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17. Juli 2012
Die nächste Generation.
*Scroll down for English.
Am gleichen Tag, an dem ihr neuntes Kind geboren wurde, verlor eine Mutter in einem der umliegenden Dörfer vorletzte Woche ihr zweitjüngstes.
Ich hatte den einjährigen Buben nicht gekannt, doch dass es sterben musste, machte auch mich wütend und traurig. Der Kleine starb an Durchfall. Dagegen gäbe es Medikamente, doch die Familie hatte kein Geld, um ins Spital zu fahren - wahrscheinlich hätte die Behandlung um die 100.000 Kip gekostet (rund 12 Franken). Normalerweise fragen Leute, die wir kennen, weil wir hin und wieder ihre Dorfkirchen besuchen, ihren Pfarrer um Hilfe, der wiederum seine Falang-Bekannten hier in Paksé um Geld bittet. Es wäre kein Problem gewesen, dem Kind Medikamente zu ermöglichen - doch irgendwo hat die Hilfekette diesmal geklemmt.
"Ich verstehe nicht, warum ich immer gleich wieder schwanger werde", sagte die Mutter bei einem der Besuche unseres Teams. Nach der Geburt setzen sich die Frauen über ein Feuer, über Wochen, so lange sie die Hitze aushalten. Offenbar soll das den Körper entgiften und die Heilung beschleunigen. Naturheilkunde hin oder her, Verhütung gibts in den ländlichen Gegenden von Laos keine. Laut meinen Team-Kolleginnen wissen die Leute wenig Bescheid über körperliche Vorgänge und so verwundert es nicht, dass Familien oft acht bis zehn Kinder haben. Und so auch kein Geld haben, um bei medizinischen Notfällen ins Spital zu fahren. Ärzte gibts in den Dörfern keine. Je nach Religion wird bei Krankheit ein Wasserbüffel oder ein Hahn geopfert, anstatt Geld für medizinische Hilfe auszugeben. Was natürlich nichts hilft - aber das ist nochmals eine andere Geschichte.
Am Sonntag besuchten wir ein anderes Dorf und spielten und sangen mit den Kindern. Sie sind so herzig, ihr Lachen so hell und fröhlich. Ich wünsche ihnen allen das Beste - und bete, dass der medizinische Fortschritt bald die Dörfer erreicht.
Die Bilder stammen von verschiedenen Besuchen in Dörfern im Süden von Laos.
On the same day her ninth child was born, a mother in one of the villages near Paksé lost her second youngest.
I didn't know the one-year-old boy, but that he had to die made me sad and angry. The little one died from dysenteria. There is medicine against that, but the family didn't have enough money to bring him to the hospital - even if the treatment would have probably not cost more than 100.000 or 200.000 kip (12 - 25 $). Usually people from the villages that we know because we visit their churches every once in a while ask their pastor for help, and he asks his falang friends in Paksé to give him money. It would have been no problem to buy the kid medicine - but somewhere along the way the chain of help didn't work.
"I don't know why I always get pregnant right after giving birth", the mother said when some of our team visited the village some time ago. After delivering a baby the women have to sit over a fire for weeks, as long as they can stand it, apparently it helps to clean and heal the body. But they know nothing about contraception in the rural areas of Laos, and if they do, my co-workers told me, they can't afford it. No wonder families often have eight to ten kids. And no wonder they can't afford to go to the hospital if one of them falls sick. There are no doctors in the villages. And depending on the religion of the family, they sacrifice a water buffalo or a chicken instead of seeking medical help - which costs money as well but doesn't help them in the least, but that's an entirely different story.
Last Sunday we visited another village, played games and sang songs with the kids. They're so cute, their laughter so happy. I wish them all the best - and I pray that health care reaches their villages soon.
The pictures were taken during several visits of villages in the south of Laos.
18. September 2008
ICH BIN JUNG, HOLT MICH HIER RAUS!
