gekrönt wird das Morgenritual von einem feinen Müsli mit frischen Mangos, Bananen, einem halben Apfel, Cranberries und Wassermelone.


























Laufschuhe anziehen und mitkommen!

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Aus dem Haus und raus auf die Strasse, wo ich Pet-Flaschensammler, Schulkinder und Touristen, die Paksé mit einem Morgenbus verlassen, antreffe.

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Dok Champa, das blumige Wahrzeichen der Provinz Champasak.

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Über die grüne Brücke, unter der am frühen Morgen Fischerboote hin- und herschwimmen.

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Das "Firobigbänkli" mit Blick auf den Xedong gefällt mir.

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Als Tuk-Tuk-Fahrer kann man sich offenbar ein schönes Häuschen leisten. Und einen herzigen kleinen Wachhund.

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Im Moment blühen die Feuerbäume.

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Wunderschön!

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Geissen und Kühe auf der Strasse, neben den üblichen kläffenden Hunden? Immer.

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Der Mekong.

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Weiter durch ein Reisfeldquartier - die Strasse ist wohl nur noch bis zur Regenzeit begehbar.

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Reispapier zum Trocknen ausgelegt.

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Und zurück zur grünen Brücke.

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Wo Dutzende von Motorbikes auf "Grün" warten.

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Das Aufstehen und Rausgehen kostet jedesmal Überwindung. Und jedesmal bin ich danach sehr stolz auf mich :)

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Die Belohnung.

15. Mai 2012

Wasser und Fleisch

Ich liebe Fleisch. Ein saftiges Pouletflügeli vom Grill, ein Steak, medium, mit Gemüse und Nudeln, Ghackets in der Spaghettisauce, gar nicht zu sprechen von einem guten Stück Rindsfilet oder Rehrücken. Leberli, Saucisson, Rindszunge - da läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Und hier in Laos gibt es Lab Kai, das feine Rindsgehackte, getrocknetes Fleisch zum Draufrumkauen und Village Chicken (vor zwei Wochen sah ich zu, wie ein Huhn nach einem sehr glücklichen Leben ebendieses für unseren Znacht liess).



Trotzdem: Wenn ich nach Hause komme, werde ich Vegetarierin. Zumindest hauptsächlich, vielleicht ein bis zwei besondere Anlässe im Monat ausgenommen. Der Grund ist nicht Tierliebe und schon gar nicht, dass mir Fleisch verleidet ist. Der Grund ist mein ökologischer Fussabdruck.

Ich will hier nicht predigen, aber wenn ich mir Artikel wie diesen hier anschaue, fange ich an, mir über meine und unsere Zukunft Sorgen zu machen. Mir zu überlegen, wo ich sparen kann. Und ein Kilo Rindfleisch verbraucht laut einer WWF-Studie nun mal 15 500 Liter Wasser in der Herstellung, Schweinefleisch immerhin ein Drittel davon. Auch für die Produktion von Eiern, Käse, Kaffee und Bier wird viel Wasser verbraucht - aber irgendwo muss man ja anfangen, und Fleisch ist mit Abstand der grösste Punkt auf der ökologisch-kulinarischen Sündenliste.

Wir wissen zwar, dass wir Strom und Wasser sparen und nicht zu oft in die Ferien fliegen sollten. Aber ich glaube, wir sind uns nicht bewusst, wie sehr unser Essen jeden Tag ein Stück der Erde verbraucht.

Wie wärs mit einem Vegi-Tag jeden zweiten Tag? Oder nur noch zweimal Fleisch pro Woche?

Ich mache mir keine Illusionen. Ganz ehrlich? Ich glaube nicht, dass sich der ökologische Fussabdruck global verkleinern wird, dafür sind wir Menschen zu genussorientiert. Doch ich finde, den Versuch ist es trotzdem wert. Wir sind die Konsumenten - wir bestimmen die Nachfrage, und wenn wir weniger Fleisch essen, geht da auch weniger Wasser drauf.

Bis ich wieder in der Schweiz bin und effektiv meinen Alltag etwas umstellen kann, geniesse ich noch, was Laos fleischmässig zu bieten hat. Wem läuft bei diesem gespaltenen, grillierten Schweinekopf schon nicht das Wasser im Mund zusammen?

(Beide Fotos: Corinne B.)

14. Mai 2012

Bucket List

Eineinhalb Jahre noch, ziemlich genau. Dann ist er da: Der Tag, an dem ich 30 werde. "Das ging ja schnell", werde ich wohl sagen.

