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3. Juni 2012

Unterwegs

Aaaach - so viel erlebt in einer Woche: Vientiane kennengelernt (nein, keine Französin, sondern die Hauptstadt von Laos), mich nicht in sie verliebt, sondern sie gleich wieder für Luang Prabang verlassen. Endlich wieder Kultur - ethnologisches Museum; Galerie für zeitgenössische Kunst; das erste Glas Wein nach 4 Monaten, in einer ganz tollen Weinbar; Modeschau mit traditionellen Trachten; zwei Filmemacher kennengelernt, die eine Dokumentation über ein laotisches Dorf im Wandel drehen. Wasser auf meine kulturell ausgedörrte Seele - dafür hats dann auch gleich vier Tage lang geregnet.



Bo pen yang. Der lokale Second-Hand Bookshop (abends auch ein Kino, wie super ist das?!) hat mich gerettet: "Extremely Loud & Incredibly Close" von Jonathan Safran Foer entdeckt, wunderwunderschön. "Our laughter kept the feathers in the air. I thought about birds. Could they fly if there wasn’t someone, somewhere, laughing?", und: "I took the world into me, rearranged it, and sent it back out as a question: 'Do you like me?'"



24. August 2008

Ungelesenes

In letzter Zeit schaffe ich es einfach nicht, Bücher zu Ende zu lesen. Da ist das seit Monaten halb gelesene, eigentlich recht amüsante "Fischtal" von Philipp Tingler, "Alabama Song" von Gilles Leroy sowie diverse Bibliotheksbücher, die schon lange wieder in ihren Regalen stehen, ohne dass ich das Ende erfahren hatte. Bei der französischen Ausgabe von "Tausend strahlende Sonnen" von Khaled Hosseini bin ich erst am zweiten Kapitel. Und dann liegt noch der zweite Band von "Wahnsinns Frauen" herum, aus dem ich erst etwa drei Biografien gelesen habe. Liegt es an mir, oder sind die Bücher einfach zu wenig spannend?

Nun hatte ich gestern wieder mal einen deprimierenden Abend, an dem alle meine Freunde weg oder zu müde waren, um etwas zu unternehmen. Ich nahm mir also vor, die Bücher fertig zu lesen. Ein hehres Ziel, nur leider unrealistisch, solange das neue "NEON" ebenfalls herumliegt... ich schaffte gerade noch die letzten fünf Seiten von "Alabama Song" - alles andere bleibt wohl weiterhin liegen.

24. November 2007

Begegnung der geheimnisvollen Art

Seltsam. Vor gut einer Woche hatte ich die Gelegenheit, mit der deutschen Schauspielerin Mari.a Schra.der ein Interview zu führen. Sie hat soeben als Regisseurin "Liebesleben" verfilmt, einen Roman der israelischen Autorin Zeruya Shalev. Der Film ist sehr gut, aber regelrecht schmerzhaft anzuschauen - es geht um eine junge Frau, Ja'ara, die sich in einen viel älteren Mann verliert. Er nutzt sie skrupellos aus und bringt sie dazu, ihr ganzes Leben, so wie es ist, zu zerstören. Ich verliess den Kinosaal ziemlich verstört, denn die Szenen sind teilweise sehr heftig, und die ganze Zeit tut Ja'ara genau das Gegenteil von dem, was vernünftig wäre, und das kann ich mir in egal welchen Filmen jeweils fast nicht mit ansehen.

Mar.ia Schra.der erzählte mir von ihrer ersten "Begegnung" mit dem Roman.


Frau Schrader, stimmt es, dass Sie zuerst vom Roman „Liebesleben“ gar nichts wissen wollten?

Ich wurde von meiner Agentur angefragt, ob ich eine Lesereise mit einer israelischen Autorin machen würde. Damit hatte ich überhaupt keine Erfahrung, ich hatte auch weder von Zeruya noch von ihrem Buch je gehört und habe deshalb einfach abgesagt. Damit hat sich der Verlag aber nicht zufrieden gegeben und mir das Buch geschickt.


