24. Oktober 2006

Müde bin ich, geh zur Ruh

Heute bin ich zum ersten Mal so richtig müde und erschöpft. Gestern, heute und morgen „muss“ ich jeweils nach Bürofeierabend noch Ausstellungen anschauen gehen und mit den Künstlern sprechen. Gestern dauerte das Ganze viel zu lange. Wie gesagt höre ich lieber zu, als Fragen zu stellen, und das hat bisher meist funktioniert. Gestern war es aber sehr schwierig, dem Künstler was „Gutes“ zu entlocken. Ich konnte mich praktisch nicht vorbereiten, weil ich nirgends Angaben zum Künstler oder zu früheren Ausstellungen gefunden habe. Das Gespräch war, weil ich ohne dieses Vorwissen natürlich viel zu wenig Fragen aufschreiben konnte und der Künstler von sich aus nicht so gesprächig war, immer wieder kurz vor dem Versanden. Ich fragte etwas oder machte eine Bemerkung zu einem Bild, dann kam wieder eine kurze Antwort, Schweigen und schliesslich erzählte er mir dann jeweils, was er bisher so gemacht hatte. Ich habe meine Informationen zusammenbekommen, aber der Aufwand war viel zu gross, nach der ersten Viertelstunde hätte ich eigentlich gehen können. Ich schwor mir, solche Gespräche in Zukunft gut vorzubereiten und selbst in die Hand zu nehmen, wie lange ich bleibe und geduldig auf Antworten warte.

Das Gespräch heute war um einiges besser. Ich sprach mit zwei Künstlerinnen, Ilona Rue.gg und Lisa Hoe.ver, wir machten einen Rundgang durch die Ausstellung und sie erzählten mir was zu den Werken. Auf dieses Treffen habe ich mich gut vorbereitet, die Presse-CD mit Bildern und Biografien lag schon seit zwei Wochen auf meinem Tisch, im aktuellen Kunst-Bulletin war zu beiden ein Artikel zu lesen, und im Internet fand ich auch einiges Material über die bisherige Arbeit der beiden Frauen. Zudem waren noch ein Schriftsteller, der am Wochenende in der Ausstellung eine Veranstaltung leiten wird, und die Galeristin anwesend, die ab und zu ebenfalls Inputs gaben. Nach dem Rundgang schaute ich mir die Sachen nochmals an und machte mir Notizen. Das Ganze dauerte eine gute Stunde.














links: Lisa Hoe.ver, Aquarell (http://www.friedr.artgalleries.ch)
rechts: Montage aus zwei Arbeiten von Ilona Rue.gg und Lisa Hoe.ver, (Trudelhaus Einladungskarte)

Ich bin gespannt, wie das morgige Gespräch laufen wird. Vor eineinhalb Wochen habe ich bereits für das Ausgehmagazin der AZ, das LIVE, eine Vorschau auf die Ausstellung geschrieben, und weiss deshalb ungefähr, was mich erwartet. Der Nachteil dieser Vorbereitung ist, dass ich die Fragen, die auftauchten, bereits gestellt habe und mir die Künstler sie per Mail beantwortet haben. Morgen werde ich also einfach die Werke (Videoinstallationen) „live“ sehen, allerdings nehme ich nicht an, dass das so lange dauern wird. Ein Punkt ist noch, dass ich wahrscheinlich Französisch sprechen muss, da die Künstler aus Genf kommen. Ich höre und spreche sehr gerne Französisch, bin also gespannt.

Ach ja – heute hatte ich meinen ersten „Dienst“, war also verantwortlich für die Produktion der beiden Kulturseiten. Ich glaube, schlecht habe ich es nicht gemacht, habe aber bisher kein Feedback bekommen. Die Seiten waren aber recht bald fertig und bereit zum Abgeben. Natürlich stelle ich noch viele Fragen und „stürme“ bei Christian und Sabine, doch grundsätzlich kann ich die Aufgaben schon ziemlich selbständig bewältigen. Etwas Bammel hatte ich vor der Redaktionssitzung, da geht alles so schnell und alle ausser mir wissen genau, wovon gesprochen wird, doch auch das lief gut. Von diesen Sitzungen erzähle ich mal separat.


Das war jetzt wohl nicht so interessant – kein Wunder, ich bin wirklich total müde. Ab in die Heia.

