Es ist dunkel, doch das Scheinwerferlicht des Pick-Up-Trucks lässt die Sterne verblassen. Hinten auf dem Lastdeck sitzen neun Frauen, durchnässt bis auf die Knochen, und singen lauthals Justin Bieber/Usher/Rihanna-Songs. Ich höre nichts vom Original, das aus einem Handy tschättert - der Fahrtwind ist zu laut. Aber mittlerweile kann ich "Dek Noi" ("Baby", in Lao) auch so mitsingen. Und meine laotischen und amerikanischen Freundinnen sind trotz der nassen Kleider und dem wegen der harten Sitzfläche schmerzenden Hintern so bester Laune, dass ich "Shorty is a Mini-Money-Lover" und "Umbrella-ella-eh-eh" nur halb so doof finde.

Ich dachte ja am Samstagmorgen noch, Savannakhet ist eine oder zwei Stunden Busfahrt entfernt. Fünf Stunden später kamen wir an, und die Party begann: Zehn Sekunden dauerte es, und alle waren komplett durchnässt und die Gesichter mit Babypuder beschmiert. Zu lauter Discomusik tanzt man an Pii Mai (Lao New Year) mitten auf der Strasse und wartet mit vollen Wasserkübeln, Babypuder, Bier und Farbballons auf Opfer.

(Ja, wir sind nass. Man siehts nur nicht.)
Pii Mai ist für Buddhisten, was für Christen Ostern ist. Man feiert, isst was Spezielles und geht in die Kirche. Laoten gehen zum Tempel, bringen kübelweise Blumenwasser mit und bespritzen damit jede einzelne Buddhastatue. Irgendwie erinnerte mich die ganze Sache ans Heitere Open Air: Massen von Leuten in Feierlaune, Schlamm und Abfall am Boden, Essensstände rund um den Tempel und laute Musik (ok, vielleicht wären Mönchsgesänge am Heitere etwas schräg...).

(Der Mann rechts hinten ist nicht Samichlaus in jungen Jahren, sondern hat den typischen Pi-Mai-Babypuder-Bart.)



Jedenfalls ist das Wasser danach geheiligt, und deswegen besprenkelt man damit die Familie. Ich nehme mal an, aus diesem Ritual ist die Wasserschlacht ursprünglich entstanden. Wie man daran allerdings fünf Tage lang pausenlos Spass haben kann, ist mir schleierhaft.
Auch ohne uns ständig anzuspritzen hatten wir am Wochenende unheimlich viel Spass. Anfangs fühlte ich mich zwar etwas verloren, weil viel Lao gesprochen wurde und ich halt noch nicht wirklich viel verstehe... Dann packte ich die Gelegenheit aber beim Schopf, lernte beim UNO spielen die Farben auf Lao und am nächsten Tag auf dem Markt die Namen der Früchte. Und siehe da, nach und nach verstehe ich Gesprächsfetzen - ob jemand "Sip-ha" Jahre alt ist, ob man "vao saa saa", langsamer sprechen soll, ob ich "muang bo?" - Spass habe? oder "Biia" in meiner "thuung", meiner Tasche, verstecke.
Der Heimweg im Bus dauerte übrigens noch länger. Gefühlt zumindest - drei der fünf Stunden verbrachten wir stehend, da der Bus bis zum Gehtnichtmehr vollgestopft wurde. Dafür lernten wir ein paar Backpacker kennen, mit denen es morgen auf eine spontane Motorbike-Tour zu einigen Wasserfällen geht.
Sabai Dee Pi Mai! Das neue Jahr hat gut begonnen.