Was hat Sie daran derart fasziniert, dass Sie die Geschichte schliesslich sogar verfilmt haben?

Eine ähnlich schwierige Frage wie, warum man sich in jemanden verliebt... Beim ersten Lesen habe ich nicht mehr rechts und links geschaut. Ich bin in diese Geschichte versunken und musste wissen, wohin sie führt, diese Achterbahnfahrt von Jara. Wie man manchmal so unerklärlicherweise von Menschen gefangen wird, von einem Musikstück oder einem Bild, ohne das man genau sagen kann, weshalb. Das finde ich immer etwas sehr Besonderes und Schönes, auch ein bisschen Geheimnisvolles...


(Das Interview wurde in der Aargauer Zeitung vom Dienstag, 20. November, abgedruckt)

Soviel erst mal dazu. Gestern, nach der Arbeit, hatte ich nichts zu Lesen dabei und ging deshalb noch in den Buchladen am Bahnhof, um mir "ein Buch zu gönnen". Und was lag da, auf dem Tisch mit den neuen Paperbacks? Genau: "Liebesleben". Ich nahm das Buch in die Hand, las die Zitate auf dem Buchrücken und blätterte darin, legte es wieder hin und ging um den Tisch herum. Ich nahm andere Bücher zur Hand, und trotzdem war ich nur noch halbherzig dabei - schliesslich konnte ich gar nicht anders, als "Liebesleben" zu kaufen.

Keine Ahnung, was dieses Buch an sich hat. Obwohl ich die Geschichte schon kenne, obwohl ich weiss, dass sie Szenen enthält, die mich emotional sehr mitnehmen werden, musste ich es kaufen. Ich habe dann auf dem Heimweg begonnen zu lesen, diese langen, verschachtelten Sätze - oft besteht ein ganzer Abschnitt nur aus einem Satz -, und konnte gar nicht mehr aufhören. Zuvor hatte ich gedacht,
Mar.ia Schra.der übertreibt ein wenig, weil sie wohl eine spezielle Beziehung zu dieser Geschichte hat. Doch es ging mir ganz genau so, wie sie es von sich beschreibt. Ich habe es selten erlebt, dass ein Buch mich von Anfang an, ja, schon bevor ich es überhaupt begonnen habe zu lesen, so fasziniert. Mal sehen, ob sich das Geheimnis im Laufe des Lesens lüftet.

29. Oktober 2007

Eine kleine Detektivgeschichte

Ich liebe es, wenn mein "Vor-Leser" seine Quittung im Bibliotheksbuch vergessen hat. Dann schaue ich jeweils bei meinem nächsten Bibli-Besuch nach, was er/sie für Bücher gelesen hat, und leihe mir sie ebenfalls aus. Momentan lese ich den Krimi "Der japanische Liebhaber" (klingt übrigens viel schundromanmässiger, als er ist), und da lag die Bücherquittung von J.B. drin. Schade, kann ich hier den Namen nicht veröffentlichen. Ich weiss nicht mal, ob das eine Frau oder ein Mann ist. Ich tippe aber auf eine Frau. (Bei folgendem Text stelle man sich nun bitte Philip-Maloney-Musik vor.)

J.B. hat sich folgende Bücher ausgeliehen:

eben, "Der japanische Liebhaber" von Sujata Massey

"Der Lüge schöner Schein" von einem/r R. Hill

"Kakerlaken" von jemandem namens Nesbo (ich tippe auf eine
n Comic)

zudem hatte er/sie von einer früheren Ausleihe noch diese Bücher zu Hause:

"Das Phantom von Manhattan" von Fre
derick Forsyth
"Der Unfall" von Sebasti (?)

"Wie durch ein dunkles G" von Donna Leon (sollte, glaub ich, "Glas" heissen)

und "Der Tote im Smoking" von einem/r Mrs/Mr Gordon.