"Mädchen wollen immer Mädchen haben." Jepp. Aber am liebsten gar keine Kinder. Uäääh.
Mann, warum will eigentlich niemand mit mir ausgehen? "Böööh müde", "nöö, muss früh ins Bett", "och nein, nicht tanzen". Bitte meldet euch. Ich schlafe ja auch für mein Leben gerne. Aber ICH WILL ENDLICH - ENDLICH! - MAL WIEDER AUSGEHEN. Und wenn das morgen doch nichts wird, werde ich voll hässig imfall.
Mann, warum will eigentlich niemand mit mir ausgehen? "Böööh müde", "nöö, muss früh ins Bett", "och nein, nicht tanzen". Bitte meldet euch. Ich schlafe ja auch für mein Leben gerne. Aber ICH WILL ENDLICH - ENDLICH! - MAL WIEDER AUSGEHEN. Und wenn das morgen doch nichts wird, werde ich voll hässig imfall.
28. Februar 2008
'achnöwe!!
Kann man mit einem knapp dreijährigen Kind ornithologische Gespräche führen? Ja, man kann, vorausgesetzt man ist eine sehr vogelbewanderte Oma und der Enkel heisst Leonard (das kann ja kein dummes Kind sein).
Anfangs verlief das Gespräch, das ich im Zug aus dem Nebenabteil mitverfolgte, noch sehr normal. Die Oma nahm aus einem blauen Beutel kleine Plüschtiere, der kleine Leonard (sie nannte ihn weder Leo noch Lenny) strahlte übers ganze Gesicht und benannte die Tierchen. "Iiiiigel!!!" schrie er durch den ganzen Wagen, oder " 'atte!!!", zog an der kleinen Knautschnase des Igelchens und am Schwanz der Ratte. Dann wurde es komplizierter.
"puchadlo", sagte er, etwas leiser, und ich schaute hinüber. Irgend ein Vogel, ein Geier oder so. "Pfüüü-pfüüü" machte der kleine Leonard, hielt das Plüschtier an den Flügeln und flog mit ihm durchs Abteil. "Wiis-chopf-see-ad-ler", erklärte die Oma, schööön laangsaam. "puchadlo", sagte Leonard. "Adler" hätte mir als Dreijähriger ja als Bezeichnung für so einen Vogel gereicht, aber naja - ich schaute wieder zum Fenster heraus, bis plötzlich ein Geschrei losging. " 'achnöwe!!!" rief Klein-Lenny, worauf seine Oma berichtigte: "Nei, Leonard, das isch kei Lachmöwe. Das isch e Mittelmeermöwe." - " 'achnöwe!!!!", kam es lauter. "Nei, Leonard, Lachmöwe händ im Sommer en schwarze Tupf do (zeigt auf Schwanz des Plüschtieres) und ganz en schwarze Chopf." - " 'ACHNÖWE!!!" Wow. Andere Kinder ziehen Katzen am Schwanz und streiten sich um das Lieblingsspielzeug.
Und weils grad passt, eine Ode an die lieben Bus- und Bahnangestellten: Ursprünglich war ich ja der Meinung, sie wären alle abgrundtief verbittert und böse. Mehr als einmal ist mir der Bus vor der Nase weggefahren, obwohl ich an die Scheibe gleich beim Chauffeur klopfte. Nicht heute: Ich lief auf den Bus zu, dieser fuhr schon an, der Fahrer öffnete die Türen nochmal für mich und lächelte mich sogar ganz nett an. DANKE! Aber noch unglaublicher ist, was mir letzte Woche passiert ist: Mein Portemonnaie ist kaputt, das Münzfach ist an der Aussenseite aufgerissen und deshalb purzelt mir ständig Geld raus, wenn ich nicht täglich ein neues Chläbi über der Naht fixiere. So wollte ich also frühmorgens mein GA zeigen, holte schwungvoll das Portemonnaie aus der Tasche und verstreute mein ganzes Münz im Zug. Was tat der liebe Kontrolleur? Er setzte sich mir gegenüber hin, meinte "kommen Sie in einem Jahr wieder vorbei, um zu sehen obs gewachsen ist", lacht, bückt sich und klaubt ein Zwänzgi nach dem anderen vom Boden auf. Ich (baff): "Sie, ich kann mich schon selber bücken - das ist doch nicht Ihr Job", er: "Sie können ja dann noch das unter Ihrem Sitz auflesen, da komme ich nicht hin", gibt mir mein Geld, steht auf und wünscht mir einen schönen Tag. Wow.