19. Oktober 2006

--Kommentare--

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Bitte lächeln

In letzter Zeit kam es häufig vor, dass ich am Morgen ins Büro kam und noch nicht genau wusste, was ich zu tun habe. Ich habe dann meistens bei der Produktion mitgeholfen. Produktion heisst, wie ich schon angetönt habe, Texte gegengelesen, kürzen, die Anführungszeichen, deutschen Doppel-S und Gedankenstriche an unsere Vorgaben anpassen, Hinweise zur Ausstellung, zum Buch, der CD oder dem Theater in die richtige Reihenfolge und Form bringen, Schreibfehler provisorisch korrigieren (die ganzen Texte werden vor dem Druck eh nochmals von Lektoren gelesen) und Titel (er-)setzen. Mit dem Layouter die Seiten anschauen, was wohin kommt, wie lange die Texte und wie gross die Bilder sind und so weiter. Manchmal konnte ich auch die "aktuell"-Spalte machen, was bedeutet, dass ich ständig die Agenturmeldungen lesen muss, ob noch was Interessantes reinkommt, was wir bringen müssen. Ob jemand einen wichtigen Preis kriegt, eine wichtige Person gestorben ist oder ähnliches. Diese Meldungen muss ich dann auf einige Sätze zusammenkürzen, damit ungefähr drei oder vier davon in die entsprechende Spalte passen.

Es ist sowieso enorm, wie viel vom Zeitungsinhalt vom Platz abhängt. Die ganzen Texte müssen genau in die Felder passen, es darf keine "Hurenkinder" geben, also die Schlusszeile eines Abschnittes, die als einzige in einer neuen Spalte steht, oder ein "Schusterjunge", das ist das umgekehrte, wenn die erste Zeile eines Abschnittes in der einen und der restliche Abschnitt in der anderen Spalte steht. Die ganzen Titel müssen eine "schöne" Länge haben, also bis über die letzte Spalte des Textes reichen, und die Untertitel müssen möglichst genau die entsprechenden Zeilen füllen. Da steht die Form dem Inhalt gleich, ein Titel, der super klingt oder das Thema toll anschneidet, wird ersetzt, wenn er nicht in die Zeilenlänge passt. Das selbe bei den Bildlegenden. Die müssen von der Länge her genau stimmen, dass der Bildnachweis (z.B. "Keystone") nicht allein auf einer Zeile ist und noch reinpasst.

An Tagen wie heute, wo ich selbst keinen Text zu schreiben habe, sitze ich also da und muss auf Arbeit warten, die mir von dem, der Dienst hat, zugeteilt wird. Andererseits habe ich hinter mir im Regal einige Bücher stehen, die sich zur Besprechung eignen, und die sozusagen meine "Reservearbeit" darstellen. Heute habe ich beschlossen, anders zu arbeiten: Ich mache mir eine Liste von Dingen, die ich gerne machen möchte oder die ich machen muss. Heute sind das: ein Interview mit einer Künstlerin im neuen Kunstbulletin lesen, die ich nächste Woche treffen werde. Als zweites lese ich eine Rezension des Theaterstückes, das ich mir morgen anschauen werde und von dem ich noch keine Ahnung habe. Dann rufe ich eine Tanzartistin an, die ich gerne treffen würde, und vereinbare mit ihr einen Termin. Zuletzt kann ich die Buchbesprechung, die ich gestern geschrieben habe, nochmals anschauen. So habe ich einen Plan, und mache nicht einfach das Nächstbeste. Je nachdem kommt noch was dazu oder dazwischen.

Gestern und vorgestern war ich auf der Auftaktseite des Foyers :) das eine Mal wurde ich fotografiert und mein Mund diente zusammen mit diversen weiteren Mündern als Illustration eines Artikels über ein Lachseminar. Das zweite Mal war es mein UFO-Artikel, der die ganze Seite füllte. Gestern früh stieg ich noch im Halbschlaf in den Zug, die Frau gegenüber las die AZ, und als sie nach einiger Zeit die Seite umblätterte, sah ich, dass sie soeben meinen Text gelesen hatte. Das ist schon ein tolles Gefühl, wenn man merkt, dass es die Leute interessiert, was man schreibt, dass man ihnen etwas erzählen kann, was sie spannend finden.

