
Soeben habe ich den Anfang des neuesten Posts der Redneck Mommy gelesen: "I was never a girly girl." Und wie jedesmal, wenn eine Frau das sagt, fühle ich mich in die Defensive gedrängt. Es ist nämlich unglaublich cool, wenn ein Mädchen früher lieber auf Bäume kletterte, mit Jungs spielte, Autos lieber mochte als Puppen und seine Zeit lieber mit Fussball als mit Mutter-Vater-Kind-spielen verbrachte. Meinen alle. Ich nicht.
Denn so war ich nie, und ich stehe dazu. (Ich bin übrigens, apropos, ein Weichei und manchmal ein Jömmerli - das finde ich zwar nicht gut, aber auch dazu stehe ich.) Ich spielte im Kindergarten jeden Tag mit meiner besten Freundin Sofie Prinzessin, je mehr Rüschenkleider und Schmuck uns meine Mutter dafür gab, desto besser. Jungs brauchten wir nur für die Märchenhochzeit-Szenen, und da konnte auch mein Bruder hinhalten. Ich war ängstlich und - das bin ich immer noch - schüchtern. Ich trug Lackschuhe, Kleidchen in Pastellfarben und hatte immer langes Haar. Wenn ich mir beim Spielen wehtat, war ich nie ein stolzer Indianer, sondern immer ein verletztes, den Tränen nahes Mächen. Ich mag Glitzersachen. Jedesmal, wenn der Ackermann-Katalog bei uns eintrudelte, sah ich nach, ab welcher Schuhgrösse es Pumps gab und ärgerte mich, dass meine Füsse immer noch keine 36 erreichten. Und der Prinz aus Disney's "Dornröschen" war im Alter von 5 Jahren mein absoluter Traummann.
Und trotzdem - oder vielleicht gerade deswegen: ich würde mich heute durchaus als feministisch eingestellt bezeichnen. Denn Jungs sind nicht cooler als Mädchen. Gut, cooler vielleicht schon, aber nicht besser. Und deshalb finde ich es unsinnig, damit anzugeben, dass man früher immer "en halbe Bueb" war.
Nächstes Mal: Ich finde Tokyo Hotel gar nicht mal so schlecht.