Nach dieser Antwort meines Cousins auf meine naive Frage, wie man sich in Nordamerika Guten Appetit wuenscht, haette ich mir eigentlich jegliche kulinarischen Erwartungen getrost sparen koennen. Und obwohl mir auch die boes dreinschauende und missmutig kraechzende Moewe vor der Kentucky Fried Chicken-Filiale im Nachhinein wie ein warnender Prophet erscheint, war ich ungeheuer enttaeuscht, als mir das Traditionsrestaurant dieses Menu vorsetzte:
Warum kriege ich, wenn ich etwas bestelle, was auf dem Plakat nach Chicken Nuggets aussieht, Pouletstuecke mit Knochen, Sehnen, Haut und obendrein noch einer zwei-Inches-dicken Teigschicht rundherum? Was bitte ist dieses gruene Salat-Geschnipsel, das suess, aber absolut scheusslich schmeckte? Und weshalb gibt es trotz dieses Frasses an jeder Ecke eine KFC-Filiale? Natuerlich haben wir auf unserem Ontario-Trip auch saemtliche anderen Fast-Food-Provider sowie viele kanadische Lebensmittel ausgecheckt, hier einige Resultate dieser Studie:
- alles Gemuese, sogar Ruebli und Sellerie, ist gentechnisch mit Zucker versetzt, und Milch ohne "additional Vitamines" zu finden, ist schwer - fluessige Ovo ist irgendwie seltsam - McDonalds als Katerfruehstueck ist gar nicht so uebel - obwohl weiter weg vom urspruenglichen Erfinderland, schmecken die Chocolate-Chip-Cookies in der Schweiz besser - wenn man unterwegs mal muss: die Klos von Tim Horton's befinden sich immer rechts direkt hinter dem Eingang
Das einzige Erlebnis, was ich noch vor mir habe, ist "Poutine", eine Art Quebec'sches Nationalgericht: Pommes und Cheddar-Kaese, uebergossen mit fettiger Bratensauce (fuer ein appetitliches Bildli in Wikipedia auf diesen Link klicken). (Nach dem ungeniessbaren KFC-Food machte mich uebrigens das Chewing-Gum-Icecream zum Nachtisch doppelt gluecklich; erstens wegen des unvergleichlichen Geschmacks - mmmmmh - und zweitens wegen der herrlich blauen Zunge, die man davon kriegt :) )
So - on the road seit Montag. Hier ein kleines Fazit:
- am ersten Nachmittag, um 15 Uhr, lief ein junger Schwarzbär direkt vor uns über die Strasse - am zweiten Nachmittag mussten wir die Autobatterie auswechseln lassen - zum Glück sprang der Wagen an, als wir in Tobermory von der Fähre gingen - das einzige Mal auf unserer Reise ohne Starthilfe... - campen ist toll :) aber Mücken hat es wirklich überall.
- Der Farmer´s Market in St. Jacobs, einem Ort, wo die Leute noch mit Ross und Wagen zum Markt fahren und die Frauen Häubchen und lange Röcke tragen, ist eine reine Touristenattraktion. Aber als wir schon fast im Auto sassen, um nach Niagara-on-the-Lake weiterzufahren, vernahm ich von irgendwo her einen seltsamen Singsang und einen starken Kuhgeruch. Wir gingen dem Geruch nach und kamen in eine Halle, wo kaum Leute waren, und wo Kühe versteigert wurden:
Ja, sowas auf der Titelseite der Lokalzeitung - ungewohnt. Der Blattmacher bei der AZ wuerde sich die Haare raufen.
Die naechsten zwei Wochen werde ich unterwegs durch Ontario sein, mir die Niagara-Faelle (nochmals) anschauen und einen Abstecher in Kanadas Hauptstadt Ottawa machen, deshalb wird mein Blog in dieser Zeit wohl etwas einschlafen. Bitte trotzdem regelmaessig reinschauen, man weiss ja nie.
Und schreibt mir doch in die Kommentare, falls ihr Reiseberichte wollt. Eigentlich passt das ja nicht zum Konzept von "Zwischen den Zeilen" und ich persoenlich finde Reiseberichte auch nicht immer so spannend, deshalb hatte ich das nicht vor.Aber falls Interesse besteht...
Zu Hause bade ich mindestens einmal in der Woche. (Ausserdem habe ich dort eine anstaendige Tastatur, auf der man Umlaute schreiben kann und Z und Y an der richtigen Stelle sind...) Ich lasse mir ein Schaumbad ein, suche ein paar ungelesene Magazine zusammen und hole mir ein Quaerkli aus dem Kuehlschrank. Dann lege ich mich genuesslich in die Wanne, lese und loese das Weltwoche-Kreuzwortraetsel. Eine halbe Stunde spaeter hieve ich mich aus dem heissen Wasser, dusche kalt und lasse den Abend mit Koerper eincremen und Naegel lackieren richtig "wellnessig" ausklingen.
