Der letzte Donnerstag war ein Erfolgstag. Am Vormittag war im Kunsthaus Zürich Pressekonferenz zur neuen Ausstellung "Dürer.Meisterstiche". Diesmal gab es vorher kein Frühstück (bei der PK zur Alpenausstellung gab es ganz tolles Birchermüesli und Frühstücksteller), es war auch eine kleinere Ausstellung. Zuerst erzählte ein Kunsthistoriker etwas über die Sammlung, aus der die Holzschnitte und Kupferstiche stammen. Danach, und das fand ich sehr gut, machte der Kurator eine kleine Führung und erzählte zu jedem Ausstellungs"kapitel" etwas. Man merkte ihm an, wie begeistert er von den Bildern war; das hat mir gefallen und machte das, was er erzählt hat, gleich noch spannender. Unglaublich, wie diese schwarz-weissen Bilder, die schon ein halbes Jahrtausend alt sind, immer noch faszinieren - ich hätte nie eine so interessante Ausstellung erwartet, weil ich von Dürer eher die realistischen Zeichnungen und Aquarelle kannte, die mehr wissenschaftlich-illustrativ sind. Die Bilder im Kunsthaus waren hingegen sehr fantasievoll, vor allem die Kopfbedeckungen der Menschen haben mir gefallen, weil sie teilweise so märchenhaft waren. Ach ja, es hat bei den meisten Bildern noch so kleine Lupen, durch die man die feinen Striche und die Details im Hintergrund noch etwas grösser anschauen kann. Die PK ging etwa eine Dreiviertelstunde, danach machte ich nochmals einen Rundgang und schaute mir die Bilder noch etwas genauer an.
Wieder zurück im Büro, machte ich mich ans Schreiben. Ich konnte sehr konzentriert arbeiten und war verwundert, als ich fertig war und sah, wie spät es schon war. Wenn ich einen Artikel schreibe, mache ich das normalerweise so: Zuerst tippe ich die Notizen ab, die ich mir vor Ort gemacht habe, und sortiere sie etwas. Meistens kann ich am Computer noch etwas klarer formulieren, was ich mit den Stichworten gemeint habe, so entstehen erste Sätze. An einem dieser provisorischen Sätze "nimmt es mich dann rein", und ich hänge noch einen Satz dran und noch einen. So ist schnell ein ganzer Abschnitt geschrieben. Nach diesem Anfang, den ich meist recht schnell und spontan schreibe, ohne grosses Überlegen, sondern einfach assoziativ, muss ich mich dann wieder distanzieren, damit ich nicht wichtige Dinge vergesse. Ich schreibe mir dann Fragen auf wie "was hat mir gefallen", "was habe ich schlecht gefunden", "was habe ich nicht begriffen", "was muss ich unbedingt sagen (Daten etc.)", "was ist das Ziel der Ausstellung" etc. Wenn ich anhand der Antworten auf diese Fragen dann nicht gleich weiterschreiben kann, mache ich noch die Angaben zu Datum, Ort, Verlag, die am Ende des Artikels stehen müssen, oder suche die Bilder dazu heraus.
Bei grösseren Ausstellungen wie im Kunsthaus Zürich gibt es eine Pressemappe, wo neben Informationen auch eine CD mit Bildern enthalten ist. Meist gibt es dazu auch ein Blatt mit Abbildungen und Legenden, so dass ich ein geeignetes Bild heraussuchen und von der CD auf meinen Computer kopieren kann. (Wenn ich es denn öffnen kann, mein Computer hat da so seine Probleme mit Bild-CDs…) Teilweise sind das riesige Datenmengen, die Dürer-Stiche, die ja im Original nicht grösser als A4 sind, waren teilweise mehr als 40MB schwer! Aber besser zu gross als zu klein, es ist auch schon vorgekommen, dass ich einem Bild hinterherrennen musste, das mir die Verantwortlichen zu klein geschickt haben. Das ausgewählte Bild muss ich in einem speziellen Ordner abspeichern, es wandert dann in die Bilddatenbank, auf die ich vom Intranet aus zugreifen kann. Dort muss das Bild zugeschnitten werden, sobald ich die Koordinaten vom Layout weiss. Dann bearbeitet die Bildredaktion es noch, bevor man es schliesslich in die Seite einfügen kann.
Zurück zum Text. Nachdem ich den provisorisch fertig verfasst habe, drucke ich ihn mal aus. Ich kontrolliere dann, ob ich was vergessen habe, ob ich Sätze begonnen und nicht zu Ende geschrieben habe, oder ob ich gleich Tippfehler finde. Manchmal muss ich noch Übergänge zwischen den einzelnen Abschnitten ergänzen oder ganze Abschnitte austauschen, damit beispielsweise die ganzen Hintergrundinfos nicht alle am Schluss kommen und man nicht fertigliest. Als ich noch zu Hause geschrieben habe, habe ich den Text an diesem Punkt jeweils jemandem zum Gegenlesen gegeben, der keine Ahnung hatte vom Inhalt, der Ausstellung oder dem Künstler. Meist war das meine Mutter, sie hat mir nach dem Lesen gesagt, wo sie nicht drauskam, ob sie sich was vorstellen konnte bei meinen Bildbeschreibungen und ob sie den Text allgemein spannend fand.
Etwas habe ich vergessen zu sagen: Natürlich habe ich Vorgaben, wie lang der Text sein soll. Für einen Unterhänger, also einen kleineren Artikel im unteren Teil der Zeitungsseite, sind das zwischen 2000 und 2500 Zeichen inkl. Leerschläge. Aufhänger sind zwischen 3000 und 4000 Zeichen lang, Frontartikel (auf der ersten Seite des Bundes, z.B. mein UFO-Text vor ein paar Wochen) dürfen auch länger sein. Die Länge muss ich also, sobald ich mal alles hineingeschrieben habe, was ich sagen will, immer wieder überprüfen. Meist sind meine Texte dann entweder ein wenig zu kurz oder viel zu lang. Zweiteres ist ärgerlich - kürzen ist oft schwieriger als noch etwas hinzuzufügen. Da fällt mir ein Satz ein, den ich einmal gehört habe: "Kill your darlings" - streich deine Lieblingssätze. Die Sätze, die man als Autor am tollsten findet, seien oft die, die irgendwie problematisch sind, und die, von denen man sich natürlich am schwersten trennt und von denen dann der ganze restliche Text abhängt. Dieses Prinzip habe ich aber noch nicht ausprobiert.
Nach dem Schreiben der Dürer-Besprechung hatte ich ein gutes Gefühl, dies wurde mir mit einem "sehr schön" von Seiten meiner Vorgesetzten bestätigt. Nur ein paar kleine Korrekturen musste ich noch vornehmen. Tatsächlich ein guter Tag.
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