"Have you ever drunk Absinth?", fragte mich Josh heute, als wir an der Kasse des "Friendship"-Supermarktes standen. Ich war in Gedanken versunken darüber, wie erstaunlich gross der Backpacker war, der nach uns den Laden betreten hatte, woher er wohl kam und ob sein roter Rucksack zu seinem roten Haar passte oder nicht. Joshs Frage, weil er eine Flasche Absinthe im Spirituosenregal stehen sah, liess mich schmunzeln. "Yes", sagte ich, und erzählte, dass "Absinth trinken" auf meiner 30-Jahre-Bucket-List weit oben gestanden hatte. Eigentlich ist es ja nichts Spezielles, aber der Mythos der grünen Fee hatte mich neugierig gemacht und weil unsere Hausbar keinen Absinth enthielt, kam er kurzerhand auf die Bucket List. Und wurde kurz darauf nach einem Besuch in einer Solothurner Absinthe-Bar wieder gestrichen.

Ich liebe Listen. Packlisten, To-do-Listen, Einladungslisten, Einkaufslisten, Listen für meine Schüler, was geprüft wird, Listen, wann ich wie viel Sport gemacht habe. Ist es da verwunderlich, dass ich eine Bucket List habe mit Dingen, die ich in meinem Leben bzw. vor meinem 30. Geburtstag tun will? (Ja, ich habe tatsächlich zwei verschiedene Listen.)

Nun machen Listen ja nur Sinn, wenn man Dinge darauf durchstreichen oder abhaken kann. 5 von 16 Dingen auf meiner 30-Bucket-List sind erledigt; darunter "nach Irland gehen", "mich wieder mal verlieben" und eben, "Absinthe trinken". "Ein neues Zuhause finden", "Vegetarierin werden" und "allein backpacken" sind in greifbarer Nähe und "regelmässig joggen" zurzeit sogar erfüllt.

Gleich noch einmal am gleichen Tag musste ich vorher an meine Bucket List denken: In meinem aktuellen Hörbuch gingen zwei in ein Pub in London. Ach, prompt tauchten vor meinem inneren Auge dunkle Holzwände auf, überschwappende Guinness-Gläser, eine ziemlich volle Bar und die wippenden Füsse eines älteren Mannes, der zusammen mit seinem Bandkollegen fröhliche Musik machte und der so klein war, dass seine Füsse nur bis zur Mitte des Barhockers reichten. Ein beissend kalter Wind, gut gelaunte Menschen und archaische Steinmauern - Punkt 11 auf meiner Liste ist "nochmal nach Irland gehen". Doch wie heisst es? Man will immer das, was man gerade nicht hat - Punkt 11 wird bis nächstes Jahr warten müssen. Und dann durch "wieder nach Laos gehen" ersetzt werden.

Thailand retour

Der Grund für den Kurztrip nach Thailand war kein schöner: Einer unserer Schüler hat Epilepsie und kann hier nicht behandelt werden. Endlich hat er nun letzte Woche einen einmalig gültigen Pass bekommen, für einen ersten Untersuch im Spital.

Innert rekordverdächtigen zehn Minuten konnte er einen Arzt sehen, erhielt ein Rezept für ein neues Medikament sowie einen Termin für eine eingehende Untersuchung in einer Woche, inklusive Brief zu Handen der Behörden, damit sie ihm einen richtigen Pass ausstelle. Nachdem dieser Haupt-Punkt der Reise viel früher als erwartet abgeschlossen war, konnten wir zum amüsanteren Teil übergehen.

Punkt eins: Pizza Hut. Für die beiden jungen laotischen Männer das erste Mal in ihrem Leben. Und für mich das erste Mal seit Monaten, was mir mein Bauch später schmerzhaft zu spüren gab. Note to self: Im Herbst langsam wieder an schwere Mahlzeiten gewöhnen (oder gar nicht erst wieder damit anfangen...).


Punkt zwei: Rucksack kaufen für meine Reisen ab nächster Woche (4000 Inseln und der Norden von Laos) und im August (vielleicht Philippinen). Zum Glück war Karen dabei, die viel Trekking-Erfahrung hat. Keine Ahnung, worauf man beim Kauf eines Rucksacks achten muss. Schliesslich entschieden wir uns für einen mit ganz vielen Bändeli und Fächli, mit Metallrahmen, Platz für Lüftung im Rückenbereich, wasserdicht und mit lebenslanger Garantie. Einziger Nachteil ist die Farbe: Khaki. Als ich ein Foto für den Blog suchte, sah ich, dass es das Modell auch in violetter Ausführung gibt... Natürlich darf man in einem Sportshop in Thailand nicht wählerisch sein. Aber der violette Rucksack hätte so gut zu meinem violetten Samsonite-Koffer gepasst. :( Gut, dafür sehe ich jetzt nicht aus wie eine Tussi, sondern wie eine richtige Backpackerin.



