Übrigens war die Sache mit dem Lachen schon das dritte Mal, dass ich im Zusammenhang mit der AZ als Fotomodell herhalten musste, das gehört offenbar zum Job: beim Besuch der Alpenausstellung im Kunsthaus Zürich war mit den ganzen Journalisten natürlich auch ein Fotograf anwesend, der mich irgendwann bat, doch schnell "vor das Bild da zu stehen". Ich weiss gar nicht, ob ich das Foto hier hineinkopieren darf. Wohl nicht, es ist ja nicht öffentlich, sondern von Keystone im Foto-Abonnement in die AZ-Datenbank gestellt worden. Einen Tag später wurde ich für eine "10-Jahre-AZ"-Spezialbeilage fotografiert, wie ich vor dem Kantonsspital Baden sitze und Zeitung lese. Offenbar mussten alle RedaktorInnen für ein Porträtfoto hinhalten, das ist mir allerdings (bisher?) erspart geblieben.

Hm, noch nicht mal Mittag, und der Akku von meinem iPod ist schon fast leer…

13. Oktober 2006

Zweiter Anlauf...

... und wieder ein lausiger Wochenstart. Unsere geliebte Katze Minouche musste am Montag eingeschläfert werden.

Ich bin süchtig nach Zeitschriften. Nachdem ich NEON verschlungen habe, habe ich die Weltwoche wieder abonniert. Mir am Kiosk GALORE geholt. Und warte sehnlichst darauf, dass das neue InStyle erscheint. Doch was gab es auf den rund 13 Stunden Zugfahrt, die ich diese Woche hinter mich brachte, auch anderes zu tun!

Natürlich dauert mein normaler Arbeitsweg nicht so lange. Doch Dienstag/Mittwoch unternahm ich meine erste Pressereise. Es ging nach München, um mir ein Musical anzusehen, das im Februar in die Schweiz kommt. "Bharati" - bunt, laut und indisch. Mehr dazu wird in meinem Artikel, der erst Anfang des nächsten Jahres erscheint, zu lesen sein.

Mit sechs weiteren PressevertreterInnen und dem Promotionstypen fuhr ich also am Dienstag nachmittag nach München. Dort angekommen, gings sofort weiter zur Olympiahalle zu einem Interview mit den beiden Hauptdarstellern. Wir hatten nur mit der Tänzerin gerechnet, der wunderschöne Mann, der mit ihr eintrat, brachte uns also alle ganz aus dem Konzept :) Spass beiseite - normalerweise höre ich lieber zu, als selbst Fragen zu stellen, und war deshalb froh, den beiden nicht alleine gegenüber zu sitzen. Trotzdem hatte ich ein gutes Gefühl nach dem Gespräch, ich glaube, ich habe doch einigermassen interessante Fragen gestellt. Und ich habe auch einmal mehr gemerkt, wie wichtig Augenkontakt zu der befragten Person ist. Während die anderen konzentriert Notizen machten, habe ich mir Mühe gegeben, aufmerksam zuzuhören, und mir nur wenig aufgeschrieben. Dafür hatte ich den Eindruck, dass wirklich eine Art Gespräch zustande kam und die beiden nicht das Gefühl hatten, nur fürs Protokoll zu sprechen.

Danach waren wir zum Abendessen eingeladen. Und nicht etwa zur nächstbesten Dönerbude, sondern ins exklusive Drehrestaurant im Olympiaturm. Auf 181 Metern Höhe - eine wunderschöne Aussicht, München während der Dämmerung und schliesslich by Night. Ich habe rosa gebratenen Lammrücken mit Ratatouille und mediterranem Polentastrudel gespiesen. Mmmh - nicht zu vergessen den Prosecco mit Pfirsichmark zum Aperitiv, serviert von einer unglaublich freundlichen Blondine (Sie erinnerte mich stark an Ute Ohoven).

Nach der Show gabs noch einen grünen Tee in der Bierhalle Zum Franziskaner, später noch eine kleine Sektparty im Hotel, wobei der Prosecco aus der Minibar mit dem im Restaurant nicht zu vergleichen war. Naja. Ich hatte ein tolles (für mich, andere Leute hatten offenbar andere Ansprüche) Einzelzimmer mit grossem Bad in einem 4*Hotel, habe super geschlafen, am anderen Morgen gingen wir noch ein bisschen in die Stadt, wieder in eine Bierhalle, diesmal für eine heisse Schokolade. Ich war ein wenig erkältet - und Bier mag ich zwar schon, aber am Morgen...