Hier, einige tausend Kilometer weiter westlich, verbringt man den fruehen Abend mit Wasserball im 25 Grad "kalten" Swimmingpool, bevor man sich noch fuer ein Halbstuendchen in den Hot-Tub legt. Herrlich, ausser dass die Muecken sich jedesmal auf einen Tropfen Blut dazugesellen...
Heute ist ein absoluter Ärgertag. Zuerst kriegte ich meine Spesen, die ich fürs Schulprojekt hatte, nicht zurück, obwohl ich schon seit 2 Wochen stürme (ich hatte nämlich geahnt, dass es irgendwie im letzten Moment nicht klappen würde). Dann bekam ich endlich die gewünschte Unterschrift, aber natürlich sind die Öffnungszeiten der Kasse, wo ich mein Geld holen kann, katastrophal: 8.00-9.00, dann Kaffeepause, 10.30-11.30 offen und am Nachmittag nochmal von 15.00 bis 16.00. Eine Zumutung.
Dann ging ich die letzten Dinge einkaufen, die ich für meine grosse Reise brauche. Das super Pss-Pss-Gel von Fructis gibt's offenbar nicht mehr, aber das ist ja nicht allzu tragisch. Dann kam heraus, dass ich, bevor ich einen Stromadapter kaufe, erst abklären muss, ob meine Geräte die neue Spannung überhaupt aushalten oder ob sie verbrutzeln. Ich will ja weder mein Handy noch meinen iPod umbringen, deswegen schaute ich jetzt zu Hause brav nach - und natürlich ist es weder beim einen noch beim anderen ein Problem. Also muss ich morgen nochmals in den Laden.
Inzwischen schmerzten meine Füsse ziemlich vom vielen Unterwegs-sein, und schlussendlich artete das Combox-Ausschalten bei der Sunrise-Helpline (die mich übrigens wieder dreimal aus der Leitung kickte, bevor ich überhaupt sagen konnte, was ich wollte) zu einem wahrhaften "Wer-wird-Millionär" aus.
ICH: Ich würde gerne meine Combox eine Zeitlang ausser Betrieb setzen. Geht das? FREUNDLICHE DAME: Natürlich. Ich schalte sie gleich aus. ICH: Super, danke! (will mich verabschieden) FD: Könnten Sie mir noch schnell Ihre Telefonnummer sagen? (100-Franken-Frage) ICH: (Erstaunt, dachte, die sehen sie sowieso, wenn ich anrufe) Klar, 079 ... . FD: Danke. Dürfte ich noch Ihren PIN-Code wissen? (200-Franken-Frage) ICH: (zögere) FD: Den originalen von der SIM-Karte. (demfall 500-Franken-Frage) ICH: (überfordert) Keine Ahnung, ich bin unterwegs. FD: Okay... Könnten Sie mir dann bitte Ihr Geburtsdatum nennen? (1000-Franken-Frage) ICH: Natürlich (erleichtert): 25. 11. 1983. FD: Danke. Sagen Sie mir doch noch, wie hoch Ihre letzten beiden Rechnungen waren. ICH: Sie, das weiss ich wirklich nicht auswendig, ich bin unterwegs... FD: (Skeptisch) Wann haben Sie genau das Abo abgeschlossen? ICH: Das müsste im August letzten Jahres gewesen sein. FD: Fast... ICH: (schnell) September. FD: (Aufmunternd) Genau! Können Sie mir zwei Nummern nennen, die Sie häufig anrufen? ICH: (fröhlich) Na klar, 076 ..., und ... hmmm... 078 ... (versuche, die Nummer meiner Schwester rauszukriegen) FD: (schweigt) ICH: Demfall ned, warten Sie... (studier) 062 ... (bringe die Festnetznummer meines Freundes bis auf eine Zahl richtig heraus). FD: Fast. ICH: (erwarte Fragen zu genauem Geburtsgewicht, Konfessionszugehörigkeit, Anzahl Tagen bis zu meiner Diplomprüfung) FD: ...aber okay. Dann schalte ich jetzt die Combox aus. (Musik erklingt, es regnet Silberkonfetti auf mich nieder)
Ich würde selbstverständlich einen Mann wählen, wenn ich einen Tag lang mit einem anderen Menschen tauschen könnte. Und natürlich wäre es interessant, mich mal in meinen Freund hineinversetzen zu können. Andererseits fände ich es total spannend, jemand GANZ anderer zu sein, mich in einer ganz anderen Welt zu bewegen als ich es normalerweise tue. Etwa in der Haut von Korpskommandant Christophe Keckeis, der heute ein Bsüechli bei der rumänischen Armee macht. Aber das ist nicht der Grund, weshalb ich mal mit ihm tauschen möchte.