Punkt drei: restliches Shopping. Auf meiner Einkaufsliste: Müsli. Was soll ich nur eine Stunde lang im Supermarkt machen, bis wir uns wieder draussen treffen? Well. "That's a lot of muesli", kommentierte Paul, als ich mit vier prall gefüllten Taschen beim Auto auftauchte. Naja - wenigstens sind alle meine Einkäufe entweder gesund oder nützlich oder sogar beides. Äpfel, welche in Laos ein Vermögen kosten, Nasci-Birnen, dito, low-fat Milch, O-Saft (in Laos doppelt so teuer), Badeshorts (endlich. Meine normalen brauchen Stunden, um nach dem Schwimmen im Wasserfall wieder zu trocknen), Gewichte für Hand- oder Fussgelenke fürs Joggen, Honig aus Deutschland (dekadent, ich weiss. Aber: Honig... mmmh). Und eine Packung Müsli.

Punkt vier: Heimweg, mit Stop an der üblichen Tankstelle, aka. "Asias Pijama-Shop". Don't ask. Unterwegs wird einem der laotischen Jungs schlecht. Ich gebe ihm einen Kaugummi und verteile gleich rundherum. Offenbar der erste Kaugummi im Leben dieser zwei Laoten: Paul und ich müssen demonstrieren, wie man ihn kaut - der Blick auf Lins Gesicht, skeptisch, ungläubig, langsam beisst er auf den Kaugummi, schneller kauend, dann ein breites Lächeln - unbezahlbar :) .

Ob es gut oder schlecht ist, dass einer der Grenzbeamten mich jedesmal mit Namen begrüsst? Diesmal wars gut, denn ich hatte das Foto fürs Visum vergessen und er sagte kein Wort darüber. Die 35 Dollar musste ich trotzdem bezahlen, plus 1 Dollar Überzeit-Gebühr, dankeschön.

11. Mai 2012

Der erste Abschied

Nächste Woche sind bei uns Abschlussprüfungen. Am Donnerstag wird mit einer End-of-Term-Party gefeiert und zum ersten Mal hier heisst es dann: Abschied nehmen. Mitte Juni bis Ende Juli werde ich zwar nochmals unterrichten, aber nicht alle meiner bisherigen Schüler besuchen die Sommerkurse.

Wie ich sie vermissen werde! Die wilden Pre-Intermediate-Schüler, von denen die Jüngste erst 13 ist und mit verschmitztem Zahnspangen-Lächeln frech (und vergeblich) nach "Candy" verlangt, sobald sie eine richtige Antwort gegeben hat. Die sportlichen Jungs, die vor der Stunde Muffins aus unserer Bäckerei verdrücken, sich in meine Schwester vergucken und die Schule erst dann ernst nehmen, wenn die Prüfungen näher rücken. Die schüchterne, intelligente High-School-Schülerin, die absichtlich ruhig ist, um nicht als Streberin abgestempelt zu werden. Die beiden laotischen Mitarbeiter an unserer Schule, die sich einmal High Five gaben, nachdem sie zusammen eine schwierige Aufgabe gelöst hatten. Die schlaue Panoy, deren Spitzname "kleiner Fisch" bedeutet, die die bunteste Kleidung trägt, am lautesten reden kann und immer zu spät kommt.

Dann die etwas reiferen Intermediate-Schüler: Die Mädchen-Truppe, die jeden Tag händchenhaltend und mit Tippelschrittchen das Schulzimmer betritt. Die zwei ganz unterschiedlichen Schwestern: Die eine selbstbewusst und laut, die andere schüchtern, dafür eine unglaublich fantasievolle Zeichnerin. Der Regierungsangestellte mit dem Cowboyboot-Schlüsselanhänger, der sich zehn Jahre jünger gibt und mich nach jeder Stunde die kompliziertesten Worte erklären lässt. Und die kluge College-Studentin, die mir heute vor der Stunde auf mein "How are you?" mit Tränen in den Augen ihr "broken heart" ausschüttete.