(Juhuu- das neue Filme und so ist runtergeladen! also nur noch kurz...)

Heute war ich an einer UFO-Ausstellung im Photoforum PasquArt in Biel. Empfehlenswert - nach der total überladenen Ausstellung "In den Alpen" im Kunsthaus Zürich, die ich letzte Woche gesehen habe, eine Wohltat an guter Bildauswahl, klarem Konzept und Beschränkung auf das Wesentliche!











links: Peter Koehl, Das Mietshaus, 2005
rechts: Alexandre Calame, Das Rosenlauital mit dem Wetterhorn, 1856

7. Oktober 2006

Auf der Suche nach dem Apfel

Puh - schon ist meine erste Woche als Praktikantin bei der Aargauer Zeitung vorbei. Das ging ja schnell, und ich habe das Gefühl, schon viel länger als nur fünf Tage dort zu arbeiten. Damit ich mir nach den fünf Monaten, die mein Praktikum dort dauert, nicht die Augen reibe und mich frage, was ich überhaupt in dieser Zeit alles gemacht habe, habe ich beschlossen, eine Art Tagebuch zu führen. Und damit auch andere was davon haben, stelle ich es als Blog ins Netz – voilà.


Die Woche begann turbulent – natürlich konnte ich in der Nacht auf Montag kaum schlafen, ich war zwar nicht kribbelig nervös, aber trotzdem liefen meine Gedanken auf Hochtouren. Leider musste ich am Morgen, eine halbe Stunde bevor ich mich auf den Weg nach Baden machte, von einem Todesfall in der Verwandtschaft erfahren. So trat ich meine neue Stelle mit einem lachenden und einem weinenden Auge an.

Stapelweise Zeitschriften, Zeitungen, Bücher und CDs waren mein erster Eindruck vom Grossraumbüro der Foyer-Redaktion (das Foyer ist der Kultur- und Gesellschaftsbund der AZ). Der zweite waren die sympathischen Mitarbeiter, die mir unter den Namen ihrer Ressorts wie „Lifestyle“, „Musik“ und „Literatur“ vorgestellt wurden. Mein Arbeitsplatz befindet sich am Fenster, ich blicke durch das Laub der Buche draussen auf eine belebte Kreuzung.

Mein wichtigstes Arbeitsinstrument hiess mich mit Fehlermeldungen herzlich willkommen. Das erste Telefon von meinem Platz aus ging also an die EDV-Abteilung, die den Computer mit dem fehlenden Programm-Set fütterte. Überhaupt war der erste Tag gekennzeichnet von der Umgewöhnung von meinem Mac auf PC. Mehrmals stutzte ich, als beim Drücken von F11 nicht das Desktop erschien oder ich erfolglos die Apfel-Taste suchte. Natürlich muss ich noch erwähnen, dass die Programme und der Computer allgemein länger zum Aufstarten brauchen als bei Mac =’). Mittlerweile habe ich aber festgestellt, dass einige Tastenkombinationen durchaus auch bei PC funktionieren und dass das Arbeiten mit Windows auch unproblematisch sein kann.

Gleich nach der Lösung des PC-Problems kriegte ich meinen ersten Job zugeteilt. Ich sollte einen Artikel lesen, Schreibfehler korrigieren und überflüssige Wörter streichen, damit der Übersatz (was zuviel ist) wegfiel und der Text in den dafür vorgesehenen Raum passte. Nun tat ich also das, wofür ich jeweils die Redaktoren verwünschte, wenn ich beim Zeitunglesen sah, dass ein Satz in meinem Artikel nicht abgedruckt worden war oder sogar, was einmal vorkam, der gesamte letzte Abschnitt fehlte, obwohl ich die Zeichenanzahl eingehalten hatte. Bei einem Interview mit "Juli" musste ich beinahe die Hälfte der Fragen und Antworten löschen. Dazu kam eine Arbeit, bei der ich eigentlich immer eher Mühe habe: Titel setzen. Bei den meisten Artikeln fehlt der Titel oder ist zu kurz und sieht deshalb im Layout unschön aus. Nach den ersten Anlaufschwierigkeiten fiel mir diese Aufgabe aber gar nicht mehr so schwer.

Was (m)ich in den ersten Tagen sonst noch so erledigte, wie ein Zmittag auf der Redaktion aussieht und was es für ein Gefühl ist, zu wissen, was morgen in der Zeitung steht - dazu ein andermal.