Spannend. Den "Toten im Smoking" würde ich sofort auch lesen, ich liebe diese Krimis mit Titeln im Agatha Christie-Stil, "Mord im Orient-Express" oder "Rendez-vous mit einer Leiche". Herrlich. Offenbar mag diese/r J.B. Krimis ebenfalls, denn Frederick Forsyth schreibt ja auch so Thriller-mässige Sachen, wenn ich mich recht erinnere. Und "Der Lüge schöner Schein" klingt mir ebenfalls sehr nach einem Rosamunde Pilcher-Werk, in das ein Mord eingeschmuggelt wurde. "Der Unfall" ist bestimmt auch so etwas ähnliches.

(Ich glaube immer mehr, es handelt sich bei J.B. um eine LeserIN, und zwar so zwischen 30 und 35. Ich kann mir nämlich keinen Mann vorstellen, der "Der Lüge schöner Schein" lesen würde, da hat es auf dem Cover bestimmt Bl
umen drauf, wie hier zum Beispiel. Oder ein idyllisches Einfamilienhaus mit Treppe und überdachtem Eingang. (Fehlanzeige übrigens.












Erst recht bei dieser Ausgabe, da ist ein halb verwester Fuss auf dem Cover. Würde ich nie lesen. Obwohl, auf den ersten Blick dachte ich, es sei ein Foto von der Mondoberfläche.














Naja, wenigstens beim englischen Paperback hängen ein paar Kirschblüten ins Bild.)












Lesen Männer überhaupt Krimis? Schreiben tun sie sie ja. Bitte um Kommentare zu diesem Thema, geschätzte Leser.)

Ich glaube, J.B. ist Anfang Oktober (der Beleg stammt vom 3.10.) noch für eine Woche in die Wärme geflogen. Nach Kos, oder nach Ägypten, irgendwo, wo man zu dieser Jahreszeit noch am Strand liegen kann. Und hat sich dafür einige spannende Bücher ausgeliehen. Um sich die Zeit zu vertreiben und zu relaxen, bevor der graue Alltag wieder ruft, beispielsweise wird nämlich am 17.10. ihr Jahresbeitrag bei der Bibliothek fällig. Wenigstens hat sie aber keine Mahnschulden, der Kontostand ist bei 0.00.

Nun nimmt mich aber noch wunder, was "Kakerlaken" für ein Buch ist. Ich dachte ja (aufgrund des Autoren-Namens), es sei ein Comic. Auch hier: 100% falsch. Sie haben einfach den Vornamen (Jo, wieder so unisex) weggelassen. Ich lasse dafür das Bild weg, ich mag Kakerlaken nämlich nicht besonders. Scheint mir ein sehr morbider, düsterer Thriller zu sein.

Nun ja, es stellt sich also heraus, das "Der Unfall" das einzige nicht-kriminelle Buch ist. Laut Amazon handelt es sich nämlich um eine Liebesgeschichte aus dem Bukarest der 30er Jahre. 1930er, muss man ja jetzt sagen. (Nicht wie bei 2046 von Wong Kar Wai, dieser Film würde ja nämlich in heutiger Zeitrechnung in den 50er Jahren spielen. Wunderbar futuristisch, ein sehr sehenswerter Film übrigens. Läuft so alle Jahre mal auf arte, glaub ich.)

Da ich aber ja (bestimmt nach diesem Test, in der Realität aber zumindest geistig) kein Kind des alten Jahrhunderts bin, google ich J.B. zum Schluss noch. Ups. Da erscheinen ganz viele russische Websites. Womit der Beweis erbracht wäre, dass alles Googeln nichts ist gegen solide, detektivische Recherchearbeit! Ich gebe mich aber noch nicht geschlagen und gebe den Namen noch bei den Weissen Seiten ein. Mit dem vollen Namen gibt es keine Treffer, da versuche ich den Vornamen und die Postleitzahl 5* für den Kanton Aargau. 10 Resultate: Ein(e) Dr.Ing., ein dipl.Ing., ein Elektroingenieur und ein dipl.Bauing., ein Techniker Feinmech. und ein katholischer Pater.
Erstaunlich! Und alle tragen einen anderen Nachnamen, es handelt sich also bei den fünf Ing's nicht um ein- und dieselbe Person. Falls ihr euch also mal ein Kind wünscht, dass Ingenieur wird: fragt mich ruhig per Mail um den Namen an. (Ich kann ja verraten, dass es sich dabei um den Namen einer Insel im Ärmelkanal handelt, mit Z statt mit S geschrieben. Recht hübsch eigentlich.)