In den knapp zwei Monaten habe ich sie und sie mich ins Herz geschlossen. Und ich kann sagen, dass jede Stunde Freude gemacht hat - so zäh die Vorbereitungen oft waren, so hart das Erklären von Grammatik, so müde ich vorher manchmal war, es stimmt, was mein CELTA-Tutor John im Kurs einmal sagte: Unterrichten ist die beste Therapie. Man konzentriert sich so völlig auf die Schüler, dass keine Sorgen, keine Müdigkeit, nicht einmal körperliche Erschöpfung eine Chance haben. Dazu ist hinzuzufügen, dass meine Schülerinnen und Schüler zwar nicht sonderlich motiviert, aber meistens sehr anständig waren; ich hatte also zum Glück nicht mit übermässig frechen, lauten oder widerwilligen Teenagern zu kämpfen.

So schrieb ich heute Nachmittag kleine "Good Luck"-Kärtchen, klebte jedes auf ein Cookie-Päckli und fragte mich, ob ich meine Schüler vielleicht ein bisschen zu lieb gewonnen habe. Aber es ist wohl wie alles, was man in einem solchen halben Jahr erlebt: intensiver als der normale Alltag.

8. Mai 2012

Für wen's interessiert...

... ich bin mal eine Woche weg von Facebook. Hier gehts aber weiter.

5. Mai 2012

14 Wochen: High Six und Hühnerfüsse

Geckos machen Geräusche. So klickend, irgendwie. Habe ich letzte Woche erst bemerkt, obwohl die seltsamen Viecher hier allgegenwärtig sind.

Lab Gai mit Khao Niau ist heute mein Lieblingsessen. (Fein geschnetzeltes Poulet mit scharfem Basilikum, Chilli, Gurken, Bohnen und Sticky Rice. Man isst mit den Fingern.)


















Ach ja, und Froschgeschnetzeltes ist auch nicht schlecht. Wenn man die Knöchelchen vor dem Kochen entfernt.

14 von 30 Wochen in Südostasien sind schon vorbei. Wie die Zeit rennt. 14 Wochen! Läck mer.

Französisch ist schwieriger als Englisch. Dafür schöner. Und die Franzosen haben auch schönere Namen.

Heute ist Supervollmond. Wohl der Grund dafür, dass ich so gar keine Lust auf Schlafen habe.

Hühnerfüsse sind es nicht wert, sie zu essen. Nur trockene Haut zum Abgnagen.



















Norah Jones ist wieder gut.

Ich habe wieder eine Aarau-Tasche. Diesmal die vom KiFF. Danke liebste Schwester!

Es ist Ananas-Saison - wunderbar. Ihr solltet alle hier sein und mit mir saftigsüsse Ananasse essen!

Haare bleichen ist eine Dummheit.

Briten bezeichnen sich nicht als Europäer.

Es gibt Tausende von Wasserfällen in Laos. Und alle sind anders. Wahnsinn, gäll?

4. Mai 2012

Das "F-Wort"

SCROLL DOWN FOR ENGLISH!!! (woo-hoo :) )

Was stellen wir jedesmal fest, wenn wir von den Ferien im Ausland zurück in die Schweiz kommen? Richtig: "Ou nei, jetzt können wir nicht mehr einfach so über die Leute um uns herum reden, ohne dass sie es merken!"

Hier in Laos könnte ich zwar über die Leute lästern, so viel ich wollte, aber mit wem schon? Versteht ja keiner Schweizerdeutsch. Dafür geht mir genau umgekehrt: Die Leute auf dem Markt, auf der Strasse, im Minibus reden ständig über Ausländer. Logisch - die meisten von uns verstehen kein Lao. Trotzdem merkt man schnell, wenn man Gesprächsthema ist: am F-Wort.

Ob "Falang" positiv oder negativ konnotiert ist und was sie genau über mich sagen, weiss ich meist nicht. Es gibt in Laos zwei Arten von Falang: Touristen und solche, die hier leben und für NGOs arbeiten. Von beiden gibt es ziemlich viele in Paksé. Die Touristen erkennt man leicht: sie sitzen in Internetcafés, blättern durch die Menüs der Restaurant, die im Lonely Planet empfohlen werden und tragen Beerlao-T-Shirts. Und viele Frauen dazu sehr kurze Shorts und Trägershirts. Hätten sie den Lonely Planet sorgfältiger gelesen, wüssten sie, dass man das hier nicht sollte. Mich persönlich stört es wenig, aber kulturell passt diese Kleidung hier nicht: Die Leute sind zwar immer noch freundlich, ihren Respekt verliert man jedoch, wenn man zuviel von den Beinen und Schultern zeigt. Erst recht beim Baden im Wasserfall im knappen Bikini, während rundherum alle mindestens Shorts und ein T-Shirt tragen - aber das ist schlicht ignorant.

