31. Januar 2012

Back to School.

Keine Freizeit - so siehts aus. Und wohl auch nicht viel Bloggen in den nächsten vier Wochen, aber worüber auch, ohne Freizeitaktivitäten? Die Schule hat begonnen, am ECC Teacher Training Center in Chiang Mai.






















Und wieder: Bisher ist alles super, ist zwar sehr intensiv und anstrengend, macht aber Spass. Zusammen mit acht anderen Trainees - die Hälfte davon aus Grossbritannien, zwei Amerikaner, ein Australier, eine Filipina - lerne ich, was es heisst, Schülern aus aller Welt Englisch beizubringen.

Zuallererst heisst das für mich, dass mein ganzer Tag nun in Englisch stattfindet. Vom "Sawatikaa, hello, John" beim Verlassen des Guesthouses übers "How's it going?" im Foyer der Schulräumlichkeiten bis zum letzten "Still working, John?!" zurück im Guesthouse. Ganz schön anstrengend, aber auch spannend. Ich liebe es, eine fremde Sprache zu sprechen und zu merken, dass ich das meiste verstehe und mich gut ausdrücken kann, mich selber aber auch zu beobachten, auf die Aussprache meiner Kolleginnen und Kollegen zu achten und immer wieder Neues zu lernen. Zum Beispiel, dass mein "eingeschlafenes Bein", mit dem ich heute den ganzen Tag herumlief, weil ich die letzte Nacht irgendwie seltsam darauf gelegen habe, auf Englisch "a dead leg" heisst.

Schon gestern haben wir unsere Versuchskaninchen kennengelernt: Schüler im Alter von 19 bis 35 Jahren, die einen Monat lang jeden Abend zwei Stunden Englisch lernen. Für einen vergleichbar kleinen Betrag, dafür müssen sie mit Anfänger-Lehrern Vorlieb nehmen. Obwohl - etwa die Hälfte von uns hat schon mal unterrichtet, manche schon mehrere Jahre. Hier in Asien sind Englischlehrer immer noch sehr gesucht, eine willkommene Möglichkeit für englischsprachige Reiselustige, Geld zu verdienen und gleichzeitig eine fremde Kultur kennen zu lernen. Gut zu wissen!

Heute war Day 2, und schon haben wir zum ersten Mal unterrichtet. Meine Aufgabe war es, mit den Schülern Wörter rund um die Themenkreise Bekannte/Familie/Freunde zu repetieren und die Aussprache zu üben. Es hat unglaublich Spass gemacht! Die Schüler (14 Frauen, nur 2 Männer!) sind sehr motiviert, machen mit, sind interessiert am Unterrichtsstoff und an uns und im Vergleich zu Schweizern auffallend fröhlich. Wie die meisten Thais lächeln sie sehr viel, und meistens scheint es von Herzen zu kommen.

Wie könnte man sich in einer Stadt mit solchen Menschen nicht wohl fühlen?

29. Januar 2012

Pandamania.

Tierliebhaber wissen: Eine schlafende Katze ist das beste Beruhigungsmittel. Nichts fährt den Puls so rasch runter wie einer Katze zuzusehen, die sich in der Sonne eingerollt hat und gemütlich döst. Ihr kuschliges Fell hebt und senkt sich in regelmässigem Rhythmus, von Zeit zu Zeit streckt sie wohlig ihre Pfoten von sich und gähnt. Man kann sich also vorstellen, wie schläfrig ich wurde, als ich im Chiang Mai Zoo an all diesen Penntüten vorbeikam:

penn2

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Auch dieser hier schlief, doch da war ich hellwach:

penn panda

Ein Panda! Seit ich als kleines Mädchen meinen Pandi ständig mit mir rumschleppte (auf dem Bild unten - 1985 - leider von seiner unvorteilhafteren Seite, dafür noch schön knuffig, was nach jahrelanger Freundschaft irgendwann nicht mehr der Fall war), mein Lieblingstier.



















26 Jahre später:


















Gleich drei "Goodwill-Botschafter der Volksrepublik China im Königreich Thailand" beherbergt der Zoo in Chiang Mai. Um sie zu sehen, hat sich das frühe Aufstehen gelohnt. (Auch wenn ich nicht ganz so nah dran war wie auf dem Photoshop-Fötteli für 100 Baht, zugegeben...) Als ich um halb neun im Zoo ankam, tollte Pandapapi Chuang Chuang fit und fröhlich wie ein junges Reh draussen herum. Er rannte in vollem Tempo über den kleinen Hügel, fetzte sein lebensgrosses Stofftier in Form eines Rehs, rollte den Abhang hinrunter, riss an Bambusstauden, wälzte sich im frisch hingeschütteten Schnee, schnupperte am Holzgerüst, kletterte Bäume hoch, frass und schien überglücklich.



Einzigartig. Da soll noch einer sagen, Pandas seien langweilig und träge.

(Ein Klischee bestätigen die Chiang-Mai-Pandas trotzdem: Sich zu paaren finden sie weniger spannend, als Purzelbäume zu schlagen. Nachdem alle Versuche scheiterten, sie dazu zu motivieren, wurde Pandamädchen Lin Bin durch künstliche Befruchtung gezeugt. Vor knapp zwei Jahren kam sie ganz überraschend zur Welt - die Wärter hatten die Schwangerschaft von Pandamami Lin Hui nicht bemerkt.)

Noch viel mehr Fotos aus dem Zoo hier, mehr Pandavideos hier und hier.

28. Januar 2012

Don't worry.