Trotzdem:
Ich scheine mit meinen Vermutungen überall, also auch um das Geschlecht des Lesers völlig daneben gelegen zu haben, denn leider sind immer noch mehr Männer als Frauen in technisch-akademischen Berufen vertreten. Wahrscheinlich handelt es sich bei J.B. um einen älteren Herrn, der mitnichten ans Meer in die Ferien fährt. J.B. bleibt nämlich in seiner Freizeit lieber zu Hause - und liest gemütlich einen Kriminalroman.

29. September 2007

Der Musenkuss

Jetzt bin ich fast fertig. Noch 33 Seiten, dann weiss ich, wie es mit der verrückten WG von Philou, Camille, Franck und Omi Paulette zu Ende geht. Das Buch, auf dessen Basis der Film "Ensemble, c'est tout" (den ich noch nicht gesehen habe) entstanden ist, ist eines der schönsten, die ich in den letzten Monaten gelesen habe. Zweimal hatte ich es in der Buchhandlung in der Hand, einmal hab ich's für eine Kollegin gekauft, und irgend etwas hat mich so gedrängt, dass ich gar nicht anders konnte, als es für mich selbst gleich auch noch zu kaufen. Im Klappentext steht "Ähnlich wie Amélie, nur noch schöner", aber das trifft eigentlich nicht zu: "Zusammen ist man weniger allein" ist zwar genauso zauberhaft, die Hauptfigur erinnert schon sehr an das fantasievolle Mädchen aus Montmartre, aber eigentlich ist die Geschichte viel trauriger. Camille ist magersüchtig, gescheiterte Künstlerin und hat eine Mutter, die sie bei jedem Treffen wieder rückfällig werden lässt, Franck ist unglücklich in Camille verliebt, total gestresst von seiner Arbeit als Koch und von der Belastung mit der altersschwachen Grossmutter Paulette, und der schlaksige Philibert stottert und wird von seinem Vater verachtet. Und dass die vier schliesslich zusammenwohnen, kann nicht gut ausgehen. Es wird ein trauriges Ende nehmen, doch diese mag ich lieber als gekünstelte und unrealistische Happy-Endings.

Der Donnerstag hingegen nahm für einige ein feucht-fröhliches Ende: Für die 12 Dichter nämlich, die sich am Poetry-Slam im Boiler Aarau miteinander massen. Alle durften am Schluss ihren Becher unter die Absinth-Flasche halten.

Und heute gab's sogar einen schönen Anfang. Die Sonne schien durch die Vorhänge hell in mein Zimmer, ich erwachte in meinem warmen, weichen Bett und war glücklich.

Was die drei Dinge miteinander zu tun haben? Inspiration - ich möchte wie Camille wieder anfangen zu zeichnen, mit den Slam-Poeten weiter den Zauber und die Kraft von Worten entdecken und dank der warmen Sonne wieder mehr Zeit im Freien geniessen und die Augen offenhalten für die Schönheit des Herbstes. Ich will Carla Bruni und Coralie Clément hören, dazu tanzen und Kürbissuppe kochen, will dicke Schals um mich wickeln und draussen spazieren gehen, will mein Papier wieder hervorholen und mit gespitztem Bleistift Zehen, Knie und Mundwinkel zeichnen. Ich will endlich wieder Fahrrad fahren und mir dabei die Finger abfrieren, Herbstblätter sammeln und Kastanien in den Händen halten.

Wer sich auch inspirieren lassen will: Im Kunsthaus Aarau wird bis im Dezember noch die Sammlung ausgestellt ("Etant donné"), mit Werken, die einem das Herz aufgehen lassen: etwa die Farbwülste von Albrecht Schnider, Schlangenhaut von Christine Streuli, ein Unfall von Steiner/Lenzlinger und eine poetische, feine Installation von Pipilotti Rist. Zum immer-wieder-hingehen.