19. Oktober 2006

Bitte lächeln

In letzter Zeit kam es häufig vor, dass ich am Morgen ins Büro kam und noch nicht genau wusste, was ich zu tun habe. Ich habe dann meistens bei der Produktion mitgeholfen. Produktion heisst, wie ich schon angetönt habe, Texte gegengelesen, kürzen, die Anführungszeichen, deutschen Doppel-S und Gedankenstriche an unsere Vorgaben anpassen, Hinweise zur Ausstellung, zum Buch, der CD oder dem Theater in die richtige Reihenfolge und Form bringen, Schreibfehler provisorisch korrigieren (die ganzen Texte werden vor dem Druck eh nochmals von Lektoren gelesen) und Titel (er-)setzen. Mit dem Layouter die Seiten anschauen, was wohin kommt, wie lange die Texte und wie gross die Bilder sind und so weiter. Manchmal konnte ich auch die "aktuell"-Spalte machen, was bedeutet, dass ich ständig die Agenturmeldungen lesen muss, ob noch was Interessantes reinkommt, was wir bringen müssen. Ob jemand einen wichtigen Preis kriegt, eine wichtige Person gestorben ist oder ähnliches. Diese Meldungen muss ich dann auf einige Sätze zusammenkürzen, damit ungefähr drei oder vier davon in die entsprechende Spalte passen.

Es ist sowieso enorm, wie viel vom Zeitungsinhalt vom Platz abhängt. Die ganzen Texte müssen genau in die Felder passen, es darf keine "Hurenkinder" geben, also die Schlusszeile eines Abschnittes, die als einzige in einer neuen Spalte steht, oder ein "Schusterjunge", das ist das umgekehrte, wenn die erste Zeile eines Abschnittes in der einen und der restliche Abschnitt in der anderen Spalte steht. Die ganzen Titel müssen eine "schöne" Länge haben, also bis über die letzte Spalte des Textes reichen, und die Untertitel müssen möglichst genau die entsprechenden Zeilen füllen. Da steht die Form dem Inhalt gleich, ein Titel, der super klingt oder das Thema toll anschneidet, wird ersetzt, wenn er nicht in die Zeilenlänge passt. Das selbe bei den Bildlegenden. Die müssen von der Länge her genau stimmen, dass der Bildnachweis (z.B. "Keystone") nicht allein auf einer Zeile ist und noch reinpasst.

An Tagen wie heute, wo ich selbst keinen Text zu schreiben habe, sitze ich also da und muss auf Arbeit warten, die mir von dem, der Dienst hat, zugeteilt wird. Andererseits habe ich hinter mir im Regal einige Bücher stehen, die sich zur Besprechung eignen, und die sozusagen meine "Reservearbeit" darstellen. Heute habe ich beschlossen, anders zu arbeiten: Ich mache mir eine Liste von Dingen, die ich gerne machen möchte oder die ich machen muss. Heute sind das: ein Interview mit einer Künstlerin im neuen Kunstbulletin lesen, die ich nächste Woche treffen werde. Als zweites lese ich eine Rezension des Theaterstückes, das ich mir morgen anschauen werde und von dem ich noch keine Ahnung habe. Dann rufe ich eine Tanzartistin an, die ich gerne treffen würde, und vereinbare mit ihr einen Termin. Zuletzt kann ich die Buchbesprechung, die ich gestern geschrieben habe, nochmals anschauen. So habe ich einen Plan, und mache nicht einfach das Nächstbeste. Je nachdem kommt noch was dazu oder dazwischen.

Gestern und vorgestern war ich auf der Auftaktseite des Foyers :) das eine Mal wurde ich fotografiert und mein Mund diente zusammen mit diversen weiteren Mündern als Illustration eines Artikels über ein Lachseminar. Das zweite Mal war es mein UFO-Artikel, der die ganze Seite füllte. Gestern früh stieg ich noch im Halbschlaf in den Zug, die Frau gegenüber las die AZ, und als sie nach einiger Zeit die Seite umblätterte, sah ich, dass sie soeben meinen Text gelesen hatte. Das ist schon ein tolles Gefühl, wenn man merkt, dass es die Leute interessiert, was man schreibt, dass man ihnen etwas erzählen kann, was sie spannend finden.

Übrigens war die Sache mit dem Lachen schon das dritte Mal, dass ich im Zusammenhang mit der AZ als Fotomodell herhalten musste, das gehört offenbar zum Job: beim Besuch der Alpenausstellung im Kunsthaus Zürich war mit den ganzen Journalisten natürlich auch ein Fotograf anwesend, der mich irgendwann bat, doch schnell "vor das Bild da zu stehen". Ich weiss gar nicht, ob ich das Foto hier hineinkopieren darf. Wohl nicht, es ist ja nicht öffentlich, sondern von Keystone im Foto-Abonnement in die AZ-Datenbank gestellt worden. Einen Tag später wurde ich für eine "10-Jahre-AZ"-Spezialbeilage fotografiert, wie ich vor dem Kantonsspital Baden sitze und Zeitung lese. Offenbar mussten alle RedaktorInnen für ein Porträtfoto hinhalten, das ist mir allerdings (bisher?) erspart geblieben.

Hm, noch nicht mal Mittag, und der Akku von meinem iPod ist schon fast leer…

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

hoi Mü...
hatte ich schon die Gelegenheit dich als Model zu sehen oder erscheinen die Bilder erst irgendwann?
In welchen Nummern könnte ich dich finden?¨
... Also ich freue mich über deine Eigeninitiative bei der Gestaltung der Arbeit. Es wirkt professionell!

hdl
m