
Heute begann die Müdigkeit schon am Vormittag. Kurz vor zwölf ein kleines Nickerchen am Schreibtisch. Josh, unser 18-jähriger Australier, der problemlos auch fünfmal pro Tag Zmittag inklusive Dessert essen könnte, fragt pünktlich, ob jemand Hunger hat. Schweigen, vereinzeltes Grummeln. Es ist zu heiss für eine volle Mahlzeit, und viele sind heute ohnehin erst später ins Büro gekommen.
Ich habe es trotz besseren Vorsätzen erst gegen acht geschafft, mich aus dem Bett unter die Dusche zu bewegen. Dafür reichte es zwischen Frühstück und Lao-Lektion für einen kleinen Abstecher per Velo zum Markt. Bananen, eine Mini-Wassermelone, Mangos und eine frittierte Süsskartoffel. "Tao Dai?" - "Sip ho phàn." Fünfzehntausend Kip, knapp zwei Franken.
Um eins schlurft einer der Kollegen ins Büro und sagt, draussen habe es Tee und Kaffee. Aufstehen ist anstrengend, und so mache ich erst die Aufgabe fertig, an der ich gerade arbeite, bevor ich im Zeitlupentempo nach draussen gehe. Brownies. Ein bisschen hungrig sind wohl doch die meisten.
"Why am I so tired?!", seufze ich laut, als ich mich in einen der Rattansessel fallen lasse. Alison rechnet zurück - zwei Monate bin ich nun in Asien, eine intensive Zeit, und es wird Woche für Woche heisser hier. Offenbar nimmt man nach dieser Zeit ganz automatisch den laotischen Lebensrhythmus an - fährt man nachmittags durch die Dörfer, sieht man überall auf den niedrigen, grossen Tischen unter den Pfahlbau-Häusern Leute liegen und dösen.
Ein hervorragendes Mittel gegen die Müdigkeit gibt es hier zwar. Doch als ich mich am ersten Arbeitstag als "not a big coffee-drinker" outete, erntete ich entgeisterte Blicke. "At least you save us some money", ein augenzwinkernder Kommentar. Mir erschien Tee so viel gesünder, und zu Hause trank ich ja auch keinen Kaffee, normalerweise, sondern nur im Büro. Automatenkaffee. Und das auch mehr um der Pause willen. Als ich jedoch hier an einem der ersten müden Tage klammheimlich eine Tasse Kaffee trank, war es um meine guten Vorsätze geschehen. Paksé liegt unmittelbar neben dem Bolaven-Plateau, einer Hügellandschaft, in der Kaffee angebaut wird. Der beste Kaffee, den ich je getrunken habe (und erst noch Bio und Fair Trade - in Laos alles andere als selbstverständlich). Ich werde hier wohl doch noch zur Kaffeetrinkerin. Bolaven Coffee, what else?