Ganz das Gegenteil geschieht, wenn man als Ausländerin den traditionellen laotischen Wickelrock, den Sinh trägt: "Njaam", "hübsch", höre ich dann im Minutentakt, vor allem von Frauen, die mich herzlich anlächeln, wenn ich mich daraufhin umdrehe. Auch sie tragen alle einen Sinh, denn "traditionell" heisst nicht etwa "aus der Mode".

Stoff für einen neuen Sinh





















Meine Pluderhosen aus Thailand liegen schon länger ganz unten im Schrank. Ich habe festgestellt, dass ich kein Hippie bin... Entweder trage ich ganz normale Hosen oder dann einen Sinh. Obwohl ich es geniesse, für ein paar Monate in der Wärme zu leben, frische Früchte vom Markt zu essen, eine neue Sprache zu lernen und ständig neue Gerichte auszuprobieren - ich bin nicht für Ferien hier. Für fünf Monate ist Paksé mein Zuhause. Ich habe meinen "local fruit guy", meinen "Kafé yen" (Eiskaffee)-Stand, den "Friendship"-Supermarkt im Quartier, mein Stammrestaurant für Zmittag ohne negative Überraschungen. Und überall erkennen mich die Angestellten inzwischen, auch wenn ich mit ihnen noch nicht mehr kommunizieren kann als "was kostet das?" und "danke".

















"Falang" werde ich immer bleiben - doch wenn ich für den Gang zum Markt den Sinh anziehe, unterscheide ich mich deutlich von den Backpackern. Die Hippiehosen kann ich wieder anziehen, wenn ich Ende Monat für ein paar Tage den Norden von Laos entdecke - und "richtig" Ferien mache.
Dieser Früchtestand sieht zwar schön aus, "meiner" ist aber der links davon. Weil sie die süsseren Mangos haben. Und weil der Verkäufer immer freundlich auf mich einredet, wie ein Wasserfall, und sich so gar nichts daraus macht, dass ich keine Ahnung habe, was er mir sagt.





 

The F-word

What do Swiss people say, everytime they get back from a vacation outside Switzerland? "Oh no, we can't talk about the people around us anymore without them noticing..."

Unfortunately, here in Laos, where I could gossip in Swiss German as much as I want, there's no one to gossip with who would understand me. I'm on the other side now: People at the market, on the streets, in the minibus talk about foreigners all the time. Well - most of us don't understand any Lao. But still, you notice very quickly when you're the centre of their attention. They use the F-word: "Falang".

If "Falang" has a positive or a negative connotation and what people are actually saying about me - I have no clue. There are two types of Falang in Laos: tourists and people who live here and work for NGO's. Of both kinds, there are a lot. Backpackers are easy to recognize: They sit in internet cafés, browse through the menus outside of the restaurants which are recommended in the Lonely Planet, and they wear Beerlao-T-Shirts. A lot of the women in combination with hotpants. If they had read the Lonely Planet more carefully they knew that you should dress a little more modest here. I don't mind - but culturally it's not appropriate. Even if the locals still treat you friendly, I feel misplaced whenever I wear something that shows too much of my legs or shoulders. Funny how fast you adapt...

If a non-Asian woman wears one of the traditional Lao skirts, a sinh, the opposite is the case: People say "Njaam"; "beautiful", and when you turn round, they smile at you cordially. Most of the women here wear a sinh, because "traditional" doesn't mean "out of fashion".

My Harempants from Thailand though, I leave them in the closet most of the time. I discovered that I'm not a hippie, after all... So I wear normal pants most of the time, or a sinh to go into town. Even if I enjoy it a lot to live in a warmer climate for a few months, to eat fresh fruit, to study a new language and script and to try adventurous dishes all the time - I'm not here as a tourist. For these five months, Paksé is my home town. I have my "local fruit guy", my "kafé yen" (iced coffee)-stall, the "Friendship"-supermarket in my village and my "local" for a safe, quick lunch. And everywhere, the employees seem to know me by now, even if communication doesn't go a lot further than "how much is that?" and "thank you".

I'll always stay a "Falang". But if I dress in a sinh to go to the market I make clear that I'm not a tourist. I can wear my hippiepants again when I travel the north of Lao at the end of May - and "really" go on a vacation.