27. Juni 2012

Flonerleben.

Vormittag auf der Terrasse. Ich sitze hier seit 8.30 Uhr, lese, höre Musik und Podcasts, zeichne und plaudere mit meinen Kolleginnen und Kollegen, die hier vorbeikommen. Der Morgen gehört mir. Kurz nach 7 joggte ich den Mekong entlang, der in den paar Wochen Regenzeit schon stark angestiegen ist, lief vorbei an gut besuchten Noodle Soup Restaurants, an von Hunden bewachten Barbeque-Lokalen, die erst am späteren Nachmittag öffnen, und wurde überholt von einem meiner Schüler, der mir verwundert zugrinst. Noch wenig Kinder in den Häusereingängen - nur einmal "Falang, hellooooo, helloooo" heute. Zum Zmorge ass ich Müsli mit Papaya und - das erste Mal in meinem Leben - "custard apple".

Bild: taste.com.au
Während ich das schreibe, hetzt Teacher Paul vorbei und stellt im Vorbeigehen einen Teller mit einem "Spongecake" auf dem Kaffeetisch ab, noch warm, frisch aus unserer Bäckerei.


Fünf solche Kuchen hat er gebacken, weil er und seine Lehrlinge heute Nachmittag Brösmeli brauchen für sogenannte "Eccles Cakes" (die man offenbar in Australien "squashed flies", "zerquetschte Fliegen", nennt...)

Bild: gooeylewy.wordpress.com
Gerade sitzen eine Australierin, eine nach Australien adoptierte Finnin und Paul, der zwar Engländer ist, aber vor langer Zeit Australien zu seiner Heimat machte, um mich herum. Tak stösst dazu, meine ehemalige Lao-Lehrerin, und versucht uns wieder mal weis zu machen, heute sei ihr Geburtstag und Paul habe den Kuchen speziell für sie gebacken. In echt hat sie einen Tag vor mir im November Geburtstag, aber sie hätte gern jede Woche.

Leider zieht Kuchen, aber auch mein tägliches Frühstück, Ameisen an. Sie hausen im Kaffeetisch, unter der Glasplatte und dem geflochtenen Rattan. Das Trackpad an meinem Laptop funktioniert nicht mehr einwandfrei und ich wäre nicht überrascht, wenn der Grund dafür eine Mini-Ameisen-Kolonie unter meiner Tastatur wäre...

Die Schulmaterialien, die wir für unsere Sommerkurse verwenden, machen einen grossen Teil der üblichen Vorbereitungen überflüssig, darum mein Flonerleben. Keine "Grammar Analysis", weil es in den Lektionen vor allem um Conversation geht. So haben meine "Intermediate"-Schüler gestern eine Stunde lang Englisch gesprochen, haben in wechselnden Zweiergruppen Smalltalk über Schule, Familie und Filme gemacht. Ich war sehr stolz auf sie: Ursprünglich hätte das Team, dass das Gespräch am längsten aufrechterhalten kann, Täfeli gekriegt; schliesslich musste ich aber alle unterbrechen, weil sie nicht aufhören wollten zu reden, und ich stellte die Täfelibox einfach offen auf einen Tisch.

Lao-Lektionen habe ich momentan keine - unser Lehrer Mr Keo ist zu beschäftigt mit anderen Sachen. Da ich nur noch einen Monat hier bin, hält sich mein Lerneifer ohnehin in Grenzen. Dass ich auf meinen Marktgängen nach dem Preis fragen, ein bisschen Smalltalk führen, im Restaurant das Menu lesen und mein Zmittag bestellen kann, reicht mir.

Mittlerweile habe ich mindestens fünf Sätze geschrieben und wieder gelöscht, wie toll der folgende Clip zu meinen Zukunftsplänen passt und dazu, dass dann schon alles gut kommt und ich einen Job finde undsoweiter. Denn eigentlich suche ich nur eine Ausrede, um den wunderschönen Animationsfilm zum wunderschönen Song von Josh Garrels zu posten.




Ebenfalls in meinem Morgen-Soundtrack:





Weiter Bowerbirds, Boy, Cat Empire, Dabu Fantastic, M83, First Aid Kit, The Bailey Hounds. Wäre das Internet schnell genug, würde ich ja eine Playlist auf Spotify erstellen. Have a nice day.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Das ist zwar alt, aber sie haben ein neues wunderbares Video dazu gemacht. Passt auch zum Morgen.
http://www.youtube.com/watch?v=sX7fd8uQles

S

pesche hat gesagt…

i like white owl :)