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30. August 2015

Fernweh again

"And now I'm home and I wish I wasn't."

Der Satz steht in einem E-Mail an einen Bekannten in Laos, Antwort auf seinen aktuellen Newsletter. 

Heute kam ich von den Ferien nach Hause. Vor 12 Tagen bin ich vor meiner Haustür losgewandert, vor 5 Tagen standen meine Kollegin und ich auf dem Gotthardpass, dem Ziel unserer Wanderung. Und die letzten vier Tage genossen wir la dolce vita im Tessin. Natürlich immer noch mit Wandern, aber "sesshaft geworden", von einem Campingplatz aus und deshalb mit weniger Kilos auf dem Rücken. 

Ich hatte mir ja vorgestellt, dass man beim Weitwandern unweigerlich auf philosophische Gedanken über das eigene Leben und das Leben an sich kommt. Nichts da. Auch nach fünf Tagen hatten sich diese noch nicht eingestellt. Im Gegenteil: Der Kopf wurde leer, ich spürte den Schmerz in der linken Schulter, überlegte mir, wo wir am Abend wohl unser Zelt aufschlagen würden, sah Beeren am Wegrand und ass sie von der Hand in den Mund. 

Jetzt wieder da. Wieder denken. Alltag irgendwie, auch wenn ich noch eine Woche frei habe. Auf der Zugfahrt nach Hause, an Faido, Göschenen, Flüelen vorbei, all den Orten, die wir uns zuvor zu Fuss erarbeitet hatten, dachte ich zuerst, es sei einfach dieser Alltag. Der mir fast die Tränen in die Augen trieb und mein Herz schwer machte beim Nach-Hause-kommen. Fast zurück in Rapperswil merkte ich dann, nein: Es ist ein anderes Gefühl. Es ist das Fernweh. Die Lust, unterwegs zu sein mit nur dem Nötigsten. Im Moment zu leben oder zumindest im aktuellen Tag. Menschen allen Alters und jeder Herkunft zu treffen, von Gesprächen bereichert zu werden, um sie, vielleicht sogar ohne ihren Namen zu kennen, bald wieder weggehen zu sehen. Grappa aus dem Verzascatal und Bergkäse aus Andermatt zu kosten. Das Land zu erlaufen, Geografie als Orte und nicht als Ortsnamen kennen zu lernen.

Reisen ist so eine unglaubliche Bereicherung. Das Fernweh hat mich wieder. 

Aussicht von der Alp Bardughè auf den Lago Maggiore.
Wanderung: Vogorno - Odro - Alpe Bardughè - Vogorno