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28. Januar 2012

Warten.


Warten, bis das Flugzeug aus Zürich die Starterlaubnis hat. Warten, bis es im Riesenflughafen Amsterdam Schipol nach zehn Minuten in voller Fahrt den Ankunftsplatz gefunden hat. Warten, bis der zehn Stunden dauernde Flug von Amsterdam nach Bangkok vorüber ist. In Bangkok stundenlang warten, bis auf der Anzeigetafel das Gate des Anschlussfluges erscheint. Und schliesslich in einer leeren Halle warten, bis der Flug nach Chiang Mai endlich startet.

Geduld ist in Asien eine der höchsten Tugenden, heisst es. Und so übe ich mich schon bei der Anreise darin. Die verstreichende Zeit nicht auf der Uhr zu verfolgen, nicht mit den Füssen zu wippen, nicht zu seufzen, nicht krampfhaft zu überlegen, was ich jetzt noch machen könnte. Weitergehen wird es irgendwann – nur dreht die Welt sich nicht schneller, wenn man ungeduldig wird.

23. Januar 2012

Zwischen Vorfreude und Abschiedsweh.


Viel zu schreiben gibt es nicht mehr... Ich bewege mich irgendwo im Nebel, zwischen dem letzten Abend in Aarau und dem Tag, an dem es zum Flughafen geht, zwischen Nudelsuppe und Flammenkuchen, zwischen Winter und Sommer, zwischen dem "Learning Teaching"-Schinken und einem kleinen, rosaroten Erinnerungsbüchlein. Zwischen Schweizerdeutsch und Englisch, zwischen leichter Erkältung und leichter Sommerkleidung, zwischen durchlebten Nächten und schlaflosen Stunden, zwischen letzten Zügelkisten und einem halb gepackten Koffer. Zwischen Schweizer Wintergrummligkeit und asiatischer Fröhlichkeit, zwischen alten und erst noch zu treffenden neuen Freunden, zwischen Vorfreude und Vor-Heimweh. Zwischen "keine grosse Sache, alle waren mal eine Zeitlang im Ausland" und dem Gefühl des für mich bisher grössten Abenteuers. Zwischen der Angst vor dem Alleinsein und der Gewissheit, dass schon alles gut gehen wird.

18. Januar 2012

Sieben Bananenschachteln und eine Pack-Leiche.

Diese Gummibärchen sind meine Rettung. Zum Glück habe ich unter all dem Kram, den ich seit heute morgen sortiere und in Kisten packe, auch ein paar Süssigkeiten gefunden.

Dabei hat alles so erfolgsversprechend angefangen: Zuerst habe ich meinen Kleiderschrank geleert. Nur Lieblingskleider, die ich diese und nächste Woche noch tragen oder nach Asien mitnehmen will, sind übrig geblieben. Der Rest, sieben Bananenschachteln voll, wird die nächsten Monate im Estrich bleiben. Ein gutes Gefühl; schön sortieren, packen, Unnötiges in die Kleidersammlung geben.

Zwei Stunden später bin ich der Verzweiflung nahe. Vier weitere Bananenschachteln sind voll - und immer noch stehen so viele Sachen herum, Lampen, Bilder, Souvenirs, ganz zu schweigen von den UNZÄHLIGEN Büchern im Regal! Wo kommt bloss all das Zeug her?! Mir graut vor dem Tag, an dem ich zurückkehre und die Schachteln auspacken und einräumen muss... Eigentlich will ich nichts davon jemals wieder sehen, so bis zum Hals steht mir all der Kram gerade.

Und die blöden Gummibärchen sind jetzt auch weg. Ich muss hier raus.

10. Januar 2012

Punkte und Striche.

Die ersten Kisten sind gepackt. Im Schuhregal hats zum ersten Mal freie Fächer und die sonst übervolle Handtaschen-Schublade lässt sich endlich wieder schliessen.

Eigentlich sollte ich für meinen Englischlehrerkurs lernen, aber so viele andere Sachen stehen noch auf meiner Liste. So viel Konkretes ist noch zu tun, da kann ich mich nicht einfach hinsetzen und in Ruhe lernen. Ein Punkt nach dem anderen wird abgestrichen: Nachsendeauftrag, Hausratversicherung, thailändisches Geld bestellen. Und mit jedem Strich kommt wieder ein neuer Punkt auf die Liste: Prämienverbilligungsantrag, Velo flicken, Adapter kaufen.

Noch 16 Tage.

5. Januar 2012

Freeze

Heute in drei Wochen sitze ich im Flugzeug. Am liebsten würde ich die Zeit kurz anhalten und durchatmen.

Zum ersten Mal wird mir bewusst, wie schnell jetzt alles geht. Und es macht mir fast ein bisschen Angst.






















Bild: http://well-fed.tumblr.com/

28. Dezember 2011

24. Dezember 2011

Die unsichtbare Zweite

Der Flug ist gebucht - mein Weihnachtsgeschenk an mich selber.

Ich habe Flüge gebucht und Mails geschrieben, Kontakte geknüpft und mich informiert. Sogar mein Essen für den ersten Inlandflug habe ich ausgesucht (malaysisch: Nasi Lemak), ich weiss, wann mein letzter Arbeitstag ist und mit wem zusammen ich den Abschiedsapéro machen werde. Auf meinem Laptop ist eine Packliste, die ich ständig aktualisiere.

Trotzdem ist es immer noch so, als würde ich das Ganze für jemand anderen planen. Für jemanden, der abenteuerlustig genug ist, sein gewohntes Umfeld für mehr als ein halbes Jahr zu verlassen. Jemand, der es so lange ohne seine Familie und seine Freunde aushält. Jemand, der Mut hat und stark ist und auf eigenen Beinen steht.

