21. Mai 2007

Violette Tage

Heute ist wieder einmal ein violetter Tag. Ich erwache und muss beim Gedanken daran, mich in 20 Minuten aus dem warmen Bett schälen zu müssen, beinahe weinen. Es fühlt sich an, als ob mein inneres Ich noch zusammengerollt irgendwo in der Körperhülle liegen würde, als ob ich den Körper zuerst anziehen müsste. Ich mag die Kontaktlinsen nicht einsetzen, weil meine Augen noch zu klein dafür sind und es schmerzen würde. Es gibt die schwarzen Tage, an denen ich, um die Bettwärme so lange wie möglich mit mir herumzutragen, mein I-aah-T-Shirt, weite, weiche Jeans und mein graues Faserpelzjäckli anziehen würde und wünsche, es wäre schon sechs Uhr abends und ich könnte mich mit dem Weltwoche-Kreuzworträtsel in die Badewanne legen.

An violetten Tagen hingegen ist es mir nicht ganz so egal, wie ich herumlaufe, deswegen versuche ich, etwas für einen Tag zwischen Wow! und Augen-zu-und-durch-aus meinem Schrank zu wühlen. Meist sind diese Kleider dann violett (schön dunkel und doch nicht schwarz, denn schwarz ist elegant, angriffslustig, oder aber langweilig, und all das will ich an Violett-Tagen nicht sein) und glitzern mehr oder weniger (wahrscheinlich bewirken ein Goldschimmer oder ein paar bunte Steinchen, dass ich an Weihnachten und Kerzenschein denke und deshalb meine, das Kleidungsstück gebe schön warm). Schuhe mit hohem Absatz sind an Violett-Tagen tabu, denn das Outfit soll möglichst bequem sein.

Wenn ich es an solchen Tagen schaffe, aufzustehen und mich nicht gleich wieder ins Bett zu legen, ist die halbe Miete bereits bezahlt. Ich dusche, ziehe mich an, fahre zur Arbeit. Obwohl sie anfangs schmerzen, jucken und drücken, sind violette Tage gar nicht so schlimm. Nichts, was sich nicht auf dem Arbeitsweg mit etwas Musik retten liesse.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

das ist interessant.
Meine Tage sind dann eher bordeaux. Aber es wäre mal auszuprobieren, ob violett nicht eher die Lebensgeister zu wecken vermöchte ...

ma

Anonym hat gesagt…

weder emol hesches du gschafft, es thema ofs papier brenge, wos get ond jede kennt, aber no nie öpper dröber gschrebe het... bewondernswärt *hutzieh*

suzette