Am Samstag (noch 3 Mal schlafen :) ) werde ich für knapp zwei Monate nach Kanada fliegen. Um mich von der Schweiz (und von meinem liebsten Menschen hier) würdig zu verabschieden, habe ich das letzte Wochenende im Tessin verbracht. Ein Grossteil der Zeit sassen wir jedoch zwecks An- und Heimreise im Auto, wovon mir vor allem die Fahrten über den Gotthardpass in lebhafter Erinnerung sind.
Am frühen (!!) Samstagmorgen oben angekommen, war ich überwältigt von der Schönheit der Landschaft und dem wunderbar strahlend blauen Himmel über den kalten Seen. Wir haben gemütlich gezmörgelt und ein Fötteli mit General Suworow gemacht. Auf der Rückreise war es leider ziemlich neblig und es nieselte ein wenig, doch auch da gab es spezielle Erlebnisse: Die Gotthardpost etwa, die an uns vorbeifuhr, oder das Pflaster der alten Passstrasse.
(mein erstes Youtube-Video!) Am meisten beeindruckt hat mich (neben meiner Wasserflasche, die sich bei der Fahrt vom Pass nach Göschenen hinunter wegen dem steigenden Luftdruck um fast die Hälfte ihres Volumens zusammenzog!) die Alpenfestung. All die Löcher in den Berghängen, die grün bemalten und als Felsen getarnte Bunker zwischen den Tannen und die seltsamen Tore neben der Strasse. Ich finde das unheimlich spannend. (In Wikipedia steht, dass einige nun als Museen begehbar sind, insofern erübrigt sich das Tauschen mit Herrn Keckeis zu einem gewissen Teil.)
Mit der Zeit haben wir nur noch nach solchen "Verstecken" Ausschau gehalten. Und uns gefragt, was sich alles dahinter versteckt und wie weit die Gänge den Berg aushöhlen. Aber vor allem, ob es sich wirklich nur noch um Überbleibsel des Réduits aus dem 2.Weltkrieg handelt?
Heute mal ein Thema, womit ich mich auf richtig dünnes Eis begebe: Musik. Manchmal schäme ich mich ein wenig für meinen Geschmack diesbezüglich. Denn, ich gebe es hier mal zu, auf meinem iPod hat es - um nur die schlimmsten Musiksünden zu nennen - immer noch einige der alten Backstreet Boys-Schnulzen drauf (aus purer Nostalgie natürlich), ein paar Songs von Christina Aguilera und sogar mehrere vollständige Alben von Robbie Williams (obwohl, ich glaube, den darf man auch gut finden). Mitsingen tu ich natürlich nur zu Hause, doch unterwegs achte ich jeweils darauf, dass man mir nicht aufs Display schauen kann. Man hat ja schliesslich einen Ruf (hüstel) zu verlieren.
Es ist ja schon schlimm: Da gibt es auf der Welt unzählige super Künstler, die sich für ihre Musik ins Zeug legen, tiefgründige Texte schreiben und ihr Instrument total beherrschen - und ich lade mir so doofe Hitparaden-Songs herunter, weil ich zu faul bin, die "guten" Musiker ausfindig zu machen. (Wen ich aber überhaupts nicht mag sind diese Musik-Snobs, die aus Prinzip nur die "Geheimtipps" hören und gegenüber "kommerzieller" Musik total überheblich tun. Denn warum soll es nicht auch unter den erfolgreichen gute Musiker geben?)
Ich bin ja nicht unmusikalisch. Ich kann Klavier spielen, Blockflöte und sogar ganz ganz wenig Gitarre, und singen tu ich auch nicht allzu falsch. Und, was wohl das wichtigste Argument für meine Musikalität ist, ich lasse mich von Musik bewegen. (Das klingt jetzt pathetisch. Naja.) Deswegen heute mal eine Liste von Songs, die zum Weinen bringen. Und zwar nicht schnulzenhaft oder kitschig, sondern die, passend zum Herbstwetter, richtig traurig machen. Frei nach High Fidelity: meine Top Five.
5. Du hast mein Herz geklaut - Thomas D. featuring Nina Hagen
4. Calling All Angels - Lenny Kravitz 3. Autumn Leaves - Eva Cassidy
2. This Love - Craig Armstrong
1. Ne me quitte pas - Edith Piaf
(Wer noch etwas im süssen Weltschmerz schwelgen möchte, soll sich die beiden Alben von Skin oder den Soundtrack zu One Way anhören. Und ja, natürlich habe ich auch eine Top Five Liste der aufmunterndsten Stücke. Weil ich es aber schön finde, vor allem bei diesem Wetter, zwischendurch mal ein wenig traurig zu sein und ein paar Tränen zu vergiessen, stelle ich sie jetzt nicht hier rein. Vielleicht später. Aber wer es gar nicht aushält mit so viel Melancholie, kann sich ja melden.)