Wahrscheinlich werde ich am 26. Januar den Koffer zum Flughafen tragen, kontrollieren, ob der Pass da ist, die Tickets im Handgepäck checken und mich dann verwundert nach der Frau umsehen, die sich jetzt verabschieden und ins Flugzeug steigen sollte.

19. Dezember 2011

Wie immer.


Der Montagmorgen nach einem tollen Wochenende mit guten Freunden, neuen Bekanntschaften, super Musik in schönen Bars und Sonntagmittagplaudern in weniger schönen Restaurants - Aarau halt. Und jetzt: Schnee, Stille, Tee trinken, ein wenig arbeiten. Alles wie immer.

Es nicht aus dem Bett schaffen, mit den Katzen schmusen, Rechnungen bezahlen, O-Saft/Ovi/Nutellabrötli zum Zmorge. Die Wäsche wieder nicht machen, nicht staubsaugen, dafür die Küche putzen. Die Katzen knuddeln, immer noch im Trainer rumlaufen, ein paar längst fällige Mails schreiben und einen Punkt auf der To-Do-Liste streichen. Mich über den Schnee freuen und schöne Musik hören. Zwei Weihnachtsgeschenke planen. Ein Hörbuch fertig hören und dabei Sudoku lösen, eine Zeichnung machen. Ein Foto von der einen Katze machen, lachen. Die Ruhe geniessen und dass es noch nicht mal zehn Uhr morgens ist.

Alles wie immer. Noch fünf Wochen lang.

28. November 2011

Black Friday

Auf meiner Veloklingel steht zwar "I Love My Bike", doch wer mich kennt, weiss, dass das so nicht ganz zutrifft. Eine typische Hassliebe: Das Velo gehört für mich fest zum Alltag und ich schätze die Schnelligkeit und Flexibilität - das wird mir aber meist erst klar, wenn es irgendwo klemmt oder einen Platten hat. Und ich warte immer noch auf die Nacht, in der ich auf dem Heimweg vom Ausgang damit im Stadtbach lande...

Es gibt aber Situationen, in denen ein Auto ganz schön gäbig ist: Zum Beispiel, wenn ich für meinen Geburtstag einen Sack Holzkohle und einen Sechserkarton Wein brauche, zusätzlich zum Katzenfutter-Vorrat, den vier Litern Milch und den sonstigen Lebensmitteln, die es in einer WG nun mal braucht. Zum Glück darf ich dann hin und wieder das Auto meiner Mitbewohnerin benutzen. Ich war extrem stolz auf mich, im Parkhaus des Einkaufscenters die Lücke zwischen einer Säule und einem anderen Auto auf Anhieb perfekt zu treffen. Der Horror kam zwei Minuten später: Meterhohe, zehn Meter lange Regale mit zwanzig Sorten Würsten, dreissig Sorten Fruchtsaft... Und dann ist auch noch Advent, was bedeutet, dass zusätzlich zum ganz normalen Überfluss auch noch so Unnützes wie Plastikchristbäume, rote Deko-Glöckchen und Dutzende von verschiedenen Kerzensorten im Angebot sind.

Macht uns das wirklich glücklich? Mich überfordert es. Und auch wenn ich "meine" Zahnpasta und meinen Lieblings-O-Saft in Laos bestimmt vermissen werde, bin ich froh, diesem Konsumwahnsinn mal für ein halbes Jahr zu entkommen.

24. November 2011

Home is where George is

Laos also.

In zwei Monaten. Für ein halbes Jahr, mindestens.

Schön, kann ich mir bei meinem Job einteilen, wie viel ich arbeiten möchte. Das ist im Moment eher wenig als zu viel... Lieber nehme ich mir Zeit, um mich um die Versicherungen zu kümmern, die Steuerrechnung für 2011 anzufordern, mein WG-Zimmer zur Untermiete auszuschreiben und einige Schreibaufträge abzuschliessen.

Und bei all dem schleicht sich immer wieder jemand auf meinen Schoss, kuschelt sich ein und schaut mich mit grossen blauen Augen an, wenn ich ihn bemerke. Ein zweites Augenpaar fixiert mich mit etwas grösserem Abstand. Wen ich in Südostasien am meisten vermissen werde, weiss ich jetzt schon: Mein Baby - Kater George, und die weisse Hexe Amel.




Vielleicht skypen sie ja mal mit mir.

22. November 2011

433 Mal abbiegen


13 076 Kilometer.

Zuerst auf der Autobahn Richtung Bern, dann in Oftringen auf die A2 nach Luzern. Einige Zeit später durch den Gotthard. In Brindisi auf die Fähre nach Igoumenitsa an der griechischen Küste. Später in Teheran links auf den Qazvin Highway einbiegen, entlang der nördlichen Grenze von Pakistan und in Indien vorbei am Shri Siddhi Vinayak Hospital. Ganz zuletzt noch ein kurzes Stück auf der Rue Thadeua, und dann bin ich dort - in Vientiane, der Hauptstadt von Laos.

Klingt nach Abenteuer. Trotzdem werde ich der Einfachheit halber doch mit dem Flugzeug reisen. Meine Abenteuerlust wird das halbe Jahr in Südostasien noch genug stillen.

Drei Jahre später

Drei Jahre nach dem letzten, halbherzigen Post in meinem alten Blog "Zwischen den Zeilen" beginne ich wieder zu bloggen. Der Grund: Mindestens ein halbes Jahr in Südostasien erwartet mich, ein grosses Abenteuer! (Inklusive Kultur- und Klimaschock, neuen Erfahrungen, hoffentlich neuen Freunden sowie wahrscheinlich der einen oder anderen Magenverstimmung vom fremden Essen.)