"Mountain View Guesthouse?", fragte der Taxifahrer in unbekümmertem Singsang, während er meinen Koffer ins Auto hob. "Maybe I know where it is. Maybe I don't." Zum Glück wusste er es dann doch. Und so schreibe ich diesen Post im gemütlichen Gartenrestaurant des Mountain View Guesthouse, wo es gratis Wi-Fi gibt und die Sonne durch die Blätter der Bäume scheint.

Mountain View Guesthouse 1
(mehr Bilder)

Das Zimmer, das in den nächsten vier Wochen mein Zuhause sein wird, ist sauber und nicht ungemütlich. Es hat sogar einen kleinen Balkon mit einer Laterne und zwei Sesseln! Ich fühle mich sehr wohl hier und bin dankbar, dass die Reise gut verlaufen ist und ich gestern Abend gut angekommen bin. Um dem Heimweh entgegenzuwirken, habe ich mich gleich ein bisschen eingerichtet und Musik gehört. Und diesen Flyer aufgehängt:


Warten.


Warten, bis das Flugzeug aus Zürich die Starterlaubnis hat. Warten, bis es im Riesenflughafen Amsterdam Schipol nach zehn Minuten in voller Fahrt den Ankunftsplatz gefunden hat. Warten, bis der zehn Stunden dauernde Flug von Amsterdam nach Bangkok vorüber ist. In Bangkok stundenlang warten, bis auf der Anzeigetafel das Gate des Anschlussfluges erscheint. Und schliesslich in einer leeren Halle warten, bis der Flug nach Chiang Mai endlich startet.

Geduld ist in Asien eine der höchsten Tugenden, heisst es. Und so übe ich mich schon bei der Anreise darin. Die verstreichende Zeit nicht auf der Uhr zu verfolgen, nicht mit den Füssen zu wippen, nicht zu seufzen, nicht krampfhaft zu überlegen, was ich jetzt noch machen könnte. Weitergehen wird es irgendwann – nur dreht die Welt sich nicht schneller, wenn man ungeduldig wird.

23. Januar 2012

Zwischen Vorfreude und Abschiedsweh.


Viel zu schreiben gibt es nicht mehr... Ich bewege mich irgendwo im Nebel, zwischen dem letzten Abend in Aarau und dem Tag, an dem es zum Flughafen geht, zwischen Nudelsuppe und Flammenkuchen, zwischen Winter und Sommer, zwischen dem "Learning Teaching"-Schinken und einem kleinen, rosaroten Erinnerungsbüchlein. Zwischen Schweizerdeutsch und Englisch, zwischen leichter Erkältung und leichter Sommerkleidung, zwischen durchlebten Nächten und schlaflosen Stunden, zwischen letzten Zügelkisten und einem halb gepackten Koffer. Zwischen Schweizer Wintergrummligkeit und asiatischer Fröhlichkeit, zwischen alten und erst noch zu treffenden neuen Freunden, zwischen Vorfreude und Vor-Heimweh. Zwischen "keine grosse Sache, alle waren mal eine Zeitlang im Ausland" und dem Gefühl des für mich bisher grössten Abenteuers. Zwischen der Angst vor dem Alleinsein und der Gewissheit, dass schon alles gut gehen wird.

18. Januar 2012

Sieben Bananenschachteln und eine Pack-Leiche.

Diese Gummibärchen sind meine Rettung. Zum Glück habe ich unter all dem Kram, den ich seit heute morgen sortiere und in Kisten packe, auch ein paar Süssigkeiten gefunden.

Dabei hat alles so erfolgsversprechend angefangen: Zuerst habe ich meinen Kleiderschrank geleert. Nur Lieblingskleider, die ich diese und nächste Woche noch tragen oder nach Asien mitnehmen will, sind übrig geblieben. Der Rest, sieben Bananenschachteln voll, wird die nächsten Monate im Estrich bleiben. Ein gutes Gefühl; schön sortieren, packen, Unnötiges in die Kleidersammlung geben.

Zwei Stunden später bin ich der Verzweiflung nahe. Vier weitere Bananenschachteln sind voll - und immer noch stehen so viele Sachen herum, Lampen, Bilder, Souvenirs, ganz zu schweigen von den UNZÄHLIGEN Büchern im Regal! Wo kommt bloss all das Zeug her?! Mir graut vor dem Tag, an dem ich zurückkehre und die Schachteln auspacken und einräumen muss... Eigentlich will ich nichts davon jemals wieder sehen, so bis zum Hals steht mir all der Kram gerade.

Und die blöden Gummibärchen sind jetzt auch weg. Ich muss hier raus.

10. Januar 2012

Punkte und Striche.

Die ersten Kisten sind gepackt. Im Schuhregal hats zum ersten Mal freie Fächer und die sonst übervolle Handtaschen-Schublade lässt sich endlich wieder schliessen.

Eigentlich sollte ich für meinen Englischlehrerkurs lernen, aber so viele andere Sachen stehen noch auf meiner Liste. So viel Konkretes ist noch zu tun, da kann ich mich nicht einfach hinsetzen und in Ruhe lernen. Ein Punkt nach dem anderen wird abgestrichen: Nachsendeauftrag, Hausratversicherung, thailändisches Geld bestellen. Und mit jedem Strich kommt wieder ein neuer Punkt auf die Liste: Prämienverbilligungsantrag, Velo flicken, Adapter kaufen.

Noch 16 Tage.

5. Januar 2012

Freeze

Heute in drei Wochen sitze ich im Flugzeug. Am liebsten würde ich die Zeit kurz anhalten und durchatmen.

Zum ersten Mal wird mir bewusst, wie schnell jetzt alles geht. Und es macht mir fast ein bisschen Angst.






















Bild: http://well-fed.tumblr.com/

4. Januar 2012

Passion.

Via Loved&Found.

Leben ist Philadutella auf dem Alltagsbrot.