9. Oktober 2007

Murphys Law - bis zum Letzten

Hey, heute war wieder einer der verdammten Tage, die ich kaum ertrage, weil sie damit beginnen, dass ich um ein Haar den Bus verpasse und wegen der ganzen Rennerei zur Haltestelle und darauf folgenden Schwitzerei meine ganze Morgentoilette umsonst war. Erstaunlich, dass ich immer noch so gut gelaunt vor dem Laptop sitze, obwohl das Internet nicht läuft und irgendwo in der Nachbarschaft geschossen wird (klingt jedenfalls so).

Der Morgen war gar nicht übel, abgesehen vom Bus-Nachrennen. Ich hatte im Büro ordentlich zu tun, was mich immer freut, weil ich dann nicht jeden um Arbeit anbetteln muss. Dann bekam ich noch ein Kompliment für ein Porträt eines Künstlers (das übrigens am Donnerstag im LIVE der AZ erscheinen wird, für die, die’s intressiert), und es gab gratis Birnen und Äpfel auf der Redaktion.

Am Mittag wollte ich am Bankomaten Geld holen, um in Moser’s Café eine Gulaschsuppe essen zu gehen und dabei gemütlich an meinem Roman, der von siamesischen Zwillingsschwestern handelt, weiterzulesen. Nachdem mir letzte Woche bereits meine lila EC-Karte den Dienst versagte (sie lässt sich nicht mal mehr in den Schlitz schieben), spuckte der Automat nun auch meine blaue Karte wieder aus, bevor ich überhaupt dazu kam, den PIN einzugeben. Nach etlichen Versuchen gab ich auf, kratzte all mein Münz zusammen und kaufte mir einen Kebab.

Am Nachmittag ging mir die Arbeit aus, nicht, weil ich so früh fertig gewesen wäre, sondern weil schlicht und einfach die Journalisten nicht lieferten, wann sie sollten. Beziehungsweise war die eine Kolumne, die eine fixe Länge hat, viel zu kurz (und überdies schlecht), und der Schreiber konnte erst gegen Abend eine längere Version schicken, weil er noch unterwegs war. Nun denn – ich nutzte die Zeit, um schnell zur Bank zu gehen und wegen dem Kärtchen-Spuk nachzufragen. Es stellte sich heraus, dass einerseits meine monatliche Limite wegen der Lohnpause während meiner Kanada-Ferien auf lächerliche 300 Franken heruntergesetzt worden war, aber abgesehen davon meine EC-Karte tatsächlich nicht mehr funktionierte. Wenigstens war mein Konto nicht von Unbekannten geplündert worden, und so kam ich trotzdem zu ein wenig Bargeld, bis meine neue Karte ankommt.

Zurück auf der Redaktion wurde mir mitgeteilt, dass einer der vorgesehenen Artikel ersetzt werden müsse, weil sich die Faktenlage geändert hatte und die Neuigkeit deswegen geplatzt war. Glücklicherweise gestaltete meine Chefin die Seite selbst neu, während ich immer noch auf die verlängerte Version der Kolumne wartete. Eine halbe Stunde nach meinem gewöhnlichen Arbeitsschluss kam der Artikel – drei Zeilen länger als zuvor (bestellt gewesen wären 850 zusätzliche Zeichen – etwa 25 Zeilen mehr). Krisensitzung, Notlösung.

Endlich konnte ich mich nun auf den Weg machen, doch der Zug, mit dem ich noch pünktlich für meinen Spanischkurs nach Aarau gekommen wäre, war längst abgefahren. Der Bummler war noch nicht im Bahnhof, also kaufte ich mir im Interdiscount noch schnell neue Stöpseli für den iPod. Als ich im Zug sass und sie ausprobieren wollte, war natürlich der Akku leer. Und wen überrascht’s, dass der Zug wegen einer technischen Störung zwischen Lupfig und Birr eine halbe Stunde warten musste. Trotzdem ging ich noch in den Spanischkurs, eine Dreiviertelstunde zu spät. Wenigstens konnte ich inzwischen im Zug ein schönes Sätzli vorbereiten: „Perdon, tenìa que trabajar hasta mas tarde.“

Zuhause angekommen erwartet mich nicht nur im Kühlschrank gähnende Leere, weil meine neue Mitbewohnerin offenbar nicht zum Einkaufen gekommen ist, sondern auch an der Stelle, wo normalerweise unser Modem steht, ein leerer Fleck. Und die Nachbarn, in deren Wireless-LAN man sich gelegentlich einschleichen kann, sind nicht online. Kein gemütliches Surfen also, und diesen Eintrag schreibe ich nun auch im Word statt direkt im Blogger, während draussen immer noch diese Pressslufthammer/Maschinengewehr-Geräusche lärmen. Schon fast wie im Krieg. Wenigstens stand noch Mineralwasser im Kühlschrank und ich hab mir letzte Woche tolle Musik runtergeladen, die mir nun fröhlich den Abend würzt. Feist: „Take it slow, take it easy, please“. De Soundtrack zum Läbe.

Ich wundere mich, dass mich mein Laptop bis jetzt nicht im Stich gelassen hat.

5 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Immerhin hat dir dieser Tag wieder so einiges zu berichten beschert und uns etwas zum lesen... ;-)

Ein perfekter Ausklang für diesen Tag wäre doch ein schönes warmes Bad bei Kerzenlicht... jaja klingt kitschig ich weiss... hilft aber ungemein..

Du darfst einfach nicht einschlafen dabei.. ;-)

Anonym hat gesagt…

"Ich wundere mich, dass mich mein Laptop bis jetzt nicht im Stich gelassen hat."
Chasch ned aues ha ;-)

evelyne hat gesagt…

@tom: das mit dem bad hab ich mir tatsächlich auch überlegt. (ich bade ja mindestens einmal wöchentlich, zwar nicht mit kerzenlicht, dafür mit kreuzworträtsel) allerdings hatte ich am morgen schon geduscht und ich beschloss, dass es unökologisch wäre, nochmal so viel wasser zu verbrauchen.

@fa: ha de zuesatz "zwar - apple." vor em veröffentleche no glöscht :)

Anonym hat gesagt…

Ja wirklich ein Tag wie im Krimi..
Aber deine Artikel im Live sind wirklich gut, habe sie eben eingesogen.
Wünsche dir möglichst viele gute Tage, da sie ja bekanntlich zum Jungbrunnen beitragen.pa

Anonym hat gesagt…

super artikel im live!!! es liest sich wie ein traum!! so leicht, so farbig beschrieben... wunderbar. susi