Anfangs verlief das Gespräch, das ich im Zug aus dem Nebenabteil mitverfolgte, noch sehr normal. Die Oma nahm aus einem blauen Beutel kleine Plüschtiere, der kleine Leonard (sie nannte ihn weder Leo noch Lenny) strahlte übers ganze Gesicht und benannte die Tierchen. "Iiiiigel!!!" schrie er durch den ganzen Wagen, oder " 'atte!!!", zog an der kleinen Knautschnase des Igelchens und am Schwanz der Ratte. Dann wurde es komplizierter.
"puchadlo", sagte er, etwas leiser, und ich schaute hinüber. Irgend ein Vogel, ein Geier oder so. "Pfüüü-pfüüü" machte der kleine Leonard, hielt das Plüschtier an den Flügeln und flog mit ihm durchs Abteil. "Wiis-chopf-see-ad-ler", erklärte die Oma, schööön laangsaam. "puchadlo", sagte Leonard. "Adler" hätte mir als Dreijähriger ja als Bezeichnung für so einen Vogel gereicht, aber naja - ich schaute wieder zum Fenster heraus, bis plötzlich ein Geschrei losging. " 'achnöwe!!!" rief Klein-Lenny, worauf seine Oma berichtigte: "Nei, Leonard, das isch kei Lachmöwe. Das isch e Mittelmeermöwe." - " 'achnöwe!!!!", kam es lauter. "Nei, Leonard, Lachmöwe händ im Sommer en schwarze Tupf do (zeigt auf Schwanz des Plüschtieres) und ganz en schwarze Chopf." - " 'ACHNÖWE!!!" Wow. Andere Kinder ziehen Katzen am Schwanz und streiten sich um das Lieblingsspielzeug.
Und weils grad passt, eine Ode an die lieben Bus- und Bahnangestellten: Ursprünglich war ich ja der Meinung, sie wären alle abgrundtief verbittert und böse. Mehr als einmal ist mir der Bus vor der Nase weggefahren, obwohl ich an die Scheibe gleich beim Chauffeur klopfte. Nicht heute: Ich lief auf den Bus zu, dieser fuhr schon an, der Fahrer öffnete die Türen nochmal für mich und lächelte mich sogar ganz nett an. DANKE! Aber noch unglaublicher ist, was mir letzte Woche passiert ist: Mein Portemonnaie ist kaputt, das Münzfach ist an der Aussenseite aufgerissen und deshalb purzelt mir ständig Geld raus, wenn ich nicht täglich ein neues Chläbi über der Naht fixiere. So wollte ich also frühmorgens mein GA zeigen, holte schwungvoll das Portemonnaie aus der Tasche und verstreute mein ganzes Münz im Zug. Was tat der liebe Kontrolleur? Er setzte sich mir gegenüber hin, meinte "kommen Sie in einem Jahr wieder vorbei, um zu sehen obs gewachsen ist", lacht, bückt sich und klaubt ein Zwänzgi nach dem anderen vom Boden auf. Ich (baff): "Sie, ich kann mich schon selber bücken - das ist doch nicht Ihr Job", er: "Sie können ja dann noch das unter Ihrem Sitz auflesen, da komme ich nicht hin", gibt mir mein Geld, steht auf und wünscht mir einen schönen Tag. Wow.
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